Hochwasser in Deutschland Merkel im Katastrophengebiet in der Eifel eingetroffen - Schwere Unwetter auch in Bayern (dpa) - Vier Tage nach den verheerenden Unwettern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 150 gestiegen. Zerstörte Häuser, Brücken, Straßen und Bahnstrecken - die Wassermassen haben eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Am Sonntag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Hochwasser betroffene Gebiete in Rheinland-Pfalz besucht. Gegen Mittag traf die CDU-Politikerin in der Eifelgemeinde Schuld ein - der Ort war großflächig zerstört worden. Begleitet wurde sie unter anderem von der Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Merkel sprach mit Einsatzkräften und Betroffenen. Sie fragte die Helfer, ob sie genug Schlaf bekämen, wie die Trinkwasserversorgung klappe, was ihre größten Probleme seien - auch, wie es ihnen persönlich gehe. «Einen Kollegen hat es ganz schwer getroffen, da ist das ganze Haus weg», sagte einer der Feuerwehrmänner. «Haben Sie noch etwas, was Sie uns mitgeben wollen?», fragte Merkel am Ende des Gesprächs. Gegen 14 Uhr stieg die Kanzlerin in ein Auto, um in weitere Eifel-Orte zu fahren. Für den Nachmittag ist ein Pressestatement in Adenau geplant. Allein 110 Toten im Kreis Ahrweiler Der Schwerpunkt der Katastrophe in Rheinland-Pfalz liegt im Kreis Ahrweiler. Allein dort kamen nach jüngsten Angaben der Polizei Koblenz über 110 Menschen ums Leben. 670 Menschen wurden verletzt. Es wird befürchtet, dass noch weitere Todesopfer und Verletzte hinzukommen. «Wenn Sie die Bilder sehen, wie es da aussieht, kann man nicht ausschließen, dass noch weitere Leichen gefunden werden», hatte ein Sprecher gesagt. In Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der bestätigten Todesopfer zuletzt bei 46, darunter waren vier Feuerwehrleute. Im Hochwasser-Hotspot Erftstadt westlich von Köln suchen immer noch zahlreiche Menschen nach ihren Angehörigen. Bisher wurden nach Angaben der Stadt bei der «Personenauskunftsstelle» 59 Menschen gemeldet, deren Aufenthaltsort ungewiss ist. Im Stadtteil Blessem wollen Fachleute am Sonntag die Stabilität des Untergrunds prüfen. Sie sollen nach Angaben der Stadt die Abbruchkanten eines Erdrutsches untersuchen. Die Lage sei unverändert angespannt. In Blessem war durch die Fluten ein riesiger Krater entstanden. Mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der Burg stürzten ein. Einen Rückschlag gab es bei Euskirchen an der Steinbachtalsperre südwestlich von Bonn. Dort fließt das Wasser langsamer als erwartet ab. Eigentlich hatten die Behörden gehofft, am Sonntagnachmittag Entwarnung geben zu können. Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen. Scholz: «Es geht um Milliarden Euro» Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat unterdessen Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe im Westen in Aussicht gestellt. «Es braucht einen nationalen Kraftakt», sagte der SPD-Politiker der «Bild am Sonntag». Er wolle am Mittwoch im Kabinett zwei Dinge auf den Tisch legen. «Erstens eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht», erläuterte Scholz. «Zweitens müssen wir die Grundlage für ein Aufbauprogramm schaffen, damit die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken zügig repariert werden. Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro.» NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der am Samstag mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Katastrophengebiet in Erftstadt besucht hatte, versprach Direkthilfe für die betroffenen Menschen und sagte zu, dass «sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt» werde. Steinmeier hatte zu Solidarität und Spenden für die Opfer aufgerufen. «Die Unterstützungsbereitschaft, sie muss anhalten, im Großen wie im Kleinen», sagte er. Für Montag hat sich Bundesinnenminister Horst Seehofer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz angekündigt. Neue Unwetter suchen Bayern und Sachsen heim Während sich die verheerenden Wassermassen aus vielen Flutgebieten in NRW und Rheinland-Pfalz allmählich zurückziehen, trafen Unwetter am späten Samstagabend den Süden und Osten Deutschlands. Der Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern rief wegen der immensen Regenfälle den Katastrophenfall aus. Auch in der Sächsischen Schweiz gingen gewaltige Regenmassen nieder. «Die Situation ist angespannt, aber beherrschbar», erklärte das Lagezentrum des Innenministeriums in Dresden auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Hochwasser in Deutschland

Merkel im Katastrophengebiet in der Eifel eingetroffen - Schwere Unwetter auch in Bayern

Kanzlerin im Katastrophengebiet: Begleitet von Rheinland-Pfalz' Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat Angela Merkel den Hochwasser-Hotspot Schuld besucht. © Foto: Christof Stache/POOL AFP/dpa

(dpa) - Vier Tage nach den verheerenden Unwettern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 150 gestiegen. Zerstörte Häuser, Brücken, Straßen und Bahnstrecken - die Wassermassen haben eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.

Am Sonntag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Hochwasser betroffene Gebiete in Rheinland-Pfalz besucht. Gegen Mittag traf die CDU-Politikerin in der Eifelgemeinde Schuld ein - der Ort war großflächig zerstört worden. Begleitet wurde sie unter anderem von der Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Merkel sprach mit Einsatzkräften und Betroffenen. Sie fragte die Helfer, ob sie genug Schlaf bekämen, wie die Trinkwasserversorgung klappe, was ihre größten Probleme seien - auch, wie es ihnen persönlich gehe. «Einen Kollegen hat es ganz schwer getroffen, da ist das ganze Haus weg», sagte einer der Feuerwehrmänner. «Haben Sie noch etwas, was Sie uns mitgeben wollen?», fragte Merkel am Ende des Gesprächs.

Gegen 14 Uhr stieg die Kanzlerin in ein Auto, um in weitere Eifel-Orte zu fahren. Für den Nachmittag ist ein Pressestatement in Adenau geplant.

Allein 110 Toten im Kreis Ahrweiler

Der Schwerpunkt der Katastrophe in Rheinland-Pfalz liegt im Kreis Ahrweiler. Allein dort kamen nach jüngsten Angaben der Polizei Koblenz über 110 Menschen ums Leben. 670 Menschen wurden verletzt. Es wird befürchtet, dass noch weitere Todesopfer und Verletzte hinzukommen. «Wenn Sie die Bilder sehen, wie es da aussieht, kann man nicht ausschließen, dass noch weitere Leichen gefunden werden», hatte ein Sprecher gesagt.

In Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der bestätigten Todesopfer zuletzt bei 46, darunter waren vier Feuerwehrleute. Im Hochwasser-Hotspot Erftstadt westlich von Köln suchen immer noch zahlreiche Menschen nach ihren Angehörigen. Bisher wurden nach Angaben der Stadt bei der «Personenauskunftsstelle» 59 Menschen gemeldet, deren Aufenthaltsort ungewiss ist.

Im Stadtteil Blessem wollen Fachleute am Sonntag die Stabilität des Untergrunds prüfen. Sie sollen nach Angaben der Stadt die Abbruchkanten eines Erdrutsches untersuchen. Die Lage sei unverändert angespannt. In Blessem war durch die Fluten ein riesiger Krater entstanden. Mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der Burg stürzten ein.

Einen Rückschlag gab es bei Euskirchen an der Steinbachtalsperre südwestlich von Bonn. Dort fließt das Wasser langsamer als erwartet ab. Eigentlich hatten die Behörden gehofft, am Sonntagnachmittag Entwarnung geben zu können. Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen.

Scholz: «Es geht um Milliarden Euro»

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat unterdessen Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe im Westen in Aussicht gestellt. «Es braucht einen nationalen Kraftakt», sagte der SPD-Politiker der «Bild am Sonntag». Er wolle am Mittwoch im Kabinett zwei Dinge auf den Tisch legen. «Erstens eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht», erläuterte Scholz.

«Zweitens müssen wir die Grundlage für ein Aufbauprogramm schaffen, damit die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken zügig repariert werden. Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro.»

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der am Samstag mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Katastrophengebiet in Erftstadt besucht hatte, versprach Direkthilfe für die betroffenen Menschen und sagte zu, dass «sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt» werde.

Steinmeier hatte zu Solidarität und Spenden für die Opfer aufgerufen. «Die Unterstützungsbereitschaft, sie muss anhalten, im Großen wie im Kleinen», sagte er. Für Montag hat sich Bundesinnenminister Horst Seehofer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz angekündigt.

Neue Unwetter suchen Bayern und Sachsen heim

Während sich die verheerenden Wassermassen aus vielen Flutgebieten in NRW und Rheinland-Pfalz allmählich zurückziehen, trafen Unwetter am späten Samstagabend den Süden und Osten Deutschlands. Der Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern rief wegen der immensen Regenfälle den Katastrophenfall aus. Auch in der Sächsischen Schweiz gingen gewaltige Regenmassen nieder.

«Die Situation ist angespannt, aber beherrschbar», erklärte das Lagezentrum des Innenministeriums in Dresden auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

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