Mehrbelastung befürchtet

Scholz: Einige müssen wohl mehr Grundsteuer zahlen

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Olaf Scholz - © Foto: Michael Kappeler
Finanzminister Olaf Scholz spricht bei einer Diskussion zur Grundsteuer mit Haus- und Grundstückseigentümern. (© Foto: Michael Kappeler)

Berlin - Viele Hausbesitzer sind im Moment nicht gerade gut auf Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zu sprechen. Sie befürchten, die geplante Reform der Grundsteuer könne teuer werden.

Das hat der Minister bisher zurückgewiesen - doch garantieren kann er es nicht. An diesem Donnerstag will sich Scholz einer Diskussion mit dem Hauseigentümerverband Haus und Grund stellen. Bis zum Jahresende muss die Bundesregierung die Reform auf den Weg gebracht haben.

Information
Die Grundsteuer zahlt jeder, der ein Grundstück oder Gebäude besitzt - sie kann auch auf Mieter umgelegt werden. In die Berechnung fließen drei Werte ein:

1) Die Finanzämter kalkulieren den sogenannten Einheitswert - derzeit noch auf Basis von veralteten Immobilienwerten aus den Jahren 1935 (Ostdeutschland) und 1964 (Westdeutschland). Genau diese Kalkulation soll jetzt geändert werden.

2) Multipliziert wird der Einheitswert mit der Steuermesszahl. Die hängt unter anderem davon ab, ob man nur eine Wohnung oder zum Beispiel ein Mehrfamilienhaus besitzt.

3) Das Ergebnis wird noch einmal multipliziert mit einem von der Kommune festgelegten Hebesatz. Diese Hebesätze sind in Deutschland sehr unterschiedlich, der Durchschnitt im Jahr 2017 lag bei 375 Prozent. Spitzenreiter war die hessische Gemeinde Nauheim mit 960 Prozent.

BEISPIELRECHNUNG:

Eine Familie hat ein Einfamilienhaus in einem westlichen Bundesland. Das Finanzamt ermittelt für das Gebäude einen Einheitswert von 35 000 Euro. Die Steuermesszahl beträgt laut Grundsteuergesetz 2,6 Promille.

Bei einem durchschnittlichen Hebesatz von 375 Prozent würde die Familie 341 Euro Grundsteuer im Jahr bezahlen.

Stünde das Haus im hessischen Nauheim (Hebesatz 960 Prozent), würden ganze 873 Euro fällig.

Rund 30 Kilometer weiter westlich, in Ingelheim am Rhein (Hebesatz 80 Prozent), müsste man nur rund 73 Euro zahlen.

Scholz will, dass künftig vor allem der Wert des Bodens und die durchschnittliche Miete eine Rolle spielen. Alle rund 36 Millionen Häuser und unbebauten Grundstücke müssten dann neu bewertet werden.

Damit das nicht zu massiven Anstiegen bei der Steuer führt, will der Vizekanzler einen anderen Faktor der Berechnung, die Steuermesszahl anpassen. Außerdem setzt er darauf, dass die Kommunen auf Mehreinnahmen verzichten - denn sie bestimmen über den Hebesatz letztlich, wie viel die Eigentümer tatsächlich zahlen.

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Mehrbelastung befürchtetScholz: Einige müssen wohl mehr Grundsteuer zahlenBerlin - Viele Hausbesitzer sind im Moment nicht gerade gut auf Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zu sprechen. Sie befürchten, die geplante Reform der Grundsteuer könne teuer werden. Das hat der Minister bisher zurückgewiesen - doch garantieren kann er es nicht. An diesem Donnerstag will sich Scholz einer Diskussion mit dem Hauseigentümerverband Haus und Grund stellen. Bis zum Jahresende muss die Bundesregierung die Reform auf den Weg gebracht haben. Scholz will, dass künftig vor allem der Wert des Bodens und die durchschnittliche Miete eine Rolle spielen. Alle rund 36 Millionen Häuser und unbebauten Grundstücke müssten dann neu bewertet werden. Damit das nicht zu massiven Anstiegen bei der Steuer führt, will der Vizekanzler einen anderen Faktor der Berechnung, die Steuermesszahl anpassen. Außerdem setzt er darauf, dass die Kommunen auf Mehreinnahmen verzichten - denn sie bestimmen über den Hebesatz letztlich, wie viel die Eigentümer tatsächlich zahlen.