Kommentar zum Thema: Der "grüne Knopf": Fair muss schick sein Von Claus Schöner Entwicklungsminister Gerd Müller lässt nicht locker. Er wollte mit seinem „Bündnis für nachhaltige Textilien“ sicherstellen, dass Jeans, Hemden, T-Shirts, Sportanzüge und andere Kleidungsstücke, die in Deutschland verkauft werden, nicht mehr von Sklavenarbeitern und Kindern in Bangladesch oder Kambodscha gefertigt werden, für Dumping-Löhne und unter menschenverachtenden sowie ökologisch haarsträubenden Bedingungen. Doch diejenigen, die wirklich etwas tun könnten, die Großen aus der Textilindustrie und dem Handel, haben den Minister ziemlich im Regen stehen lassen. Nun versucht er, mit einem neuen Siegel, einem „Grünen Knopf“, fair hergestellten und gehandelten Textilien zum Durchbruch zu verhelfen. Und wieder nörgeln die Lobbyisten herum, beklagen zum Doppelstrukturen, fürchten Wettbewerbsnachteile, wenn sie sich höheren Standards verschreiben als internationale Konkurrenten. Seltsam, dass sich dennoch Dutzende Unternehmen an dem Projekt beteiligen. Viele haben erkannt, dass der „Grüne Knopf“ auch ein Werbefaktor sein kann. Es ist zu hoffen, dass er ein Erfolg wird, denn an den Produktionsbedingungen in Asien hat sich noch nichts Grundlegendes geändert seit der schrecklichen Katastrophe in der Textilfabrik Rana Plaza Ende April 2013 mit mehr als 1.100 Toten. Es wird darauf ankommen, dass die Verbraucher ihre Macht ausspielen und bereit sind, für faire Mode ein paar Euro mehr zu zahlen. Wenn sie Klamotten mit dem „Grünen Knopf“ nachfragen, können sich das Siegel und die neuen Standards durchsetzen. Dann wird es auch einfacher, noch mehr zu tun. Denn klar ist: Müllers Knopf ist nur ein Schritt, dem noch viele folgen müssen, um faire Produktionsbedingungen vom Baumwollstrauch bis zum Bügel und Transparenz zu gewährleisten. Fair muss aber auch wirklich schick und tragbar sein und auf dem Markt eine echte Chance bekommen. Solange Geiz „geil“ bleibt, zahlen nicht die Kunden, sondern die ausgebeuteten Arbeiter einen hohen Preis. Mitunter mit ihrem Leben.

Kommentar zum Thema: Der "grüne Knopf": Fair muss schick sein

Von Claus Schöner

Entwicklungsminister Gerd Müller lässt nicht locker. Er wollte mit seinem „Bündnis für nachhaltige Textilien“ sicherstellen, dass Jeans, Hemden, T-Shirts, Sportanzüge und andere Kleidungsstücke, die in Deutschland verkauft werden, nicht mehr von Sklavenarbeitern und Kindern in Bangladesch oder Kambodscha gefertigt werden, für Dumping-Löhne und unter menschenverachtenden sowie ökologisch haarsträubenden Bedingungen. Doch diejenigen, die wirklich etwas tun könnten, die Großen aus der Textilindustrie und dem Handel, haben den Minister ziemlich im Regen stehen lassen.

Nun versucht er, mit einem neuen Siegel, einem „Grünen Knopf“, fair hergestellten und gehandelten Textilien zum Durchbruch zu verhelfen. Und wieder nörgeln die Lobbyisten herum, beklagen zum Doppelstrukturen, fürchten Wettbewerbsnachteile, wenn sie sich höheren Standards verschreiben als internationale Konkurrenten. Seltsam, dass sich dennoch Dutzende Unternehmen an dem Projekt beteiligen. Viele haben erkannt, dass der „Grüne Knopf“ auch ein Werbefaktor sein kann. Es ist zu hoffen, dass er ein Erfolg wird, denn an den Produktionsbedingungen in Asien hat sich noch nichts Grundlegendes geändert seit der schrecklichen Katastrophe in der Textilfabrik Rana Plaza Ende April 2013 mit mehr als 1.100 Toten.

Es wird darauf ankommen, dass die Verbraucher ihre Macht ausspielen und bereit sind, für faire Mode ein paar Euro mehr zu zahlen. Wenn sie Klamotten mit dem „Grünen Knopf“ nachfragen, können sich das Siegel und die neuen Standards durchsetzen. Dann wird es auch einfacher, noch mehr zu tun. Denn klar ist: Müllers Knopf ist nur ein Schritt, dem noch viele folgen müssen, um faire Produktionsbedingungen vom Baumwollstrauch bis zum Bügel und Transparenz zu gewährleisten. Fair muss aber auch wirklich schick und tragbar sein und auf dem Markt eine echte Chance bekommen. Solange Geiz „geil“ bleibt, zahlen nicht die Kunden, sondern die ausgebeuteten Arbeiter einen hohen Preis. Mitunter mit ihrem Leben.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Kommentare