Kommentar zum Thema Pisa-Studie: Nicht zufriedenstellend

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Von Torsten Henke

Torsten Henke, Kommentator Henke - © privat
Torsten Henke, Kommentator Henke (© privat)

Auf den ersten Blick scheint der aktuelle Pisa-Vergleichstest ein ganz mieses Zeugnis für das hiesige Bildungssystem zu sein. Lesen, Mathe, Naturwissenschaften – die deutschen Schüler fallen zurück. Doch darf bei der Bewertung der Ergebnisse nicht übersehen werden: Unter den 15-jährigen Schülern hat sich der Anteil derer mit Migrationshintergrund vor allem seit 2015 deutlich erhöht. Dafür kann sich das Ergebnis durchaus noch sehen lassen.

Gleichwohl: Zufriedenstellend ist es nicht. Das Versagen der Bildungspolitik setzt sich fort. Sie bekommt das Problem, das die Prüfer schon beim Pisa-Schock vor fast 20 Jahren beklagten, einfach nicht in den Griff: Die Chancen im Bildungswesen sind ungleich verteilt.

Es geht ein intellektueller Riss durch die Republik, der sogar noch breiter wird, und der weitgehend deckungsgleich mit der sozialen Spaltung ist. Wer aus einem Elternhaus mit höherem Bildungsniveau kommt, strebt in der Regel selbst eine entsprechende Qualifikation an. Kinder aus der sogenannten „bildungsfernen Schicht“ erreichen hingegen nicht häufiger, sondern sogar seltener einen höheren Abschluss als die Eltern. Sie verdienen später weniger Geld, die Grenzen zwischen den sozialen Milieus verfestigen sich. Erziehungs-Experten sprechen von der „vererbten Bildung“. Mit anderen Worten: Einmal arm, immer arm. Damit dürfen sich Politik und Gesellschaft nicht zufriedengeben.

Zu viele junge Menschen landen auf dem Abstellgleis, dem Staat gelingt es nicht in ausreichendem Maße, sein Versprechen „Aufstieg durch Bildung“ einzulösen. Es sind massive Investition in die Bildung nötig. Und mehr engagierte, junge Lehrer, um Kinder und Jugendliche für das Lernen zu begeistern. Und für das Lesen, wenn sie es überhaupt beherrschen, das für sie häufig kein Vergnügen ist. Wie traurig im Land der Dichter und Denker.

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Kommentar zum Thema Pisa-Studie: Nicht zufriedenstellendVon Torsten Henke Auf den ersten Blick scheint der aktuelle Pisa-Vergleichstest ein ganz mieses Zeugnis für das hiesige Bildungssystem zu sein. Lesen, Mathe, Naturwissenschaften – die deutschen Schüler fallen zurück. Doch darf bei der Bewertung der Ergebnisse nicht übersehen werden: Unter den 15-jährigen Schülern hat sich der Anteil derer mit Migrationshintergrund vor allem seit 2015 deutlich erhöht. Dafür kann sich das Ergebnis durchaus noch sehen lassen. Gleichwohl: Zufriedenstellend ist es nicht. Das Versagen der Bildungspolitik setzt sich fort. Sie bekommt das Problem, das die Prüfer schon beim Pisa-Schock vor fast 20 Jahren beklagten, einfach nicht in den Griff: Die Chancen im Bildungswesen sind ungleich verteilt. Es geht ein intellektueller Riss durch die Republik, der sogar noch breiter wird, und der weitgehend deckungsgleich mit der sozialen Spaltung ist. Wer aus einem Elternhaus mit höherem Bildungsniveau kommt, strebt in der Regel selbst eine entsprechende Qualifikation an. Kinder aus der sogenannten „bildungsfernen Schicht“ erreichen hingegen nicht häufiger, sondern sogar seltener einen höheren Abschluss als die Eltern. Sie verdienen später weniger Geld, die Grenzen zwischen den sozialen Milieus verfestigen sich. Erziehungs-Experten sprechen von der „vererbten Bildung“. Mit anderen Worten: Einmal arm, immer arm. Damit dürfen sich Politik und Gesellschaft nicht zufriedengeben. Zu viele junge Menschen landen auf dem Abstellgleis, dem Staat gelingt es nicht in ausreichendem Maße, sein Versprechen „Aufstieg durch Bildung“ einzulösen. Es sind massive Investition in die Bildung nötig. Und mehr engagierte, junge Lehrer, um Kinder und Jugendliche für das Lernen zu begeistern. Und für das Lesen, wenn sie es überhaupt beherrschen, das für sie häufig kein Vergnügen ist. Wie traurig im Land der Dichter und Denker.