Kommentar zur UN-Klimakonferenz: Wanderzirkus-Wahnsinn

Torsten Henke

Wer zum internationalen Klima-Jetset gehört, kommt viel rum in der Welt. Jahr für Jahr schwebt der Weltrettungs-Wanderzirkus mit bis zu 30.000 Teilnehmern, Beobachtern, Beratern, Umweltschützern und Journalisten in einer anderen Metropole auf dem Erdball ein. Nur ein Bruchteil von ihnen ist direkt an den Verhandlungen beteiligt. Es herrscht Schulausflug-Stimmung, der Spaßfaktor kommt nicht zu kurz. Das Taxi- und Mietwagengewerbe jubelt, seit Wochen schlängeln sich Lkw-Karawanen durch Madrid, um Verpflegung, Konferenztechnik, Möbel und alles andere zum Konferenzort zu bringen, was man bei einem Klimagipfel so braucht. Der Flughafen der spanischen Hauptstadt hat Hochkonjunktur, etliche Regierungs- und Privatjets müssen geparkt werden.

Torsten Henke. - © pr
Torsten Henke. (© pr)

Ist es nicht ziemlich verlogen, auf diese pompöse Weise das Klima schützen zu wollen? Aber das Ganze findet doch klimaneutral statt, wendet die Klimaschutz-Community ein. Doch wäre es nicht besser, überflüssige Emissionen zu vermeiden, anstatt hinterher Bäume zu pflanzen? Heiligt die gute Sache wirklich jeden Aufwand? Zu Recht fordert Entwicklungsminister Gerd Müller, die globalen Klimagespräche effizienter und schlanker zu machen. Und damit: umwelt- und klimaschonender. Sein Vorschlag, die Klimakonferenz in großem Rahmen mit den Staats- und Regierungschefs nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen, ist vernünftig.

Das bedeutet ja nicht, dass der Klimaschutz in der Zwischenzeit ruhen soll. Zwischen den großen Gipfeln gibt es schon heute eine Reihe Konferenzen, in denen es etwa um die praktische Umsetzung der auf höchster Ebene gefassten Beschlüsse geht. In kleineren Formaten kann konzentrierter und effizienter gearbeitet werden. Es spräche also einiges dafür, Müllers Anregung ernsthaft zu diskutieren. Doch daraus wird wohl nichts. Es gibt zu viele, die allzu gern beim Reise- und Konferenz-Wahnsinn dabei sind.

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Kommentar zur UN-Klimakonferenz: Wanderzirkus-WahnsinnTorsten HenkeWer zum internationalen Klima-Jetset gehört, kommt viel rum in der Welt. Jahr für Jahr schwebt der Weltrettungs-Wanderzirkus mit bis zu 30.000 Teilnehmern, Beobachtern, Beratern, Umweltschützern und Journalisten in einer anderen Metropole auf dem Erdball ein. Nur ein Bruchteil von ihnen ist direkt an den Verhandlungen beteiligt. Es herrscht Schulausflug-Stimmung, der Spaßfaktor kommt nicht zu kurz. Das Taxi- und Mietwagengewerbe jubelt, seit Wochen schlängeln sich Lkw-Karawanen durch Madrid, um Verpflegung, Konferenztechnik, Möbel und alles andere zum Konferenzort zu bringen, was man bei einem Klimagipfel so braucht. Der Flughafen der spanischen Hauptstadt hat Hochkonjunktur, etliche Regierungs- und Privatjets müssen geparkt werden. Ist es nicht ziemlich verlogen, auf diese pompöse Weise das Klima schützen zu wollen? Aber das Ganze findet doch klimaneutral statt, wendet die Klimaschutz-Community ein. Doch wäre es nicht besser, überflüssige Emissionen zu vermeiden, anstatt hinterher Bäume zu pflanzen? Heiligt die gute Sache wirklich jeden Aufwand? Zu Recht fordert Entwicklungsminister Gerd Müller, die globalen Klimagespräche effizienter und schlanker zu machen. Und damit: umwelt- und klimaschonender. Sein Vorschlag, die Klimakonferenz in großem Rahmen mit den Staats- und Regierungschefs nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen, ist vernünftig. Das bedeutet ja nicht, dass der Klimaschutz in der Zwischenzeit ruhen soll. Zwischen den großen Gipfeln gibt es schon heute eine Reihe Konferenzen, in denen es etwa um die praktische Umsetzung der auf höchster Ebene gefassten Beschlüsse geht. In kleineren Formaten kann konzentrierter und effizienter gearbeitet werden. Es spräche also einiges dafür, Müllers Anregung ernsthaft zu diskutieren. Doch daraus wird wohl nichts. Es gibt zu viele, die allzu gern beim Reise- und Konferenz-Wahnsinn dabei sind.