Kommentar zum Thema Gewalt gegen Frauen: Opfern helfen

veröffentlicht

Von Claus Schöner

Die Zahlen sind erschütternd. Mehr als 140.000 Fälle von häuslicher Gewalt zumeist gegen Frauen wurden im vergangenen Jahr angezeigt. Die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein. Dabei ist es bereits acht Jahre her, dass die Bundesregierung die Istanbul-Konvention des Europarats mit beschlossen hat. Seit Februar des vergangenen Jahres ist es sogar Gesetz, dass es pro 10.000 Einwohner einen Platz geben soll, an dem betroffene Frauen sicher sind, an dem sie Schutz und Hilfe bekommen. Die Realität sieht allerdings anders aus, es fehlen noch immer schätzungsweise 14.600 Plätze in Frauenhäusern. Mit teilweise dramatischen Folgen. Es ist zu begrüßen, dass der Bund nun abermals mehr Geld geben will und perspektivisch ein Rechtsanspruch auf einen Platz in einem Frauenhaus geschaffen werden soll.

Das Thema darf nicht nur an Tagen wie dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen diskutiert werden. Es handelt sich um ein Massenphänomen, das in allen gesellschaftlichen Schichten, Religionen, Kulturen und Nationalitäten zu finden ist. Im Schnitt gibt es sogar jeden zweiten bis dritten Tag ein Todesopfer in Folge von häuslicher Gewalt. Obwohl die Gesetze, die Übergriffe verhindern sollen, verschärft wurden und gar nicht schlecht sind. So können prügelnde Partner aus der Wohnung verbannt werden.

Allerdings: Nach zehn Tagen dürfen sie in vielen Fällen wieder nach Hause. Ohne Auflagen. Für die Behörden ist die Sache meistens erledigt, wenn Opfer keine Anzeige erstatten, sondern angeben, bloß gestürzt zu sein. Doch viele Menschen bekommen mit, was los ist im Haus nebenan oder in der Nachbarwohnung. Sie hören die Schreie, sehen die blauen Flecken. Und tun nichts. Das muss sich ändern. Es werden neben Plätzen in Frauenhäusern mehr Beratung und Prävention, aber auch Therapieprogramme für Täter und potenzielle Täter benötigt. Es ist zu begrüßen, dass die GroKo diesem Thema dank Familienministerin Franziska Giffey mehr Aufmerksamkeit widmet. Man kann ihr nur die Daumen drücken.

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Kommentar zum Thema Gewalt gegen Frauen: Opfern helfenVon Claus Schöner Die Zahlen sind erschütternd. Mehr als 140.000 Fälle von häuslicher Gewalt zumeist gegen Frauen wurden im vergangenen Jahr angezeigt. Die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein. Dabei ist es bereits acht Jahre her, dass die Bundesregierung die Istanbul-Konvention des Europarats mit beschlossen hat. Seit Februar des vergangenen Jahres ist es sogar Gesetz, dass es pro 10.000 Einwohner einen Platz geben soll, an dem betroffene Frauen sicher sind, an dem sie Schutz und Hilfe bekommen. Die Realität sieht allerdings anders aus, es fehlen noch immer schätzungsweise 14.600 Plätze in Frauenhäusern. Mit teilweise dramatischen Folgen. Es ist zu begrüßen, dass der Bund nun abermals mehr Geld geben will und perspektivisch ein Rechtsanspruch auf einen Platz in einem Frauenhaus geschaffen werden soll. Das Thema darf nicht nur an Tagen wie dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen diskutiert werden. Es handelt sich um ein Massenphänomen, das in allen gesellschaftlichen Schichten, Religionen, Kulturen und Nationalitäten zu finden ist. Im Schnitt gibt es sogar jeden zweiten bis dritten Tag ein Todesopfer in Folge von häuslicher Gewalt. Obwohl die Gesetze, die Übergriffe verhindern sollen, verschärft wurden und gar nicht schlecht sind. So können prügelnde Partner aus der Wohnung verbannt werden. Allerdings: Nach zehn Tagen dürfen sie in vielen Fällen wieder nach Hause. Ohne Auflagen. Für die Behörden ist die Sache meistens erledigt, wenn Opfer keine Anzeige erstatten, sondern angeben, bloß gestürzt zu sein. Doch viele Menschen bekommen mit, was los ist im Haus nebenan oder in der Nachbarwohnung. Sie hören die Schreie, sehen die blauen Flecken. Und tun nichts. Das muss sich ändern. Es werden neben Plätzen in Frauenhäusern mehr Beratung und Prävention, aber auch Therapieprogramme für Täter und potenzielle Täter benötigt. Es ist zu begrüßen, dass die GroKo diesem Thema dank Familienministerin Franziska Giffey mehr Aufmerksamkeit widmet. Man kann ihr nur die Daumen drücken.