Kommentar zur UN-Bevölkerungskonferenz: Auf die Frauen setzen

Claus Schöner

Claus Schöner. - © pr
Claus Schöner. (© pr)

Behalten die Experten mit ihren Schätzungen recht, werden 2050 fast zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Jeden Tag, rechnet Entwicklungsminister Gerd Müller vor, werden 230.000 Babys geboren. Die Bevölkerung Afrikas könnte sich bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln. Was geht das uns an, mag mancher fragen. Eine ganze Menge. Denn all die Menschen müssen ernährt werden. Sie brauchen Jobs. Wenn sie die nicht bekommen, werden sich viele auf den Weg nach Norden machen. Sich bis zum Mittelmeer durchschlagen und nichts unversucht lassen, den Wassergraben um die Festung Europa zu überwinden.

Es ist also im Interesse Deutschlands und Europas, einen Beitrag zu leisten, um dem Kontinent wirtschaftlich auf die Beine zu helfen. Bei der Bekämpfung von Hunger und Armut hat es Fortschritte gegeben. Die Gesundheitsversorgung hat sich in vielen Ländern verbessert, die Lebenserwartung erhöht, die Kindersterblichkeit ist gesunken. Ein Thema wurde jedoch lange vernachlässigt: die Bildung. Frauen mit höherer Bildung setzen sich häufiger für Gleichberechtigung ein und entscheiden selbst darüber, wie viele Kinder sie bekommen wollen. Sie gehen unbefangener mit Sexualität und Verhütung um. Wer das Bevölkerungswachstum bremsen will, muss auf die Frauen setzen und sie stärken.

Zudem muss mehr getan werden, um den Menschen Perspektiven zu geben. Während Russland und China in Afrika höchst aktiv sind, halten europäische Unternehmen sich mit Investitionen zurück. Die jedoch sind nötig, um die Wirtschaft und funktionierende soziale Sicherungssysteme aufzubauen. Nur dann sind Menschen in Afrika nicht mehr darauf angewiesen, möglichst viele Kinder zu bekommen, um für ihr Alter vorzusorgen. Vieles, was nun in Nairobi bei der Bevölkerungskonferenz besprochen wird, war auch vor 25 Jahren in Kairo ein Thema. In der Praxis jedoch wurde nicht genug erreicht. Das muss sich ändern. In Partnerschaft mit Afrika, nicht von oben herab.

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Kommentar zur UN-Bevölkerungskonferenz: Auf die Frauen setzenClaus SchönerBehalten die Experten mit ihren Schätzungen recht, werden 2050 fast zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Jeden Tag, rechnet Entwicklungsminister Gerd Müller vor, werden 230.000 Babys geboren. Die Bevölkerung Afrikas könnte sich bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln. Was geht das uns an, mag mancher fragen. Eine ganze Menge. Denn all die Menschen müssen ernährt werden. Sie brauchen Jobs. Wenn sie die nicht bekommen, werden sich viele auf den Weg nach Norden machen. Sich bis zum Mittelmeer durchschlagen und nichts unversucht lassen, den Wassergraben um die Festung Europa zu überwinden. Es ist also im Interesse Deutschlands und Europas, einen Beitrag zu leisten, um dem Kontinent wirtschaftlich auf die Beine zu helfen. Bei der Bekämpfung von Hunger und Armut hat es Fortschritte gegeben. Die Gesundheitsversorgung hat sich in vielen Ländern verbessert, die Lebenserwartung erhöht, die Kindersterblichkeit ist gesunken. Ein Thema wurde jedoch lange vernachlässigt: die Bildung. Frauen mit höherer Bildung setzen sich häufiger für Gleichberechtigung ein und entscheiden selbst darüber, wie viele Kinder sie bekommen wollen. Sie gehen unbefangener mit Sexualität und Verhütung um. Wer das Bevölkerungswachstum bremsen will, muss auf die Frauen setzen und sie stärken. Zudem muss mehr getan werden, um den Menschen Perspektiven zu geben. Während Russland und China in Afrika höchst aktiv sind, halten europäische Unternehmen sich mit Investitionen zurück. Die jedoch sind nötig, um die Wirtschaft und funktionierende soziale Sicherungssysteme aufzubauen. Nur dann sind Menschen in Afrika nicht mehr darauf angewiesen, möglichst viele Kinder zu bekommen, um für ihr Alter vorzusorgen. Vieles, was nun in Nairobi bei der Bevölkerungskonferenz besprochen wird, war auch vor 25 Jahren in Kairo ein Thema. In der Praxis jedoch wurde nicht genug erreicht. Das muss sich ändern. In Partnerschaft mit Afrika, nicht von oben herab.