Kommentar zur Halbzeitbilanz der Groko: Selbstbeweihräucherung

Torsten Henke

Sie sind ja so gut, die schwarz-roten Koalitionäre, haben so hervorragende Arbeit geleistet und schon so viele Vorhaben abgehakt. Das nüchtern „technische Bilanz“ genannte Zeugnis, das sich die Groko ausstellt, fällt glänzend als. Also alles in bester Ordnung? Man fühlt sich an Pippi Langstrumpf erinnert. Die Koalitionäre könnten den Song der frechen Astrid-Lindgren-Göre, den Andrea Nahles schon einmal dem Bundestag zugemutet hat, zu ihrer Hymne erklären: Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt. Mit der Wahrnehmung der Bürger hat die schwarz-rote Bestandsaufnahme wenig zu tun.

Torsten Henke. - © pr
Torsten Henke. (© pr)

Das liegt daran, dass schon der Koalitionsvertrag der kleinste gemeinsame Nenner war, der auf viele Probleme, die die „Menschen im Lande“ beschäftigen, keine ausreichenden Antworten gegeben hat. Wenn CDU/CSU und SPD nun zwei Drittel davon abgearbeitet oder in Angriff genommen haben, wird daraus noch keine starke Leistung. „Arbeitswillig und arbeitsfähig“ zu sein, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt, reicht nicht. Das merken die Bürger. Sie mögen mit ihrer momentanen persönlichen Situation zufrieden sein, haben aber dennoch das Gefühl, dass etwas schiefläuft in diesem Land. Dass nicht genug getan wird, um es in eine gute Zukunft zu führen.

Was die Menschen im Alltag sehen und erleben, ihre Miete und Nebenkostenabrechnung, ihr Steuerbescheid, die heruntergekommenen Schulen, steigende Strompreise, die Staus, der miese ÖPNV und schlechte Internet-Verbindungen – all das passt nicht zur schwarz-roten Selbstbeweihräucherung. Zu oft sind es nicht eigene Impulse, die die Koalition veranlassen, etwas zu tun, sondern die Angst vor der AfD, der Druck durch Fridays for Future oder das Entsetzen nach furchtbaren Verbrechen. Nicht nur an der Grundrente oder am Streit über Syrien zeigt sich: Die Groko ist ausgezehrt, die Partner können den jeweils anderen nicht mehr ertragen.

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Kommentar zur Halbzeitbilanz der Groko: SelbstbeweihräucherungTorsten HenkeSie sind ja so gut, die schwarz-roten Koalitionäre, haben so hervorragende Arbeit geleistet und schon so viele Vorhaben abgehakt. Das nüchtern „technische Bilanz“ genannte Zeugnis, das sich die Groko ausstellt, fällt glänzend als. Also alles in bester Ordnung? Man fühlt sich an Pippi Langstrumpf erinnert. Die Koalitionäre könnten den Song der frechen Astrid-Lindgren-Göre, den Andrea Nahles schon einmal dem Bundestag zugemutet hat, zu ihrer Hymne erklären: Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt. Mit der Wahrnehmung der Bürger hat die schwarz-rote Bestandsaufnahme wenig zu tun. Das liegt daran, dass schon der Koalitionsvertrag der kleinste gemeinsame Nenner war, der auf viele Probleme, die die „Menschen im Lande“ beschäftigen, keine ausreichenden Antworten gegeben hat. Wenn CDU/CSU und SPD nun zwei Drittel davon abgearbeitet oder in Angriff genommen haben, wird daraus noch keine starke Leistung. „Arbeitswillig und arbeitsfähig“ zu sein, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt, reicht nicht. Das merken die Bürger. Sie mögen mit ihrer momentanen persönlichen Situation zufrieden sein, haben aber dennoch das Gefühl, dass etwas schiefläuft in diesem Land. Dass nicht genug getan wird, um es in eine gute Zukunft zu führen. Was die Menschen im Alltag sehen und erleben, ihre Miete und Nebenkostenabrechnung, ihr Steuerbescheid, die heruntergekommenen Schulen, steigende Strompreise, die Staus, der miese ÖPNV und schlechte Internet-Verbindungen – all das passt nicht zur schwarz-roten Selbstbeweihräucherung. Zu oft sind es nicht eigene Impulse, die die Koalition veranlassen, etwas zu tun, sondern die Angst vor der AfD, der Druck durch Fridays for Future oder das Entsetzen nach furchtbaren Verbrechen. Nicht nur an der Grundrente oder am Streit über Syrien zeigt sich: Die Groko ist ausgezehrt, die Partner können den jeweils anderen nicht mehr ertragen.