Kommentar zum Thema Rente: Eisberg in Sicht

veröffentlicht

Claus Schöner, Kommentator Henke - © privat
Claus Schöner, Kommentator Henke (© privat)

Von Claus Schöner

Die Kapelle spielt, die Stimmung ist ausgelassen, der Champagner fließt. Doch anders als bei der Titanic weiß auf dem Renten-Dampfer längst jeder, welches Unglück naht. Und zwar nicht erst, seit die Bundesbank ihren jüngsten Bericht vorgelegt hat. Der Eisberg ist schon lange deutlich sichtbar. Und er wird größter. Doch statt den Kurs zu ändern und ihm auszuweichen, lautete das Kommando auf der schwarz-roten Brücke: Volle Kraft voraus! Mütterrente, Rente mit 63, die „doppelt Haltelinie“ – die GroKo hat sich einiges einfallen, die Passagiere bei Laune zu halten. Jetzt arbeitet sie an der Grundrente. Vieles ist richtig, aber auch ziemlich teuer.

Und während vor allem die Älteren noch ausgiebig feiern, können sich die Jüngeren bereits auf die Rechnung gefasst machen. Und die wird happig ausfallen. Um das zu wissen, muss man kein Bundesbank-Volkswirt oder Versicherungsmathematiker sein. Wenn es immer mehr Senioren gibt, die Rente beziehen, aber immer weniger Arbeitnehmer, die das Umlagesystem mit ihren Beiträgen finanzieren, kann das irgendwann nicht mehr funktionieren, ohne dass die Beiträge empfindlich steigen, das Rentenniveau deutlich sinkt oder die Menschen länger arbeiten müssen.

Zwar denken die Banker in langen Zeiträumen. Und es klingt ja durchaus logisch, was sie vorrechnen. Doch es geht um mehr als nackte Zahlen. Es geht um Menschen, die teilweise schon mit 60, 63 oder 65 Jahren nicht mehr können, weil sie Jahrzehnte lang hart malocht haben. Andere hingegen arbeiten gerne noch mit 67 oder 70 . Es muss darum gehen, maßgeschneiderte Lösungen für möglichst viele Menschen anzubieten, ohne die Sozialversicherung und damit die jüngeren Generationen noch stärker zu belasten. Wenn die GroKo es mit der Generationengerechtigkeit ernst meint, muss sie sich zügig an die langfristige Stabilisierung der Rentenversicherung machen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Kommentar zum Thema Rente: Eisberg in SichtVon Claus Schöner Die Kapelle spielt, die Stimmung ist ausgelassen, der Champagner fließt. Doch anders als bei der Titanic weiß auf dem Renten-Dampfer längst jeder, welches Unglück naht. Und zwar nicht erst, seit die Bundesbank ihren jüngsten Bericht vorgelegt hat. Der Eisberg ist schon lange deutlich sichtbar. Und er wird größter. Doch statt den Kurs zu ändern und ihm auszuweichen, lautete das Kommando auf der schwarz-roten Brücke: Volle Kraft voraus! Mütterrente, Rente mit 63, die „doppelt Haltelinie“ – die GroKo hat sich einiges einfallen, die Passagiere bei Laune zu halten. Jetzt arbeitet sie an der Grundrente. Vieles ist richtig, aber auch ziemlich teuer. Und während vor allem die Älteren noch ausgiebig feiern, können sich die Jüngeren bereits auf die Rechnung gefasst machen. Und die wird happig ausfallen. Um das zu wissen, muss man kein Bundesbank-Volkswirt oder Versicherungsmathematiker sein. Wenn es immer mehr Senioren gibt, die Rente beziehen, aber immer weniger Arbeitnehmer, die das Umlagesystem mit ihren Beiträgen finanzieren, kann das irgendwann nicht mehr funktionieren, ohne dass die Beiträge empfindlich steigen, das Rentenniveau deutlich sinkt oder die Menschen länger arbeiten müssen. Zwar denken die Banker in langen Zeiträumen. Und es klingt ja durchaus logisch, was sie vorrechnen. Doch es geht um mehr als nackte Zahlen. Es geht um Menschen, die teilweise schon mit 60, 63 oder 65 Jahren nicht mehr können, weil sie Jahrzehnte lang hart malocht haben. Andere hingegen arbeiten gerne noch mit 67 oder 70 . Es muss darum gehen, maßgeschneiderte Lösungen für möglichst viele Menschen anzubieten, ohne die Sozialversicherung und damit die jüngeren Generationen noch stärker zu belasten. Wenn die GroKo es mit der Generationengerechtigkeit ernst meint, muss sie sich zügig an die langfristige Stabilisierung der Rentenversicherung machen.