Kommentar zum Thema Türkische Militäroffensive: Nur ein Symbol

veröffentlicht

Von Marcus Sauer

Marcus Sauer - © siehe Bildtext
Marcus Sauer (© siehe Bildtext)

Da hat die Bundesregierung dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aber gezeigt, was eine Harke ist! Ober etwa nicht? Nein, Zynismus beiseite, dass die Bundesregierung keine Waffenexporte an die Türkei mehr genehmigen will, wird nichts ändern. So wenig wie Bundeskanzlerin Angela Merkels Appelle am Telefon. Berlin hat einen Weg gesucht, Erdogan für den völkerrechtswidrigen Einmarsch im Norden Syriens zu bestrafen, ohne ihm wehzutun.

Es ist jedoch nicht mehr als ein Symbol. Man tut zwar was, doch das wird Erdogan nicht beeindrucken und nicht innehalten lassen. Denn bereits genehmigte Waffenlieferungen wird Erdogan auch bekommen. Rüstungsgüter, die er gegen die Kurden, die mutigen Verbündeten des Westens im Kampf gegen den IS, einsetzen wird. Die sich ihrerseits mit Waffen „Made in Germany“ verteidigen, die Deutschland ihnen geliefert hat. Nun jedoch werden sie im Stich gelassen. Vor allem von den USA, doch auch die Europäer haben ihre kurdischen Partner schändlich verraten und keinen Grund, ihre Hände in Unschuld zu waschen.

Selbst wenn Erdogan ab sofort keine Waffen mehr aus dem Westen bekäme: Dann würde er sie eben in Russland und China einkaufen, er hat da keine Berührungsängste. Auch nicht bei der Auswahl seiner Waffenbrüder. Islamistische Rebellen, die ihn unterstützen, sollen Gefangene exekutiert haben. Erdogan riskiert, dass der Islamische Staat wieder neue Kraft schöpft. Schon jetzt sind hunderttausend Menschen auf der Flucht. Und Deutschland sowie andere Verbündete finden keine überzeugende Antwort darauf. Sie haben Angst, den Sultan zu erzürnen und zu riskieren, dass er die Schleusen für Flüchtlinge an der Ägäis öffnet. Es ist eine Schande.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Kommentar zum Thema Türkische Militäroffensive: Nur ein SymbolVon Marcus Sauer Da hat die Bundesregierung dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aber gezeigt, was eine Harke ist! Ober etwa nicht? Nein, Zynismus beiseite, dass die Bundesregierung keine Waffenexporte an die Türkei mehr genehmigen will, wird nichts ändern. So wenig wie Bundeskanzlerin Angela Merkels Appelle am Telefon. Berlin hat einen Weg gesucht, Erdogan für den völkerrechtswidrigen Einmarsch im Norden Syriens zu bestrafen, ohne ihm wehzutun. Es ist jedoch nicht mehr als ein Symbol. Man tut zwar was, doch das wird Erdogan nicht beeindrucken und nicht innehalten lassen. Denn bereits genehmigte Waffenlieferungen wird Erdogan auch bekommen. Rüstungsgüter, die er gegen die Kurden, die mutigen Verbündeten des Westens im Kampf gegen den IS, einsetzen wird. Die sich ihrerseits mit Waffen „Made in Germany“ verteidigen, die Deutschland ihnen geliefert hat. Nun jedoch werden sie im Stich gelassen. Vor allem von den USA, doch auch die Europäer haben ihre kurdischen Partner schändlich verraten und keinen Grund, ihre Hände in Unschuld zu waschen. Selbst wenn Erdogan ab sofort keine Waffen mehr aus dem Westen bekäme: Dann würde er sie eben in Russland und China einkaufen, er hat da keine Berührungsängste. Auch nicht bei der Auswahl seiner Waffenbrüder. Islamistische Rebellen, die ihn unterstützen, sollen Gefangene exekutiert haben. Erdogan riskiert, dass der Islamische Staat wieder neue Kraft schöpft. Schon jetzt sind hunderttausend Menschen auf der Flucht. Und Deutschland sowie andere Verbündete finden keine überzeugende Antwort darauf. Sie haben Angst, den Sultan zu erzürnen und zu riskieren, dass er die Schleusen für Flüchtlinge an der Ägäis öffnet. Es ist eine Schande.