Kommentar zum Bildungs- und Teilhabepaket: Am Ziel vorbei

Claus Schöner

Claus Schöner. - © pr
Claus Schöner. (© pr)

Wenn es stimmt, dass nur rund 15 Prozent der sechs- bis 15-Jährigen Kinder und Jugendlichen, die von Hartz IV leben müssen, von dem 2011 eingeführten Bildungs- und Teilhabepaket profitieren, ist das nicht akzeptabel. Die sogenannten „soziokulturellen Teilhabeleistungen“ sollten eigentlich dazu beitragen, die Chancen von Kindern und Jugendlichen aus armen Familien verbessern. So gibt beispielsweise einen Zuschuss zu den Mitgliedsbeiträgen in Sport- oder Musikvereinen, zur Schulausstattung oder zu den Kosten einer Klassenfahrt.

Das war gut gemeint, heute muss man jedoch sagen: Alles in allem ist das Programm ein Flop. Dafür gibt es mehrere Gründe. Viele Eltern wollen nicht, dass bekannt wird, dass sie auf Unterstützung angewiesen sind, und ihre Kinder ausgegrenzt werden. Andere wissen nicht, welche Leistungen sie bekommen oder wie sie sie beantragen können. Manche kümmern sich auch einfach nicht darum. Ihre Kinder werden in doppelter Hinsicht bestraft: für die Armut ihrer Eltern und für deren Gleichgültigkeit. Das muss sich ändern. Die Koalition ist in der Pflicht.

Zwar hat es kürzlich eine Erhöhung der Zuschüsse und eine Vereinfachung des Verfahrens gegeben. Dass damit jedoch die Probleme gelöst sind, wird von Experten bezweifelt. Man wird sehen.

Ginge es nach dem paritätischen Wohlfahrverband, bekämen alle bezugsberechtigten Kinder pauschal 15 Euro im Monat ausgezahlt. Das Risiko besteht jedoch, dass das Geld in vielen Fällen nicht bei den Kindern ankommt. Es wird also auch in Zukunft zweckgebunden beantragt werden müssen. Besser allerdings wäre es, wenn es endlich weniger arme Kinder gäbe – und eine wirkliche Chancengerechtigkeit im Bildungswesen.

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Kommentar zum Bildungs- und Teilhabepaket: Am Ziel vorbeiClaus SchönerWenn es stimmt, dass nur rund 15 Prozent der sechs- bis 15-Jährigen Kinder und Jugendlichen, die von Hartz IV leben müssen, von dem 2011 eingeführten Bildungs- und Teilhabepaket profitieren, ist das nicht akzeptabel. Die sogenannten „soziokulturellen Teilhabeleistungen“ sollten eigentlich dazu beitragen, die Chancen von Kindern und Jugendlichen aus armen Familien verbessern. So gibt beispielsweise einen Zuschuss zu den Mitgliedsbeiträgen in Sport- oder Musikvereinen, zur Schulausstattung oder zu den Kosten einer Klassenfahrt. Das war gut gemeint, heute muss man jedoch sagen: Alles in allem ist das Programm ein Flop. Dafür gibt es mehrere Gründe. Viele Eltern wollen nicht, dass bekannt wird, dass sie auf Unterstützung angewiesen sind, und ihre Kinder ausgegrenzt werden. Andere wissen nicht, welche Leistungen sie bekommen oder wie sie sie beantragen können. Manche kümmern sich auch einfach nicht darum. Ihre Kinder werden in doppelter Hinsicht bestraft: für die Armut ihrer Eltern und für deren Gleichgültigkeit. Das muss sich ändern. Die Koalition ist in der Pflicht. Zwar hat es kürzlich eine Erhöhung der Zuschüsse und eine Vereinfachung des Verfahrens gegeben. Dass damit jedoch die Probleme gelöst sind, wird von Experten bezweifelt. Man wird sehen. Ginge es nach dem paritätischen Wohlfahrverband, bekämen alle bezugsberechtigten Kinder pauschal 15 Euro im Monat ausgezahlt. Das Risiko besteht jedoch, dass das Geld in vielen Fällen nicht bei den Kindern ankommt. Es wird also auch in Zukunft zweckgebunden beantragt werden müssen. Besser allerdings wäre es, wenn es endlich weniger arme Kinder gäbe – und eine wirkliche Chancengerechtigkeit im Bildungswesen.