Kommentar zur Homeoffice-Studie: Klare Regeln notwendig

Claus Schöner

Claus Schöner, Kommentator Henke - © privat
Claus Schöner, Kommentator Henke (© privat)

Sollte das Homeoffice nicht die Antwort auf viele Probleme in der Arbeitswelt sein? Schluss damit, wertvolle Lebenszeit im Stau zu verplempern oder sich in überfüllte und stickige Busse und Bahnen zu quetschen. Mehr Flexibilität, eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf – gut für Umwelt und Gesundheit. Grund genug für die SPD, ein Recht auf Homeoffice zu fordern. Doch so schön, wie ihre Befürworter sich das vorgestellt haben, ist die neue Arbeitswelt in den eigenen vier Wänden doch nicht, wie nun eine Studie offenbart. Denn viele Heimarbeiter leiden unter Stress und psychischen Problemen. Sie muten sich zu viel zu.

So wollen sie sich nicht nachsagen lassen, auf der faulen Haut zu liegen. Wer im Homeoffice arbeitet, steht unter dem Druck, permanent unter Beweis stellen zu wollen, das Vertrauen des Chefs verdient zu haben. Arbeitsschutzregeln werden deshalb häufig ignoriert. Viele schleppen sich auch mit Erkrankungen an den Schreibtisch, mit denen sie niemals ins Büro gehen würden. Hinzu kommen Anrufe und E-Mails von Vorgesetzten zu Zeiten, in denen die Arbeit eigentlich getan ist. Nach dem Motto: Sie oder er ist ja sowieso zu Hause und kann mal schnell dieses oder jenes tun. Doch so funktioniert es nicht, das Homeoffice braucht klare Regeln.

Denn auch Heimarbeiter müssen das Recht haben abzuschalten. Außerdem sollte kein Druck auf Arbeitnehmer ausgeübt werden, von zu Hause aus zu arbeiten, um Kosten zu sparen. Für viele Beschäftigte ist das einfach nichts. Sie brauchen den Kontakt zu Kollegen, einen festen Rahmen wie klare Arbeits- und Pausenzeiten. Betriebe sollten deshalb in eigenem Interesse bemüht sein, mit ihren Mitarbeitern individuelle und maßgeschneiderte Vereinbarungen zu treffen. Die Politik kann Leitplanken setzen. Letztlich sollte jedoch vor Ort entschieden werden, was die besten Lösungen für den jeweiligen Betrieb und seine Beschäftigten sind.

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Kommentar zur Homeoffice-Studie: Klare Regeln notwendigClaus SchönerSollte das Homeoffice nicht die Antwort auf viele Probleme in der Arbeitswelt sein? Schluss damit, wertvolle Lebenszeit im Stau zu verplempern oder sich in überfüllte und stickige Busse und Bahnen zu quetschen. Mehr Flexibilität, eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf – gut für Umwelt und Gesundheit. Grund genug für die SPD, ein Recht auf Homeoffice zu fordern. Doch so schön, wie ihre Befürworter sich das vorgestellt haben, ist die neue Arbeitswelt in den eigenen vier Wänden doch nicht, wie nun eine Studie offenbart. Denn viele Heimarbeiter leiden unter Stress und psychischen Problemen. Sie muten sich zu viel zu. So wollen sie sich nicht nachsagen lassen, auf der faulen Haut zu liegen. Wer im Homeoffice arbeitet, steht unter dem Druck, permanent unter Beweis stellen zu wollen, das Vertrauen des Chefs verdient zu haben. Arbeitsschutzregeln werden deshalb häufig ignoriert. Viele schleppen sich auch mit Erkrankungen an den Schreibtisch, mit denen sie niemals ins Büro gehen würden. Hinzu kommen Anrufe und E-Mails von Vorgesetzten zu Zeiten, in denen die Arbeit eigentlich getan ist. Nach dem Motto: Sie oder er ist ja sowieso zu Hause und kann mal schnell dieses oder jenes tun. Doch so funktioniert es nicht, das Homeoffice braucht klare Regeln. Denn auch Heimarbeiter müssen das Recht haben abzuschalten. Außerdem sollte kein Druck auf Arbeitnehmer ausgeübt werden, von zu Hause aus zu arbeiten, um Kosten zu sparen. Für viele Beschäftigte ist das einfach nichts. Sie brauchen den Kontakt zu Kollegen, einen festen Rahmen wie klare Arbeits- und Pausenzeiten. Betriebe sollten deshalb in eigenem Interesse bemüht sein, mit ihren Mitarbeitern individuelle und maßgeschneiderte Vereinbarungen zu treffen. Die Politik kann Leitplanken setzen. Letztlich sollte jedoch vor Ort entschieden werden, was die besten Lösungen für den jeweiligen Betrieb und seine Beschäftigten sind.