Kommentar zu Protesten gegen die IAA: Die Watschn-Branche

Claus Schöner

Claus Schöner, Kommentator Henke - © privat
Claus Schöner, Kommentator Henke (© privat)

Vom Hambacher Forst zur IAA nach Frankfurt: Die Kaste der Umweltaktivisten hat einen alten Feind wiederentdeckt. Die Autobranche steht am Pranger. Das hat sie sich zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben. Viel zu lange hat es gedauert, bis sie sich, von einigen Alibi-Projekten abgesehen, ernsthaft mit dem Thema alternative Antriebe befasst hat. Sie setzten voll auf die Diesel-Technologie: Die habe in Sachen Umwelt- und Klimaschutz noch große Potenziale. Doch dann zerschossen sich VW und Co. mit dem Abgas-Skandal den Diesel selbst.

Mittlerweile geben sie sich geläutert und haben sich einen grünen Mantel umgelegt, der ihnen allerdings noch nicht so recht passen will. Ihre Modellpolitik passt nicht zu ihren Bekenntnissen. Zwar zeigen in Frankfurt alle namhaften Hersteller auch Elektroautos, wenngleich fraglich ist, dass ihnen wirklich die Zukunft gehört. Tatsächlich setzen die Autobauer jedoch vor allem auf große SUVs. Die allerdings ihren Markt finden. Was Klimaschützer auf die Palme bringt. Einige haben gestern den Zugang zur IAA blockiert. Für sie ist die Branche die Inkarnation des Bösen, lauthals werden mit politischer Unterstützung Verbote und Quoten gefordert.

Das Ganze darf jedoch nicht aus dem Ruder laufen. Die Kritiker der Autokonzerne dürfen nicht vergessen, dass Millionen Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt vom Automobil abhängen. Langsam aber sicher begreifen die Bosse, dass sie etwas tun müssen. Immerhin. Selbst mit dem hehren Ziel des Klimaschutzes darf die Bundesrepublik nicht die Axt an ihre industrielle Basis legen. Sonst wird es in Zukunft schwer, die Milliarden aufzubringen, die die Koalition für den Klimaschutz ausgeben will. Die Woche der Entscheidung ist angebrochen, am Freitag will das Klimakabinett eine Einigung erzielen. Dann wird es auch um den Fortbestand der Groko gehen. Und darum, ob die Bürger beim Klimaschutz mit ins Boot geholt oder abgeschreckt werden.

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Kommentar zu Protesten gegen die IAA: Die Watschn-BrancheClaus SchönerVom Hambacher Forst zur IAA nach Frankfurt: Die Kaste der Umweltaktivisten hat einen alten Feind wiederentdeckt. Die Autobranche steht am Pranger. Das hat sie sich zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben. Viel zu lange hat es gedauert, bis sie sich, von einigen Alibi-Projekten abgesehen, ernsthaft mit dem Thema alternative Antriebe befasst hat. Sie setzten voll auf die Diesel-Technologie: Die habe in Sachen Umwelt- und Klimaschutz noch große Potenziale. Doch dann zerschossen sich VW und Co. mit dem Abgas-Skandal den Diesel selbst. Mittlerweile geben sie sich geläutert und haben sich einen grünen Mantel umgelegt, der ihnen allerdings noch nicht so recht passen will. Ihre Modellpolitik passt nicht zu ihren Bekenntnissen. Zwar zeigen in Frankfurt alle namhaften Hersteller auch Elektroautos, wenngleich fraglich ist, dass ihnen wirklich die Zukunft gehört. Tatsächlich setzen die Autobauer jedoch vor allem auf große SUVs. Die allerdings ihren Markt finden. Was Klimaschützer auf die Palme bringt. Einige haben gestern den Zugang zur IAA blockiert. Für sie ist die Branche die Inkarnation des Bösen, lauthals werden mit politischer Unterstützung Verbote und Quoten gefordert. Das Ganze darf jedoch nicht aus dem Ruder laufen. Die Kritiker der Autokonzerne dürfen nicht vergessen, dass Millionen Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt vom Automobil abhängen. Langsam aber sicher begreifen die Bosse, dass sie etwas tun müssen. Immerhin. Selbst mit dem hehren Ziel des Klimaschutzes darf die Bundesrepublik nicht die Axt an ihre industrielle Basis legen. Sonst wird es in Zukunft schwer, die Milliarden aufzubringen, die die Koalition für den Klimaschutz ausgeben will. Die Woche der Entscheidung ist angebrochen, am Freitag will das Klimakabinett eine Einigung erzielen. Dann wird es auch um den Fortbestand der Groko gehen. Und darum, ob die Bürger beim Klimaschutz mit ins Boot geholt oder abgeschreckt werden.