Kommentar zum Thema "Upskirting": Endlich verbieten

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Von Marcus Sauer

Marcus Sauer - © siehe Bildtext
Marcus Sauer (© siehe Bildtext)

Manchmal kann man sich nur an den Kopf fassen. Alles Mögliche ist in Deutschland untersagt und reglementiert, und die Liste der Verbote, von denen viele einigermaßen abstrus sind, wird immer länger. Und dann gibt es Handlungen, die sind durch und durch verabscheuungswürdig und dennoch erlaubt. Zum Beispiel: Einer Frau oder einem Mädchen heimlich unter den Rock zu fotografieren. Solche Aufnahmen sind bislang in der Regel nur strafbar, wenn sie in einer Wohnung aufgenommen wurden und den höchstpersönlichen Lebensbereich verletzen. Es ist kaum zu glauben.

Es ist deshalb zu begrüßen, dass Justizministerin Christine Lambrecht diese Gesetzeslücke endlich schließen will. Denn das sogenannte „Upskirting“ ist nicht nur respektlos. Es ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde und letztlich ein sexueller Übergriff. Denn selbst wenn Frauen kurze Röcke tragen, ist das keine Einladung an Voyeure, ihre Fantasien auszuleben. „Sollen sie doch Hosen anziehen“ – das kann nicht die richtige Antwort auf solch krankes Verhalten sein. Von dem Gesetz muss ein klares Signal an die Gesellschaft, vor allem an die Täter ausgehen.

Denn es kann nicht angehen, dass Richter, wie 2013 in München geschehen, einen dieser „Fotografen“ mit der Feststellung freisprechen, dass die Frauen nicht herabgewürdigt worden seien. Der Umgang zwischen Männern und Frauen hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Verhaltensweisen, die lange als opportun galten, sind heute geächtet. Die Grenzen werden permanent neu austariert, was nicht immer leicht ist und mitunter zu Missverständnissen und Konflikten führt. Dass es nicht in Ordnung ist, Frauen unter den Rock zu knipsen, sollte jedoch eigentlich jeder begreifen.

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Kommentar zum Thema "Upskirting": Endlich verbietenVon Marcus Sauer Manchmal kann man sich nur an den Kopf fassen. Alles Mögliche ist in Deutschland untersagt und reglementiert, und die Liste der Verbote, von denen viele einigermaßen abstrus sind, wird immer länger. Und dann gibt es Handlungen, die sind durch und durch verabscheuungswürdig und dennoch erlaubt. Zum Beispiel: Einer Frau oder einem Mädchen heimlich unter den Rock zu fotografieren. Solche Aufnahmen sind bislang in der Regel nur strafbar, wenn sie in einer Wohnung aufgenommen wurden und den höchstpersönlichen Lebensbereich verletzen. Es ist kaum zu glauben. Es ist deshalb zu begrüßen, dass Justizministerin Christine Lambrecht diese Gesetzeslücke endlich schließen will. Denn das sogenannte „Upskirting“ ist nicht nur respektlos. Es ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde und letztlich ein sexueller Übergriff. Denn selbst wenn Frauen kurze Röcke tragen, ist das keine Einladung an Voyeure, ihre Fantasien auszuleben. „Sollen sie doch Hosen anziehen“ – das kann nicht die richtige Antwort auf solch krankes Verhalten sein. Von dem Gesetz muss ein klares Signal an die Gesellschaft, vor allem an die Täter ausgehen. Denn es kann nicht angehen, dass Richter, wie 2013 in München geschehen, einen dieser „Fotografen“ mit der Feststellung freisprechen, dass die Frauen nicht herabgewürdigt worden seien. Der Umgang zwischen Männern und Frauen hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Verhaltensweisen, die lange als opportun galten, sind heute geächtet. Die Grenzen werden permanent neu austariert, was nicht immer leicht ist und mitunter zu Missverständnissen und Konflikten führt. Dass es nicht in Ordnung ist, Frauen unter den Rock zu knipsen, sollte jedoch eigentlich jeder begreifen.