Kommentar zum Abgang von Sicherheitsberater John Bolton: Jetzt kommt Trump pur

Marcus Sauer

Wenn es eine Konstante im Weißen Haus gibt, dann die, dass es keine Kontinuität gibt. Mit John Bolten hat schon der dritte Sicherheitsberater des 45. US-Präsidenten seinen Schreibtisch geräumt. Über die Hintergründe gibt es unterschiedliche Aussagen beziehungsweise Twitter-Nachrichten. Doch ob nun Bolten die Regierung verlassen oder Donald Trump ihn vor die Tür gesetzt hat, ist im Grunde unerheblich. Der Riss zwischen dem Präsidenten und seinem Einflüsterer ist zuletzt immer deutlicher geworden.

Marcus Sauer - © siehe Bildtext
Marcus Sauer (© siehe Bildtext)

Bolton ist der Prototyp eines Falken, der auf die Souveränität anderer Staaten pfeift, der auf militärische Härte und den Sturz von Regimen etwa im Iran setzt. Nicht auf Deals, die seinem bisherigen Chef vorschweben, der weg will von der Rolle der USA als Weltpolizist. Dass Trump sich ausgerechnet kurz vor dem 11. September und ausgerechnet auf dem „heiligen Boden“ von Camp David mit Vertretern der islamistischen Taliban aus Afghanistan treffen wollte, war für Bolton ein Graus. Und daraus machte sein Umfeld auch keinen Hehl, was letztlich das Fass im Weißen Haus zum Überlaufen gebracht hat.

Selbst wenn Boltons Abgang bei den Demokraten, im Iran und gewiss bei vielen Politikern in Europa und Deutschland auf Erleichterung stößt, sollte sich niemand täuschen: Verlässlicher und nachvollziehbarer wird die US-Politik dadurch nicht. Ohne zu wissen, wer auf Bolton folgt: Es wird wohl niemand sein, der es wagt, seinem Herrn die Stirn zu bieten, und der seiner politischen Wankelmütigkeit etwas entgegensetzt. Es gab in vielen Bereichen gute Gründe, nicht einer Meinung mit Bolton zu sein. Er hatte jedoch außenpolitische Erfahrung. Trump handelt aus dem Bauch heraus. Möglich, dass er den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani trifft, vielleicht aber auch nicht. Man weiß nie woran man bei Trump ist. Das wird in Zukunft noch mehr gelten.

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Kommentar zum Abgang von Sicherheitsberater John Bolton: Jetzt kommt Trump purMarcus SauerWenn es eine Konstante im Weißen Haus gibt, dann die, dass es keine Kontinuität gibt. Mit John Bolten hat schon der dritte Sicherheitsberater des 45. US-Präsidenten seinen Schreibtisch geräumt. Über die Hintergründe gibt es unterschiedliche Aussagen beziehungsweise Twitter-Nachrichten. Doch ob nun Bolten die Regierung verlassen oder Donald Trump ihn vor die Tür gesetzt hat, ist im Grunde unerheblich. Der Riss zwischen dem Präsidenten und seinem Einflüsterer ist zuletzt immer deutlicher geworden. Bolton ist der Prototyp eines Falken, der auf die Souveränität anderer Staaten pfeift, der auf militärische Härte und den Sturz von Regimen etwa im Iran setzt. Nicht auf Deals, die seinem bisherigen Chef vorschweben, der weg will von der Rolle der USA als Weltpolizist. Dass Trump sich ausgerechnet kurz vor dem 11. September und ausgerechnet auf dem „heiligen Boden“ von Camp David mit Vertretern der islamistischen Taliban aus Afghanistan treffen wollte, war für Bolton ein Graus. Und daraus machte sein Umfeld auch keinen Hehl, was letztlich das Fass im Weißen Haus zum Überlaufen gebracht hat. Selbst wenn Boltons Abgang bei den Demokraten, im Iran und gewiss bei vielen Politikern in Europa und Deutschland auf Erleichterung stößt, sollte sich niemand täuschen: Verlässlicher und nachvollziehbarer wird die US-Politik dadurch nicht. Ohne zu wissen, wer auf Bolton folgt: Es wird wohl niemand sein, der es wagt, seinem Herrn die Stirn zu bieten, und der seiner politischen Wankelmütigkeit etwas entgegensetzt. Es gab in vielen Bereichen gute Gründe, nicht einer Meinung mit Bolton zu sein. Er hatte jedoch außenpolitische Erfahrung. Trump handelt aus dem Bauch heraus. Möglich, dass er den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani trifft, vielleicht aber auch nicht. Man weiß nie woran man bei Trump ist. Das wird in Zukunft noch mehr gelten.