Kommentar zum Thema Schwesigs Erkrankung: Politikerin und Mensch

veröffentlicht

Von Torsten Henke

Torsten Henke - © siehe Bildtext
Torsten Henke (© siehe Bildtext)

Manuela Schwesig hat gestern unfassbare Haltung gezeigt. Es war ein starker Auftritt zu einem traurigen und höchst persönlichen Thema. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern ist an Brustkrebs erkrankt. Ihre Krankheit ist heilbar, und das ist die gute Nachricht. Dennoch ist es eine Situation, in der sich jeder und jede am liebsten verkriechen würde, statt sich vor Kameras und Mikrofone zu stellen. Doch wie sich schon bei den Zitterattacken der Bundeskanzlerin in den vergangenen Wochen gezeigt hat, ist die Gesundheit von Spitzenpolitikern eben nicht privat.

Die Bürger erwarten von jenen in hohen und höchsten Staatsämtern, dass sie funktionieren. Sobald jemand Schwäche zeigt, wird die Frage gestellt: Schafft sie oder er das überhaupt noch? Politiker stehen mehr als „Normalbürger“ unter Beobachtung. Deshalb verdient Schwesig – wie zuvor CDU-Chef Mike Mohring in Niedersachsen – höchsten Respekt für den offenen Umgang mit der Erkrankung. Und dafür, dass sie beruflich Prioritäten setzt und sich von der kommissarischen SPD-Spitze zurückzieht. Vor allem aber gebührt ihr Anerkennung dafür, dass sie trotz der extremen Belastung, die vor ihr liegt, weiter als Ministerpräsidentin Verantwortung übernehmen will.

Selbst wenn die Behandlung überwiegen ambulant stattfinden wird, kann Schwesig in den kommenden Wochen und Monaten nicht die 100 Prozent geben, die die Bürger ihres Landes von ihr gewohnt sind. Doch sie hat eine versierte Ministerriege, die ihr viel abnehmen wird. Und sie kann sich hoffentlich auf das Verständnis der Öffentlichkeit verlassen und darauf bauen, dass Bürger und Medien pietätvoll mit ihrer Krankheit umgehen. Die ruft in Erinnerung, dass auch Politiker, die in einem harten Geschäft zu bestehen haben, „nur Menschen“ sind. Die vor Schicksalsschlägen nicht gefeit sind. Zugleich macht Schwesig anderen Mut, die mit einer ähnlichen Schockdiagnose konfrontiert sind.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Kommentar zum Thema Schwesigs Erkrankung: Politikerin und MenschVon Torsten Henke Manuela Schwesig hat gestern unfassbare Haltung gezeigt. Es war ein starker Auftritt zu einem traurigen und höchst persönlichen Thema. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern ist an Brustkrebs erkrankt. Ihre Krankheit ist heilbar, und das ist die gute Nachricht. Dennoch ist es eine Situation, in der sich jeder und jede am liebsten verkriechen würde, statt sich vor Kameras und Mikrofone zu stellen. Doch wie sich schon bei den Zitterattacken der Bundeskanzlerin in den vergangenen Wochen gezeigt hat, ist die Gesundheit von Spitzenpolitikern eben nicht privat. Die Bürger erwarten von jenen in hohen und höchsten Staatsämtern, dass sie funktionieren. Sobald jemand Schwäche zeigt, wird die Frage gestellt: Schafft sie oder er das überhaupt noch? Politiker stehen mehr als „Normalbürger“ unter Beobachtung. Deshalb verdient Schwesig – wie zuvor CDU-Chef Mike Mohring in Niedersachsen – höchsten Respekt für den offenen Umgang mit der Erkrankung. Und dafür, dass sie beruflich Prioritäten setzt und sich von der kommissarischen SPD-Spitze zurückzieht. Vor allem aber gebührt ihr Anerkennung dafür, dass sie trotz der extremen Belastung, die vor ihr liegt, weiter als Ministerpräsidentin Verantwortung übernehmen will. Selbst wenn die Behandlung überwiegen ambulant stattfinden wird, kann Schwesig in den kommenden Wochen und Monaten nicht die 100 Prozent geben, die die Bürger ihres Landes von ihr gewohnt sind. Doch sie hat eine versierte Ministerriege, die ihr viel abnehmen wird. Und sie kann sich hoffentlich auf das Verständnis der Öffentlichkeit verlassen und darauf bauen, dass Bürger und Medien pietätvoll mit ihrer Krankheit umgehen. Die ruft in Erinnerung, dass auch Politiker, die in einem harten Geschäft zu bestehen haben, „nur Menschen“ sind. Die vor Schicksalsschlägen nicht gefeit sind. Zugleich macht Schwesig anderen Mut, die mit einer ähnlichen Schockdiagnose konfrontiert sind.