Kommentar zum Thema NPD-Bürgermeister gewählt: Es ist weit gekommen

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Von Marcus Sauer

Marcus Sauer - © siehe Bildtext
Marcus Sauer (© siehe Bildtext)

Ein Ortsvorsteher von der NPD, der mit den Stimmen von Mandatsträgern der CDU, der SPD und der FDP gewählt wurde? Na und, was soll's, ist doch nur ein kleines Kaff in Hessen, von dem im Rest der Republik noch niemand etwas gehört hat. Lohnt die ganze Aufregung überhaupt? Die entschiedene Antwort kann nur lauten: Ja! Denn wenn Lokalpolitiker der demokratischen Parteien nicht spüren, dass es einfach nicht geht, den Ort einem Funktionär einer Partei zu überlassen, der Deutschlands höchste Richter bescheinigt haben, verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen, zeigt das, wie weit es gekommen ist in der Bundesrepublik.

Was in Waldsiedlung geschehen ist, war kein Betriebsunfall der Demokratie. Es passt leider ins Bild und in die Zeit. Es hat sich ein unguter Geist ausgebreitet. Auch bei der Bundeswehr oder bei der Polizei, gerade in Hessen, aber ebenso in anderen Bundesländern. Das demokratische Frühwarnsystem funktioniert immer weniger. Das zeigt sich nicht nur an dumpfer Hetze im Internet. Immer öfter wird behauptet, dieses oder jenes nicht mehr sagen zu dürfen, um es dann umso drastischer auszusprechen.

Viele Bürger haben kein Problem damit, die AfD zu wählen. Obwohl sie wissen, dass sich Neonazis in ihren Reihen tummeln und Parteichef Alexander Gauland den Naziterror einen „Vogelschiss“ nennt. Immer mehr Bürger sind abgestumpft gegen die Lehren der Vergangenheit. „Wehrt den Anfängen“ heißt es, wenn rechtsextreme, fremdenfeindliche oder antisemitische Taten für Entsetzen sorgen. Doch dafür ist es leider schon zu spät. Es ist ein besorgniserregender Gewöhnungseffekt eingetreten. Dafür steht symbolisch, was im hessischen Waldsiedlung geschehen ist. Es ist zu hoffen, dass diese fatale Entscheidung rasch revidiert wird.

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Kommentar zum Thema NPD-Bürgermeister gewählt: Es ist weit gekommenVon Marcus Sauer Ein Ortsvorsteher von der NPD, der mit den Stimmen von Mandatsträgern der CDU, der SPD und der FDP gewählt wurde? Na und, was soll's, ist doch nur ein kleines Kaff in Hessen, von dem im Rest der Republik noch niemand etwas gehört hat. Lohnt die ganze Aufregung überhaupt? Die entschiedene Antwort kann nur lauten: Ja! Denn wenn Lokalpolitiker der demokratischen Parteien nicht spüren, dass es einfach nicht geht, den Ort einem Funktionär einer Partei zu überlassen, der Deutschlands höchste Richter bescheinigt haben, verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen, zeigt das, wie weit es gekommen ist in der Bundesrepublik. Was in Waldsiedlung geschehen ist, war kein Betriebsunfall der Demokratie. Es passt leider ins Bild und in die Zeit. Es hat sich ein unguter Geist ausgebreitet. Auch bei der Bundeswehr oder bei der Polizei, gerade in Hessen, aber ebenso in anderen Bundesländern. Das demokratische Frühwarnsystem funktioniert immer weniger. Das zeigt sich nicht nur an dumpfer Hetze im Internet. Immer öfter wird behauptet, dieses oder jenes nicht mehr sagen zu dürfen, um es dann umso drastischer auszusprechen. Viele Bürger haben kein Problem damit, die AfD zu wählen. Obwohl sie wissen, dass sich Neonazis in ihren Reihen tummeln und Parteichef Alexander Gauland den Naziterror einen „Vogelschiss“ nennt. Immer mehr Bürger sind abgestumpft gegen die Lehren der Vergangenheit. „Wehrt den Anfängen“ heißt es, wenn rechtsextreme, fremdenfeindliche oder antisemitische Taten für Entsetzen sorgen. Doch dafür ist es leider schon zu spät. Es ist ein besorgniserregender Gewöhnungseffekt eingetreten. Dafür steht symbolisch, was im hessischen Waldsiedlung geschehen ist. Es ist zu hoffen, dass diese fatale Entscheidung rasch revidiert wird.