Kommentar zu Regenwald in Flammen: Brandstifter

Marcus Sauer

Nein, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist nicht mit der Lunte in der Hand durch das Amazonasgebiet gewandert und hat Feuer gelegt. Dennoch ist er ein Brandstifter, der maßgeblich Verantwortung dafür trägt, dass die grüne Lunge der Erde lichterloh in Flammen steht. Mit seiner Leugnung des Klimawandels, seiner Nähe zur Agrarindustrie und seiner Verachtung für den Naturschutz hat er eine Atmosphäre in seinem Land geschaffen, in der Landarbeiter einen „Tag des Feuers“ aufrufen konnten, um mit gezielter Brandrodung Platz für die Landwirtschaft schaffen. Niemand hat sich ihnen in den Weg gestellt und ihre verheerende Aktion unterbunden.

Marcus Sauer. - © pr
Marcus Sauer. (© pr)

Warum nicht? Dieser Frage geht die Staatsanwaltschaft nach. Sie wird dem Präsidenten nicht gefährlich werden können. Doch die Erklärung der Ermittler, die den Kampf gegen die Abholzung und Brandrodung als Pflicht bezeichnen, macht Hoffnung. Nicht jedem im brasilianischen Staatsapparat ist es egal, wenn der Regenwald verschwindet. Auch in den Regionalregierungen regt sich Widerstand gegen den Präsidenten. Mit seinem plumpen Versuch, ausgerechnet den Umweltschützern, die im Kampf für den Wald nicht selten ihr Leben riskieren, die Schuld in die Schuhe zu schieben, hat der Rechtspopulist bei vielen Landsleuten für Kopfschütteln gesorgt.

Der schwarze Himmel über São Paulo dürfte etliche Brasilianer aufrütteln. Er ist jedoch auch eine Mahnung an die internationale Gemeinschaft. Was sich im Amazonas abspielt, ist keine nationale Angelegenheit, sondern – da ist Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zuzustimmen – eine internationale Krise. Darum ist es richtig, beim G7-Gipfel über das Thema zu sprechen. Auch wenn mit US-Präsident Donald Trump ein Gesinnungsgenosse Bolsonaros in Biarritz im Tisch sitzt. Die EU indes ist gefordert, ihre Möglichkeiten zu nutzen, Druck auszuüben und das Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten als Hebel zu nutzen. Deutschland und Norwegen haben mit der Streichung von Geldern für Klimaschutz-Projekte schon ein wichtiges Zeichen gesetzt.

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Kommentar zu Regenwald in Flammen: BrandstifterMarcus SauerNein, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist nicht mit der Lunte in der Hand durch das Amazonasgebiet gewandert und hat Feuer gelegt. Dennoch ist er ein Brandstifter, der maßgeblich Verantwortung dafür trägt, dass die grüne Lunge der Erde lichterloh in Flammen steht. Mit seiner Leugnung des Klimawandels, seiner Nähe zur Agrarindustrie und seiner Verachtung für den Naturschutz hat er eine Atmosphäre in seinem Land geschaffen, in der Landarbeiter einen „Tag des Feuers“ aufrufen konnten, um mit gezielter Brandrodung Platz für die Landwirtschaft schaffen. Niemand hat sich ihnen in den Weg gestellt und ihre verheerende Aktion unterbunden. Warum nicht? Dieser Frage geht die Staatsanwaltschaft nach. Sie wird dem Präsidenten nicht gefährlich werden können. Doch die Erklärung der Ermittler, die den Kampf gegen die Abholzung und Brandrodung als Pflicht bezeichnen, macht Hoffnung. Nicht jedem im brasilianischen Staatsapparat ist es egal, wenn der Regenwald verschwindet. Auch in den Regionalregierungen regt sich Widerstand gegen den Präsidenten. Mit seinem plumpen Versuch, ausgerechnet den Umweltschützern, die im Kampf für den Wald nicht selten ihr Leben riskieren, die Schuld in die Schuhe zu schieben, hat der Rechtspopulist bei vielen Landsleuten für Kopfschütteln gesorgt. Der schwarze Himmel über São Paulo dürfte etliche Brasilianer aufrütteln. Er ist jedoch auch eine Mahnung an die internationale Gemeinschaft. Was sich im Amazonas abspielt, ist keine nationale Angelegenheit, sondern – da ist Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zuzustimmen – eine internationale Krise. Darum ist es richtig, beim G7-Gipfel über das Thema zu sprechen. Auch wenn mit US-Präsident Donald Trump ein Gesinnungsgenosse Bolsonaros in Biarritz im Tisch sitzt. Die EU indes ist gefordert, ihre Möglichkeiten zu nutzen, Druck auszuüben und das Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten als Hebel zu nutzen. Deutschland und Norwegen haben mit der Streichung von Geldern für Klimaschutz-Projekte schon ein wichtiges Zeichen gesetzt.