Kommentar zu Trumps Absage seines Dänemark-Besuchs: Narrenfreiheit

Christoph Pepper

Christoph Pepper. - © Alex Lehn/mt
Christoph Pepper. (© Alex Lehn/mt)

Louisiana, Florida, Alaska – es ist ja nicht so, dass die USA in der fernen Vergangenheit nicht schon öfter Staatsgebiet durch Zukauf erwarben. Tatsächlich hat es selbst noch nach dem zweiten Weltkrieg schon mal Gedankenspiele gegeben, das politisch zu Dänemark gehörende Territorium für die Vereinigten Staaten einfach zu kaufen. Einmal vorausgesetzt, der gelernte Immobilienkaufmann Donald Trump hätte das gewusst (zugegeben, eine kühne Annahme) – könnte man in seiner absurden Idee dann zumindest irgendwo den Hauch irgendeines einigermaßen seriösen politischen Projekts entdecken?

Die Frage stellen, heißt sie beantworten: Natürlich nicht. Umso dringlicher allerdings stellt sich damit eine andere: Die nach der geistigen Gesundheit dieses Präsidenten. Nicht allein die Art und Weise, wie er das Projekt, natürlich auf Twitter, in die Welt brachte und damit herumspielte, sondern auch die ernsthafte Befassung der US-Administration mit dem Thema, vor allem aber die nun erfolgte offizielle Absage seines Staatsbesuchs mit der Grönland-Begründung lassen eigentlich keinen anderen Schluss zu als hier ein medizinisches Problem zu vermuten. Politik scheidet aus. Und selbst für – wenig subtilen – Humor eines Golfclub-Imperators wären die internationalen Beziehungen kaum die geeignete Spielwiese.

Sichtbar wird auch die völlige Narrenfreiheit, leider wohl im Sinne des Wortes, die der mächtigste Mensch der Welt im Kreis seiner Mitarbeiter und Berater in Anspruch nehmen kann. Er kann tun und lassen, was er will, und das demonstriert er immer wieder mit geradezu infantiler Freude. Das können sich eigentlich selbst seine glühendsten Anhänger nicht mehr als „Prinzip Unberechenbarkeit“ schönreden. Das Schlimme ist: Nicht nur sie tun es trotzdem. Seine Partei lässt ihn wegen seiner offenkundigen Popularität gewähren. Die Institutionen erweisen sich als machtlos. Dummerweise ist Donald Trump nicht nur ein Problem der USA. Er ist eines der ganzen Welt. Gruselig. Nein: Furchterregend.

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Kommentar zu Trumps Absage seines Dänemark-Besuchs: NarrenfreiheitChristoph PepperLouisiana, Florida, Alaska – es ist ja nicht so, dass die USA in der fernen Vergangenheit nicht schon öfter Staatsgebiet durch Zukauf erwarben. Tatsächlich hat es selbst noch nach dem zweiten Weltkrieg schon mal Gedankenspiele gegeben, das politisch zu Dänemark gehörende Territorium für die Vereinigten Staaten einfach zu kaufen. Einmal vorausgesetzt, der gelernte Immobilienkaufmann Donald Trump hätte das gewusst (zugegeben, eine kühne Annahme) – könnte man in seiner absurden Idee dann zumindest irgendwo den Hauch irgendeines einigermaßen seriösen politischen Projekts entdecken? Die Frage stellen, heißt sie beantworten: Natürlich nicht. Umso dringlicher allerdings stellt sich damit eine andere: Die nach der geistigen Gesundheit dieses Präsidenten. Nicht allein die Art und Weise, wie er das Projekt, natürlich auf Twitter, in die Welt brachte und damit herumspielte, sondern auch die ernsthafte Befassung der US-Administration mit dem Thema, vor allem aber die nun erfolgte offizielle Absage seines Staatsbesuchs mit der Grönland-Begründung lassen eigentlich keinen anderen Schluss zu als hier ein medizinisches Problem zu vermuten. Politik scheidet aus. Und selbst für – wenig subtilen – Humor eines Golfclub-Imperators wären die internationalen Beziehungen kaum die geeignete Spielwiese. Sichtbar wird auch die völlige Narrenfreiheit, leider wohl im Sinne des Wortes, die der mächtigste Mensch der Welt im Kreis seiner Mitarbeiter und Berater in Anspruch nehmen kann. Er kann tun und lassen, was er will, und das demonstriert er immer wieder mit geradezu infantiler Freude. Das können sich eigentlich selbst seine glühendsten Anhänger nicht mehr als „Prinzip Unberechenbarkeit“ schönreden. Das Schlimme ist: Nicht nur sie tun es trotzdem. Seine Partei lässt ihn wegen seiner offenkundigen Popularität gewähren. Die Institutionen erweisen sich als machtlos. Dummerweise ist Donald Trump nicht nur ein Problem der USA. Er ist eines der ganzen Welt. Gruselig. Nein: Furchterregend.