Kontra Feuerwerke: Steinzeit

veröffentlicht

Redakteur Jürgen Langenkämper - © Lehn,Alexander
Redakteur Jürgen Langenkämper (© Lehn,Alexander)

Von Jürgen Langenkämper

Es ist nicht so, dass ich nicht anderen Leuten ein bisschen Spaß gönne. Ich bin auch kein Hypersensibelchen, das nach der dritten Welle weithin schallenden Lärms nicht mehr in den Schlaf kommt, sondern sich mit Zornesröte im Gesicht und rasendem Puls von einer Seite auf die andere wälzt.

Nein, ein bisschen Spaß muss sein, aber fällt den Veranstaltern nichts anderes ein. Wie oft sitzt man im Sommer am Wochenende im Garten, und plötzlich knallt´s!? Und dann fällt einem ein: Maimesse, ein Schützenfest hier, ein Sportfest dort, ein Championat der Kutschenfahrer, Herbstmesse ... die Liste ist bestimmt nicht vollständig.

Jedes dieser Feuerwerke für sich genommen ist ansehnlicher als die wilde Kakophonie privater Böllerei in der Silvesternacht. Alle orchestrierten Feuerwerke auf einmal über den Jahreswechsel, das fände meine unbedingte Zustimmung bei gleichzeitigem Verzicht auf den irrsinnigen Wildwuchs jedes Jahr, der den Sinnen wehtut und die Ästhetik beleidigt.

Doch es geht um etwas ganz anderes, es geht um viel mehr. Wir leben im von Feinstaub und Klimawandel geplagten 21. Jahrhundert. Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Da wird mühevoll versucht, die Schadstoffbelastung der Luft zu reduzieren. Aber am Wochenende wird geballert, was das Zeug hält und was die Ohren der Nachbarn so gerade noch – oder eben schon nicht mehr – ertragen. Das passt nicht in diese Welt. Feuerwerke dieser Art sind aus der Steinzeit des Spaßes, ein Appell ein Urinstinkte: Hauptsache, es macht ordentlich Krach und ist schön bunt. Das Klima kann warten, sollen das doch die andern retten. Die Stadt sollte jetzt mit gutem Beispiel vorangehen und die Kirmesknallerei stoppen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Kontra Feuerwerke: SteinzeitVon Jürgen Langenkämper Es ist nicht so, dass ich nicht anderen Leuten ein bisschen Spaß gönne. Ich bin auch kein Hypersensibelchen, das nach der dritten Welle weithin schallenden Lärms nicht mehr in den Schlaf kommt, sondern sich mit Zornesröte im Gesicht und rasendem Puls von einer Seite auf die andere wälzt. Nein, ein bisschen Spaß muss sein, aber fällt den Veranstaltern nichts anderes ein. Wie oft sitzt man im Sommer am Wochenende im Garten, und plötzlich knallt´s!? Und dann fällt einem ein: Maimesse, ein Schützenfest hier, ein Sportfest dort, ein Championat der Kutschenfahrer, Herbstmesse ... die Liste ist bestimmt nicht vollständig. Jedes dieser Feuerwerke für sich genommen ist ansehnlicher als die wilde Kakophonie privater Böllerei in der Silvesternacht. Alle orchestrierten Feuerwerke auf einmal über den Jahreswechsel, das fände meine unbedingte Zustimmung bei gleichzeitigem Verzicht auf den irrsinnigen Wildwuchs jedes Jahr, der den Sinnen wehtut und die Ästhetik beleidigt. Doch es geht um etwas ganz anderes, es geht um viel mehr. Wir leben im von Feinstaub und Klimawandel geplagten 21. Jahrhundert. Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Da wird mühevoll versucht, die Schadstoffbelastung der Luft zu reduzieren. Aber am Wochenende wird geballert, was das Zeug hält und was die Ohren der Nachbarn so gerade noch – oder eben schon nicht mehr – ertragen. Das passt nicht in diese Welt. Feuerwerke dieser Art sind aus der Steinzeit des Spaßes, ein Appell ein Urinstinkte: Hauptsache, es macht ordentlich Krach und ist schön bunt. Das Klima kann warten, sollen das doch die andern retten. Die Stadt sollte jetzt mit gutem Beispiel vorangehen und die Kirmesknallerei stoppen.