Kommentar zum Thema Kramp-Karrenbauer irritiert CDU: Ein Bärendienst

Torsten Henke

Das kommt relativ oft vor: Sie fühlt sich wieder einmal falsch verstanden, die CDU-Vorsitzende. Will nicht den Rauswurf des früheren Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen aus ihrer Partei gefordert haben. Sehr wohl hat Annegret Kramp-Karrenbauer jedoch erklärt, es gebe aus gutem Grund hohe Hürden, jemanden aus der Partei auszuschließen, und direkt im folgenden Satz kam das große Aber: „Aber ich sehe bei Herrn Maaßen keine Haltung, die ihn mit der CDU noch wirklich verbindet.“ Das soll keine Drohung mit einem Rausschmiss gewesen sein? Dann hat sich „AKK“ zumindest sehr missverständlich ausgedrückt, was für die Chefin einer Regierungspartei eigentlich die absolute Ausnahme sein sollte.

Torsten Henke, Kommentator Henke - © privat
Torsten Henke, Kommentator Henke (© privat)

In jedem Fall hat Kramp-Karrenbauer ihrer Partei, die im Osten der Republik in drei Bundesländern in einem extrem harten Wahlkampf steckt, einen Bärendienst erwiesen. Etliche Wähler sind zur AfD abgewandert, viele tragen sich mit dem Gedanken, den Christdemokraten den Rücken zu kehren. Es sind Figuren wie Maaßen, die einen Beitrag leisten können, sie davon abzuhalten. Er steht ohne Frage ein gutes Stück weit rechts der Mitte. Man kann seine mitunter steilen Thesen und grenzwertigen Überspitzungen mit gutem Grund ablehnen. Sie bilden jedoch die politische Bandbreite ab, die eine Volkspartei ausmacht. Das hat die CDU-Chefin offenbar nicht begriffen.

Sie hat damit bewiesen, dass ihr die Schuhe von Angela Merkel zu groß sind. Der hat man oft vorgeworfen, zu lange zu schweigen und Debatten ihren Lauf zu lassen. Doch ein solcher Fauxpas wäre ihr nicht passiert. Sie hat allerdings getan, wovor „AKK“ Maaßen heute warnt: Sie hat eine „gänzlich andere Partei“ geschaffen. Nur eben in eine andere Richtung, hin zu einer sozialdemokratisierten CDU. Groß war die Hoffnung an der Basis, die neue Vorsitzende werde die Flügel versöhnen und das Konservative wieder sichtbarer machen. Das ist von ihr nicht mehr zu erwarten.

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Kommentar zum Thema Kramp-Karrenbauer irritiert CDU: Ein BärendienstTorsten HenkeDas kommt relativ oft vor: Sie fühlt sich wieder einmal falsch verstanden, die CDU-Vorsitzende. Will nicht den Rauswurf des früheren Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen aus ihrer Partei gefordert haben. Sehr wohl hat Annegret Kramp-Karrenbauer jedoch erklärt, es gebe aus gutem Grund hohe Hürden, jemanden aus der Partei auszuschließen, und direkt im folgenden Satz kam das große Aber: „Aber ich sehe bei Herrn Maaßen keine Haltung, die ihn mit der CDU noch wirklich verbindet.“ Das soll keine Drohung mit einem Rausschmiss gewesen sein? Dann hat sich „AKK“ zumindest sehr missverständlich ausgedrückt, was für die Chefin einer Regierungspartei eigentlich die absolute Ausnahme sein sollte. In jedem Fall hat Kramp-Karrenbauer ihrer Partei, die im Osten der Republik in drei Bundesländern in einem extrem harten Wahlkampf steckt, einen Bärendienst erwiesen. Etliche Wähler sind zur AfD abgewandert, viele tragen sich mit dem Gedanken, den Christdemokraten den Rücken zu kehren. Es sind Figuren wie Maaßen, die einen Beitrag leisten können, sie davon abzuhalten. Er steht ohne Frage ein gutes Stück weit rechts der Mitte. Man kann seine mitunter steilen Thesen und grenzwertigen Überspitzungen mit gutem Grund ablehnen. Sie bilden jedoch die politische Bandbreite ab, die eine Volkspartei ausmacht. Das hat die CDU-Chefin offenbar nicht begriffen. Sie hat damit bewiesen, dass ihr die Schuhe von Angela Merkel zu groß sind. Der hat man oft vorgeworfen, zu lange zu schweigen und Debatten ihren Lauf zu lassen. Doch ein solcher Fauxpas wäre ihr nicht passiert. Sie hat allerdings getan, wovor „AKK“ Maaßen heute warnt: Sie hat eine „gänzlich andere Partei“ geschaffen. Nur eben in eine andere Richtung, hin zu einer sozialdemokratisierten CDU. Groß war die Hoffnung an der Basis, die neue Vorsitzende werde die Flügel versöhnen und das Konservative wieder sichtbarer machen. Das ist von ihr nicht mehr zu erwarten.