Kommentar zum Thema Pflegekosten von Angehörigen: Richtige Entlastung

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Claus Schöner, Kommentator Henke - © privat
Claus Schöner, Kommentator Henke (© privat)

Von Claus Schöner

Manche Funktionäre leben fernab der Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Wenn Gerd Landsberg vom Städte- und Gemeindebund erklärt, es sei „grundsätzlich zumutbar, dass Kinder und Eltern gegenseitig füreinander einstehen“, daran solle nicht gerüttelt werden, geht es ihm nicht um den sozialen Zusammenhalt der Familien, sondern darum, seinen Mitgliedern zusätzliche Ausgaben zu ersparen. Was legitim ist für einen Lobbyisten.

Doch wenn Kinder für pflegebedürftige Eltern bezahlen müssen, stoßen sie mitunter rasch an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Wenn sie zum Beispiel parallel das Eigenheim abbezahlen oder Kinder auf der Uni haben. 38.000 Euro im Jahr – ab dieser Grenze werden sie bislang herangezogen, wenn die Eltern ihren Eigenanteil selbst nicht aufbringen können – sind keine Reichtümer.

Es ist deshalb zu begrüßen, dass das Bundeskabinett eine deutliche Anhebung der Grenze auf 100.000 Euro sowie eine Entlastung der Eltern von erwachsenen Behinderten beschlossen hat. Viele alte Menschen weigern sich, in ein Pflegeheim zu gehen, weil sie ihren Kindern nicht zur Last fallen wollen. In anderen Fällen übernehmen Angehörige aus Angst vor hohen Kosten die Pflege zu Hause, obwohl sie damit überfordert sind. Das Vorhaben der GroKo hilft also nicht nur den erwachsenen Kindern, die in vielen Fällen schon Großartiges geleistet haben, bis sie sich dazu durchringen, ihre Eltern in ein Heim zu geben, sondern auch vielen Pflegebedürftigen selbst.

Allerdings werden, da hat Landsberg recht, zusätzliche Belastungen für Länder und Kommunen entstehen, die der Bund kompensieren sollte. Ohnehin wird die Finanzierung der Pflege ein Zukunftsthema bleiben. Weil die Zahl der Pflegebedürftigen und damit der Bedarf an Einrichtungen und ordentlich bezahltem Personal weiter zunehmen wird.

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Kommentar zum Thema Pflegekosten von Angehörigen: Richtige EntlastungVon Claus Schöner Manche Funktionäre leben fernab der Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Wenn Gerd Landsberg vom Städte- und Gemeindebund erklärt, es sei „grundsätzlich zumutbar, dass Kinder und Eltern gegenseitig füreinander einstehen“, daran solle nicht gerüttelt werden, geht es ihm nicht um den sozialen Zusammenhalt der Familien, sondern darum, seinen Mitgliedern zusätzliche Ausgaben zu ersparen. Was legitim ist für einen Lobbyisten. Doch wenn Kinder für pflegebedürftige Eltern bezahlen müssen, stoßen sie mitunter rasch an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Wenn sie zum Beispiel parallel das Eigenheim abbezahlen oder Kinder auf der Uni haben. 38.000 Euro im Jahr – ab dieser Grenze werden sie bislang herangezogen, wenn die Eltern ihren Eigenanteil selbst nicht aufbringen können – sind keine Reichtümer. Es ist deshalb zu begrüßen, dass das Bundeskabinett eine deutliche Anhebung der Grenze auf 100.000 Euro sowie eine Entlastung der Eltern von erwachsenen Behinderten beschlossen hat. Viele alte Menschen weigern sich, in ein Pflegeheim zu gehen, weil sie ihren Kindern nicht zur Last fallen wollen. In anderen Fällen übernehmen Angehörige aus Angst vor hohen Kosten die Pflege zu Hause, obwohl sie damit überfordert sind. Das Vorhaben der GroKo hilft also nicht nur den erwachsenen Kindern, die in vielen Fällen schon Großartiges geleistet haben, bis sie sich dazu durchringen, ihre Eltern in ein Heim zu geben, sondern auch vielen Pflegebedürftigen selbst. Allerdings werden, da hat Landsberg recht, zusätzliche Belastungen für Länder und Kommunen entstehen, die der Bund kompensieren sollte. Ohnehin wird die Finanzierung der Pflege ein Zukunftsthema bleiben. Weil die Zahl der Pflegebedürftigen und damit der Bedarf an Einrichtungen und ordentlich bezahltem Personal weiter zunehmen wird.