Kommentar zum Thema Hersteller an Kosten beteiligen: Genug vermüllt

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Von Claus Schöner

Es ist ein Ärgernis, wenn man durch deutsche Städte geht: Die Vermüllung schreitet voran. Besonders, seit es in Mode gekommen ist, mit Kaffeebechern in der Hand durch die Gegend zu laufen. Viele lassen die mit Kunststoff beschichteten Behälter dort fallen, wo sie sie gerade geleert haben. Oder sie stopfen sie in überfüllte Abfalleimer, wo sich die Stadt auf Kosten der Allgemeinheit um die Entsorgung kümmern kann. Hinzu kommen unzählige achtlos weggeworfene, giftige Zigarettenkippen, von denen eine echte Umweltgefahr ausgeht, Fastfood-Verpackungen und sonstiger Unrat, vieles davon sind Einwegprodukte und -verpackungen aus Plastik.

Etliche Kommunen, die ohnehin knapp bei Kasse sind, und die die Stadtreinigung seit Jahren vernachlässigen, kommen mit der Beseitigung kaum nach. Es zu begrüßen, dass Umweltministerin Svenja Schulze sie dabei unterstützen will, die Müllflut einzudämmen, und über ein Plastiktüten-Verbot hinaus denkt. Doch bei ihrem Vorhaben gibt es noch eine Menge Fragezeichen. Sie will die Hersteller zur Kasse bitten. Dazu soll mit einer Studie ermittelt werden, wer wie viel Anteil an dem Abfallaufkommen hat. Entsprechend soll gezahlt werden. Das klingt nach einem bürokratischen Monster. Letztlich, so ist zu befürchten, werden die Verbraucher den Kampf gegen den Müll doppelt bezahlen müssen: über Steuern und über höhere Preise.

Mehrfach hat Schulze gestern über einen Bewusstseinswandel gesprochen, der nötig sei. Der hat sich zuletzt in die falsche Richtung vollzogen: Viele Zeitgenossen halten es für völlig normal, ihren Müll fallen zu lassen. Es muss mehr unternommen werden, um ihnen klarzumachen: Das ist es nicht, und das wird auch nicht toleriert. Da sind die Städte mit ihren Ordnungsdiensten selbst gefordert. Auch der Handel und die Gastronomie sind in der Pflicht, verstärkt an Mehrwegsystemen zu arbeiten. Damit es den Verbrauchern erleichtert wird, Plastikmüll zu vermeiden.

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Kommentar zum Thema Hersteller an Kosten beteiligen: Genug vermülltVon Claus Schöner Es ist ein Ärgernis, wenn man durch deutsche Städte geht: Die Vermüllung schreitet voran. Besonders, seit es in Mode gekommen ist, mit Kaffeebechern in der Hand durch die Gegend zu laufen. Viele lassen die mit Kunststoff beschichteten Behälter dort fallen, wo sie sie gerade geleert haben. Oder sie stopfen sie in überfüllte Abfalleimer, wo sich die Stadt auf Kosten der Allgemeinheit um die Entsorgung kümmern kann. Hinzu kommen unzählige achtlos weggeworfene, giftige Zigarettenkippen, von denen eine echte Umweltgefahr ausgeht, Fastfood-Verpackungen und sonstiger Unrat, vieles davon sind Einwegprodukte und -verpackungen aus Plastik. Etliche Kommunen, die ohnehin knapp bei Kasse sind, und die die Stadtreinigung seit Jahren vernachlässigen, kommen mit der Beseitigung kaum nach. Es zu begrüßen, dass Umweltministerin Svenja Schulze sie dabei unterstützen will, die Müllflut einzudämmen, und über ein Plastiktüten-Verbot hinaus denkt. Doch bei ihrem Vorhaben gibt es noch eine Menge Fragezeichen. Sie will die Hersteller zur Kasse bitten. Dazu soll mit einer Studie ermittelt werden, wer wie viel Anteil an dem Abfallaufkommen hat. Entsprechend soll gezahlt werden. Das klingt nach einem bürokratischen Monster. Letztlich, so ist zu befürchten, werden die Verbraucher den Kampf gegen den Müll doppelt bezahlen müssen: über Steuern und über höhere Preise. Mehrfach hat Schulze gestern über einen Bewusstseinswandel gesprochen, der nötig sei. Der hat sich zuletzt in die falsche Richtung vollzogen: Viele Zeitgenossen halten es für völlig normal, ihren Müll fallen zu lassen. Es muss mehr unternommen werden, um ihnen klarzumachen: Das ist es nicht, und das wird auch nicht toleriert. Da sind die Städte mit ihren Ordnungsdiensten selbst gefordert. Auch der Handel und die Gastronomie sind in der Pflicht, verstärkt an Mehrwegsystemen zu arbeiten. Damit es den Verbrauchern erleichtert wird, Plastikmüll zu vermeiden.