Kommentar zum Thema fehlender Imfschutz: Gefährlicher Leichtsinn

veröffentlicht

Von Claus Schöner

Wenn es um angebliche oder tatsächliche Lebensmittelskandale geht, um Gen-Food oder Elektrosmog, neigen die Deutschen manchmal zur Hysterie. Ihre Gesundheit ist ihnen heilig. Zumindest sollte man das meinen. Doch die Realität sieht leider anders aus. Nicht nur, dass viele durch einseitige Ernährung, mangelnde Bewegung, Tabak und Alkohol Schindluder mit ihrem Körper treiben. Auch die Angebote, sich wirksam vor Krankheiten zu schützen, werden nicht ausreichend genutzt. Die Krankenkasse Barmer hat erschreckende Zahlen vorgelegt. Danach ist die Durchimpfungsrate geringer als angenommen.

Immer wieder haben Masern-Epidemien bei Kindern für Schlagzeilen gesorgt. Die Bundesregierung will darauf mit einer Impfpflicht reagieren. Ob das der richtige Weg ist, oder ob es nicht besser ist, auf Eltern zuzugehen und sie auf die Notwendigkeit der Impfung hinzuweisen – darüber lässt sich streiten. Fakt ist, dass es oft Unbekümmertheit und Nachlässigkeit sind, dass sich nur relativ wenige Eltern bewusst fahrlässig verhalten und ihren Kindern den Impfschutz verweigern. Doch auch Erwachsene setzen sich unnötig gesundheitlichen Risiken aus, wenn sie Impfungen und nötige Auffrischungen etwa gegen Tetanus oder die von Zecken verbreitete Hirnhautentzündung ) versäumen. Tausende gerade ältere Menschen sterben zudem jährlich –ungeimpft – an der Grippe.

Die Deutschen leben in der komfortablen Situation, dass ihnen ein breites Impf-Arsenal gegen verschiedenste Krankheiten zur Verfügung steht, und die Krankenkassen diesen Gesundheitsschutz in der Regel bezahlen. Neue und verbesserte Impfstoffe erleichtern die Vorsorge gegen eine ständig wachsende Zahl von Erkrankungen. Es kann also jeder für einen ausreichenden Impfschutz sorgen – von der Masern- über die Hepatitis-B-, Tetanus-, Diphtherie- bis hin zur Grippe-Impfung – und damit nicht nur sich, sondern auch andere schützen. Davon können Menschen in vielen Ländern der Welt nur träumen. Viele Deutsche wissen den Luxus jedoch nicht zu schätzen.

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Kommentar zum Thema fehlender Imfschutz: Gefährlicher LeichtsinnVon Claus Schöner Wenn es um angebliche oder tatsächliche Lebensmittelskandale geht, um Gen-Food oder Elektrosmog, neigen die Deutschen manchmal zur Hysterie. Ihre Gesundheit ist ihnen heilig. Zumindest sollte man das meinen. Doch die Realität sieht leider anders aus. Nicht nur, dass viele durch einseitige Ernährung, mangelnde Bewegung, Tabak und Alkohol Schindluder mit ihrem Körper treiben. Auch die Angebote, sich wirksam vor Krankheiten zu schützen, werden nicht ausreichend genutzt. Die Krankenkasse Barmer hat erschreckende Zahlen vorgelegt. Danach ist die Durchimpfungsrate geringer als angenommen. Immer wieder haben Masern-Epidemien bei Kindern für Schlagzeilen gesorgt. Die Bundesregierung will darauf mit einer Impfpflicht reagieren. Ob das der richtige Weg ist, oder ob es nicht besser ist, auf Eltern zuzugehen und sie auf die Notwendigkeit der Impfung hinzuweisen – darüber lässt sich streiten. Fakt ist, dass es oft Unbekümmertheit und Nachlässigkeit sind, dass sich nur relativ wenige Eltern bewusst fahrlässig verhalten und ihren Kindern den Impfschutz verweigern. Doch auch Erwachsene setzen sich unnötig gesundheitlichen Risiken aus, wenn sie Impfungen und nötige Auffrischungen etwa gegen Tetanus oder die von Zecken verbreitete Hirnhautentzündung ) versäumen. Tausende gerade ältere Menschen sterben zudem jährlich –ungeimpft – an der Grippe. Die Deutschen leben in der komfortablen Situation, dass ihnen ein breites Impf-Arsenal gegen verschiedenste Krankheiten zur Verfügung steht, und die Krankenkassen diesen Gesundheitsschutz in der Regel bezahlen. Neue und verbesserte Impfstoffe erleichtern die Vorsorge gegen eine ständig wachsende Zahl von Erkrankungen. Es kann also jeder für einen ausreichenden Impfschutz sorgen – von der Masern- über die Hepatitis-B-, Tetanus-, Diphtherie- bis hin zur Grippe-Impfung – und damit nicht nur sich, sondern auch andere schützen. Davon können Menschen in vielen Ländern der Welt nur träumen. Viele Deutsche wissen den Luxus jedoch nicht zu schätzen.