Kommentar zum Thema Säbelrasseln am Golf: Es kommt zum Schwur

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Von Torsten Henke

Torsten Henke - © siehe Bildtext
Torsten Henke (© siehe Bildtext)

Der sogenannte Reformer Hassan Ruhani scheint kaltgestellt zu sein, die Hardliner haben in Teheran das Kommando übernommen. Und die setzen auf Eskalation. Auslöser war ausgerechnet Donald Trump. Der US-Präsident wollte die iranische Führung disziplinieren und mit der Aufkündigung des Atomabkommens dazu bewegen, ihre aggressive Machtpolitik im Nahen und Mittleren Osten und ihre Unterstützung von Islamismus und Terrorismus zu beenden. Nicht zuletzt ging es darum, das Mullah-Regime zu schwächen. Trump und seine Falken haben jedoch das Gegenteil erreicht. Die Mullahs können auf wachsenden Rückhalt des Volkes setzen, das sich vom Westen betrogen fühlt.

Denn die Hoffnung, der Verzicht auf Atomwaffen werde Aufschwung und Wohlstand bringen, hat sich nicht erfüllt. Nun versammeln sich immer mehr Iraner hinter den Machthabern und unterstützen die Eskalation, die mit der Festsetzung der „Stena Impero“ einen neuen, gefährlichen Höhepunkt erreicht hat. Teheran erhöht den Druck auf die Briten in einer politisch hochbrisanten Zeit: London bekommt eine neue Regierung, die wahrscheinlich von Boris Johnson geführt wird, der zwar schon einmal Außenminister war, der jedoch nicht unbedingt für einen kühlen Kopf bekannt ist.

Johnson hat zwar erklärt, dass er Trump im Falle eines Krieges gegen den Iran die Gefolgschaft verweigern wird. Was aber, wenn sich die iranischen Provokationen weiter gegen Großbritannien richten? Dann könnte es auch für Deutschland irgendwann schwierig werden, sich hinter wohlklingenden diplomatischen Appellen zu verschanzen. Entspannt sich die Lage nicht bald – und danach sieht es nicht aus – wird es zum Schwur kommen. Dann wird sich die Bundesrepublik ohne Wenn und Aber an die Seite ihrer Verbündeten stellen und notfalls auch bereit sein müssen, sich an einer militärischen Drohkulisse zu beteiligen. Denn Piraterie kann eine Handelsnation nicht dulden. Nicht vor Somalia, nicht am Golf.

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Kommentar zum Thema Säbelrasseln am Golf: Es kommt zum SchwurVon Torsten Henke Der sogenannte Reformer Hassan Ruhani scheint kaltgestellt zu sein, die Hardliner haben in Teheran das Kommando übernommen. Und die setzen auf Eskalation. Auslöser war ausgerechnet Donald Trump. Der US-Präsident wollte die iranische Führung disziplinieren und mit der Aufkündigung des Atomabkommens dazu bewegen, ihre aggressive Machtpolitik im Nahen und Mittleren Osten und ihre Unterstützung von Islamismus und Terrorismus zu beenden. Nicht zuletzt ging es darum, das Mullah-Regime zu schwächen. Trump und seine Falken haben jedoch das Gegenteil erreicht. Die Mullahs können auf wachsenden Rückhalt des Volkes setzen, das sich vom Westen betrogen fühlt. Denn die Hoffnung, der Verzicht auf Atomwaffen werde Aufschwung und Wohlstand bringen, hat sich nicht erfüllt. Nun versammeln sich immer mehr Iraner hinter den Machthabern und unterstützen die Eskalation, die mit der Festsetzung der „Stena Impero“ einen neuen, gefährlichen Höhepunkt erreicht hat. Teheran erhöht den Druck auf die Briten in einer politisch hochbrisanten Zeit: London bekommt eine neue Regierung, die wahrscheinlich von Boris Johnson geführt wird, der zwar schon einmal Außenminister war, der jedoch nicht unbedingt für einen kühlen Kopf bekannt ist. Johnson hat zwar erklärt, dass er Trump im Falle eines Krieges gegen den Iran die Gefolgschaft verweigern wird. Was aber, wenn sich die iranischen Provokationen weiter gegen Großbritannien richten? Dann könnte es auch für Deutschland irgendwann schwierig werden, sich hinter wohlklingenden diplomatischen Appellen zu verschanzen. Entspannt sich die Lage nicht bald – und danach sieht es nicht aus – wird es zum Schwur kommen. Dann wird sich die Bundesrepublik ohne Wenn und Aber an die Seite ihrer Verbündeten stellen und notfalls auch bereit sein müssen, sich an einer militärischen Drohkulisse zu beteiligen. Denn Piraterie kann eine Handelsnation nicht dulden. Nicht vor Somalia, nicht am Golf.