Kommentar zum Thema Kliniken schließen: Weniger kann mehr sein

veröffentlicht

Von Claus Schöner

Ein Politiker, der sich dafür stark macht, Krankenhäuser zu schließen, hat bei der nächsten Wahl schlechte Karten. Mit dieser Erkenntnis könnte man die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung eigentlich im Papierkorb versenken. Die Hälfte der Kliniken in Deutschland dicht machen? Das ist doch Wahnsinn! Gewiss, wenn man an die Versorgung auf dem Land denkt, an Kliniken in Kreisstädten mit einem riesigen Einzugsgebiet. Wenn dort ein Krankenhaus schließt und Patienten in die nächste Stadt müssen, ist das ein echtes Problem. Gerade in der Notfallversorgung kann das Menschenleben kosten.

Was aber ist in Großstädten, in Ballungsräumen? Die Experten haben in der Modellregion Köln/Leverkusen 38 Akutkrankenhäuser gezählt, halten 14 jedoch für ausreichend, um nicht nur das Versorgungsniveau zu halten, sondern die Qualität sogar zu verbessern. Denn es wäre eine stärkere Spezialisierung möglich und eine entsprechende Konzentrierung des medizinischen Geräts und des Fachpersonals. Es stünden mehr Ärzte und Pfleger pro Haus zur Verfügung, die sich intensiver um die Patienten kümmern könnten, die Anfahrten würden sich nur marginal verlängern und auch die Rettungswagen würden kaum mehr Zeit brauchen, um eine Klinik zu erreichen.

Die Ergebnisse der Studie lassen sich gewiss nicht komplett umsetzen. Klar ist aber, dass der stationäre Bereich weiter auf den Prüfstand gehört. Zu wenig Geld, zu viele Betten, zu viel Bürokratie, zu wenig Transparenz, mitunter zu wenig Qualität, jedoch zu viele stationäre Behandlungen und Operationen. Finanzspritzen ändern nichts an den grundsätzlichen Problemen. Die Fallpauschalen, durch die nicht mehr nach Verweildauer in der Klinik vergütet wird, bieten zweifelhafte Anreize, zum Skalpell zu greifen, und verschärfen den Kampf um Patienten. Auch deshalb braucht der Patient Krankenhaus eine Therapie. Die Forscher haben für die nötige Debatte einen Denkanstoß gegeben.

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Kommentar zum Thema Kliniken schließen: Weniger kann mehr seinVon Claus Schöner Ein Politiker, der sich dafür stark macht, Krankenhäuser zu schließen, hat bei der nächsten Wahl schlechte Karten. Mit dieser Erkenntnis könnte man die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung eigentlich im Papierkorb versenken. Die Hälfte der Kliniken in Deutschland dicht machen? Das ist doch Wahnsinn! Gewiss, wenn man an die Versorgung auf dem Land denkt, an Kliniken in Kreisstädten mit einem riesigen Einzugsgebiet. Wenn dort ein Krankenhaus schließt und Patienten in die nächste Stadt müssen, ist das ein echtes Problem. Gerade in der Notfallversorgung kann das Menschenleben kosten. Was aber ist in Großstädten, in Ballungsräumen? Die Experten haben in der Modellregion Köln/Leverkusen 38 Akutkrankenhäuser gezählt, halten 14 jedoch für ausreichend, um nicht nur das Versorgungsniveau zu halten, sondern die Qualität sogar zu verbessern. Denn es wäre eine stärkere Spezialisierung möglich und eine entsprechende Konzentrierung des medizinischen Geräts und des Fachpersonals. Es stünden mehr Ärzte und Pfleger pro Haus zur Verfügung, die sich intensiver um die Patienten kümmern könnten, die Anfahrten würden sich nur marginal verlängern und auch die Rettungswagen würden kaum mehr Zeit brauchen, um eine Klinik zu erreichen. Die Ergebnisse der Studie lassen sich gewiss nicht komplett umsetzen. Klar ist aber, dass der stationäre Bereich weiter auf den Prüfstand gehört. Zu wenig Geld, zu viele Betten, zu viel Bürokratie, zu wenig Transparenz, mitunter zu wenig Qualität, jedoch zu viele stationäre Behandlungen und Operationen. Finanzspritzen ändern nichts an den grundsätzlichen Problemen. Die Fallpauschalen, durch die nicht mehr nach Verweildauer in der Klinik vergütet wird, bieten zweifelhafte Anreize, zum Skalpell zu greifen, und verschärfen den Kampf um Patienten. Auch deshalb braucht der Patient Krankenhaus eine Therapie. Die Forscher haben für die nötige Debatte einen Denkanstoß gegeben.