Kommentar zu Macron und Europas: Viele Geschwindigkeiten

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Von Marcus Sauer

Marcus Sauer - © siehe Bildtext
Marcus Sauer (© siehe Bildtext)

Feiern kann sie, die Grande Nation, und am liebsten feiert sie sich selbst. Die Militärparade in Paris war sichtlich nach dem Geschmack von Präsident Emmanuel Macron, der pünktlich zum 14. Juli den Aufbau eines militärischen Weltraumkommandos angekündigt hat. Doch es ging nicht allein um Patriotismus, das zeigte schon die Auswahl der Ehrengäste: Die Staats- und Regierungschefs der Länder, die sich an der von ihm ersonnenen Interventionsinitiative beteiligen, einem europäischen Bündnis in der EU, zu dem sich bis jetzt zehn Staaten, darunter Deutschland, zusammengeschlossen haben. Das wird die Zukunft der Europäischen Union sein.

Das Gezerre um die Kommissionspräsidentschaft hat gezeigt, wie schwer es ist, an einem Strang zu ziehen. Letztlich vertritt auch Macron, der sich gerne als Super-Europäer inszeniert, knallhart französische Interessen. Deshalb wird es immer häufiger vorkommen, dass sich bei bestimmten Themen innerhalb der EU Gleichgesinnte zusammentun. Es wird also eine Union vieler Geschwindigkeiten geben. Auch in der Asylpolitik. An einen Verteilmechanismus für Flüchtlinge über ganz Europa ist bis auf Weiteres nicht zu denken. Es ist deshalb der richtige Weg, wie von Außenminister Heiko Maas vorgeschlagen, ein „Bündnis der Hilfsbereiten“ zu schmieden.

Wer sich auf christliche Werte beruft, kann nicht untätig zusehen, was im Mittelmeer geschieht, und es alleine den Hilfsorganisationen überlassen, Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Die Marine-Mission „Sophia“ muss schleunigst wieder aufgenommen und die Grenzschutz-Truppe Frontex früher aufgestellt werden. Gleichzeitig, da ist FDP-Chef Christian Lindner zuzustimmen, muss es neben legalen Fluchtwegen nach Europa menschenwürdige und sichere Unterkünfte in Nordafrika geben. Diese sollten von der EU nach europäischen Standards betrieben werden.

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Kommentar zu Macron und Europas: Viele GeschwindigkeitenVon Marcus Sauer Feiern kann sie, die Grande Nation, und am liebsten feiert sie sich selbst. Die Militärparade in Paris war sichtlich nach dem Geschmack von Präsident Emmanuel Macron, der pünktlich zum 14. Juli den Aufbau eines militärischen Weltraumkommandos angekündigt hat. Doch es ging nicht allein um Patriotismus, das zeigte schon die Auswahl der Ehrengäste: Die Staats- und Regierungschefs der Länder, die sich an der von ihm ersonnenen Interventionsinitiative beteiligen, einem europäischen Bündnis in der EU, zu dem sich bis jetzt zehn Staaten, darunter Deutschland, zusammengeschlossen haben. Das wird die Zukunft der Europäischen Union sein. Das Gezerre um die Kommissionspräsidentschaft hat gezeigt, wie schwer es ist, an einem Strang zu ziehen. Letztlich vertritt auch Macron, der sich gerne als Super-Europäer inszeniert, knallhart französische Interessen. Deshalb wird es immer häufiger vorkommen, dass sich bei bestimmten Themen innerhalb der EU Gleichgesinnte zusammentun. Es wird also eine Union vieler Geschwindigkeiten geben. Auch in der Asylpolitik. An einen Verteilmechanismus für Flüchtlinge über ganz Europa ist bis auf Weiteres nicht zu denken. Es ist deshalb der richtige Weg, wie von Außenminister Heiko Maas vorgeschlagen, ein „Bündnis der Hilfsbereiten“ zu schmieden. Wer sich auf christliche Werte beruft, kann nicht untätig zusehen, was im Mittelmeer geschieht, und es alleine den Hilfsorganisationen überlassen, Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Die Marine-Mission „Sophia“ muss schleunigst wieder aufgenommen und die Grenzschutz-Truppe Frontex früher aufgestellt werden. Gleichzeitig, da ist FDP-Chef Christian Lindner zuzustimmen, muss es neben legalen Fluchtwegen nach Europa menschenwürdige und sichere Unterkünfte in Nordafrika geben. Diese sollten von der EU nach europäischen Standards betrieben werden.