Kommentar zum Thema Unbezahlte Überstunden: Keine Wertschätzung

veröffentlicht

Von Claus Schöner

Mal eine Stunde länger im Betrieb bleiben, wenn Not am Mann oder an der Frau ist – das ist für die meisten Arbeitnehmer kein Problem. In Unternehmen, in denen ein gutes Betriebsklima herrscht, wird ohnehin nicht ständig auf die Uhr geschaut. Dort macht der Chef auch keinen Ärger, wenn ein Mitarbeiter einmal früher nach Hause muss oder etwas später kommt, weil zum Beispiel etwas mit den Kindern ist. Was sich jedoch in vielen Firmen etabliert hat, ist ein Ärgernis. Und ein Gesundheitsrisiko für viele Beschäftigte, die weniger Zeit haben, sich physisch und psychisch zu regenerieren.

Die Deutschen sind Europameister im Überstunden leisten. Mehr als jeder dritte Deutsche, behaupten die Autoren einer neuen Studie, arbeitet in seinem Berufsleben rund ein Jahr lang umsonst. Selbst, wenn die Zahl der Überstunden im Vergleich zur Finanzkrise leicht zurückgegangen ist: Wie viele Unternehmen mit ihren Beschäftigten umgehen und ihren keinen müden Euro für geleistete Mehrarbeit zahlen, ist unerhört. In etlichen Firmen wird erwartet, dass die Mitarbeiter über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus schuften. Sie sollen ihr Bestes geben, erhalten jedoch keine Wertschätzung für ihre Arbeitskraft.

Selbst wenn in den besonders betroffenen Branchen auch bessere Gehälter gezahlt werden, darf das nicht sein. Natürlich: Es gibt Auftragsspitzen, deren Ende absehbar ist, weswegen keine zusätzlichen Kräfte eingestellt werden.

Es kann auch vorkommen, dass ein Betrieb es sich kurzfristig nicht erlauben kann, für Überstunden zu bezahlen. All das sollte jedoch nicht die Regel sein. Setzt sich die Entwicklung fort, ist der Gesetzgeber am Zug. Die Arbeitgeber werden zwar wieder bitterlich über hohe Arbeitskosten klagen. Doch gutes Geld für gute Arbeit – das muss auch nach dem regulären Feierabend gelten.

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Kommentar zum Thema Unbezahlte Überstunden: Keine WertschätzungVon Claus Schöner Mal eine Stunde länger im Betrieb bleiben, wenn Not am Mann oder an der Frau ist – das ist für die meisten Arbeitnehmer kein Problem. In Unternehmen, in denen ein gutes Betriebsklima herrscht, wird ohnehin nicht ständig auf die Uhr geschaut. Dort macht der Chef auch keinen Ärger, wenn ein Mitarbeiter einmal früher nach Hause muss oder etwas später kommt, weil zum Beispiel etwas mit den Kindern ist. Was sich jedoch in vielen Firmen etabliert hat, ist ein Ärgernis. Und ein Gesundheitsrisiko für viele Beschäftigte, die weniger Zeit haben, sich physisch und psychisch zu regenerieren. Die Deutschen sind Europameister im Überstunden leisten. Mehr als jeder dritte Deutsche, behaupten die Autoren einer neuen Studie, arbeitet in seinem Berufsleben rund ein Jahr lang umsonst. Selbst, wenn die Zahl der Überstunden im Vergleich zur Finanzkrise leicht zurückgegangen ist: Wie viele Unternehmen mit ihren Beschäftigten umgehen und ihren keinen müden Euro für geleistete Mehrarbeit zahlen, ist unerhört. In etlichen Firmen wird erwartet, dass die Mitarbeiter über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus schuften. Sie sollen ihr Bestes geben, erhalten jedoch keine Wertschätzung für ihre Arbeitskraft. Selbst wenn in den besonders betroffenen Branchen auch bessere Gehälter gezahlt werden, darf das nicht sein. Natürlich: Es gibt Auftragsspitzen, deren Ende absehbar ist, weswegen keine zusätzlichen Kräfte eingestellt werden. Es kann auch vorkommen, dass ein Betrieb es sich kurzfristig nicht erlauben kann, für Überstunden zu bezahlen. All das sollte jedoch nicht die Regel sein. Setzt sich die Entwicklung fort, ist der Gesetzgeber am Zug. Die Arbeitgeber werden zwar wieder bitterlich über hohe Arbeitskosten klagen. Doch gutes Geld für gute Arbeit – das muss auch nach dem regulären Feierabend gelten.