Kommentar zum Thema Bayers Milliarden-Risiko: Der Monsanto-GAU

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Von Torsten Henke

Torsten Henke - © siehe Bildtext
Torsten Henke (© siehe Bildtext)

Sie sollte einer der größten Coups deutscher Wirtschaftsgeschichte werden. Stattdessen wird die Übernahme des Agrarkonzerns Monsanto, bekannt für den Unkraut-Vernichter Glyphosat, für Bayer zum Super-GAU. Weil die Geschworenen davon überzeugt waren, dass Glyphosat bzw. das Monsanto-Produkt Roundup für die Krebserkrankung der Kläger verantwortlich ist, ist Bayer auch im dritten Prozess in den USA zu Schadensersatz verurteilt worden: zu zwei Milliarden US-Dollar. Eine gigantische Summe. Die Bayer aller Erfahrung nach nicht in dieser Höhe wird bezahlen müssen. Das Urteil ist für Bayer dennoch höchst alarmierend.

Gerade konnte der Konzern etwas aufatmen, nachdem die US-Umweltbehörde EPA zum Schluss gekommen war, das Herbizid sei unbedenklich. Nun der große Rückschlag. Dabei sind noch weitete 13.400 Klagen anhängig. Der unter enormem Druck stehende Bayer-Chef Werner Baumann wäre gut beraten, über Vergleichsverhandlungen nachzudenken, um das Thema in den USA vom Tisch zu bekommen. Allerdings hat die Sache einen Haken, denn freiwillige Entschädigungsleistungen kämen einem Schuldeingeständnis gleich. Dennoch: Das Risiko, das von der Prozessflut ausgeht, dürfte für Bayer schlimmer sein, von rund 50 Milliarden US-Dollar ist die Rede.

Das Glyphosat-Desaster erreicht für Bayer existenzbedrohende Dimensionen. Der Traditionskonzern, der das ganz große Rad drehen wollte, könnte selbst zum Übernahmekandidaten werden. Der Wert des Gesamtunternehmens liegt mittlerweile unter dem Monsanto-Kaufpreis von 56 Milliarden Euro. Das Management in Leverkusen hat die Risiken der Fusion völlig unterschätzt. Da ist nicht nur Glyphosat, sondern auch das gewaltige Image-Problem, das Monsanto zu Recht hatte, wie die nun bekanntgewordene Kritiker-Bespitzlung abermals zeigt. Den Preis für die dramatische Fehleinschätzung der Manager werden am Ende die Beschäftigten zahlen müssen. Und der dürfte hoch sein.

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Kommentar zum Thema Bayers Milliarden-Risiko: Der Monsanto-GAUVon Torsten Henke Sie sollte einer der größten Coups deutscher Wirtschaftsgeschichte werden. Stattdessen wird die Übernahme des Agrarkonzerns Monsanto, bekannt für den Unkraut-Vernichter Glyphosat, für Bayer zum Super-GAU. Weil die Geschworenen davon überzeugt waren, dass Glyphosat bzw. das Monsanto-Produkt Roundup für die Krebserkrankung der Kläger verantwortlich ist, ist Bayer auch im dritten Prozess in den USA zu Schadensersatz verurteilt worden: zu zwei Milliarden US-Dollar. Eine gigantische Summe. Die Bayer aller Erfahrung nach nicht in dieser Höhe wird bezahlen müssen. Das Urteil ist für Bayer dennoch höchst alarmierend. Gerade konnte der Konzern etwas aufatmen, nachdem die US-Umweltbehörde EPA zum Schluss gekommen war, das Herbizid sei unbedenklich. Nun der große Rückschlag. Dabei sind noch weitete 13.400 Klagen anhängig. Der unter enormem Druck stehende Bayer-Chef Werner Baumann wäre gut beraten, über Vergleichsverhandlungen nachzudenken, um das Thema in den USA vom Tisch zu bekommen. Allerdings hat die Sache einen Haken, denn freiwillige Entschädigungsleistungen kämen einem Schuldeingeständnis gleich. Dennoch: Das Risiko, das von der Prozessflut ausgeht, dürfte für Bayer schlimmer sein, von rund 50 Milliarden US-Dollar ist die Rede. Das Glyphosat-Desaster erreicht für Bayer existenzbedrohende Dimensionen. Der Traditionskonzern, der das ganz große Rad drehen wollte, könnte selbst zum Übernahmekandidaten werden. Der Wert des Gesamtunternehmens liegt mittlerweile unter dem Monsanto-Kaufpreis von 56 Milliarden Euro. Das Management in Leverkusen hat die Risiken der Fusion völlig unterschätzt. Da ist nicht nur Glyphosat, sondern auch das gewaltige Image-Problem, das Monsanto zu Recht hatte, wie die nun bekanntgewordene Kritiker-Bespitzlung abermals zeigt. Den Preis für die dramatische Fehleinschätzung der Manager werden am Ende die Beschäftigten zahlen müssen. Und der dürfte hoch sein.