Kommentar zum Thema Messer-Verbot: Längst überfällig

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Marcus Sauer. - © Foto: pr
Marcus Sauer. (© Foto: pr)

Von Marcus Sauer

Endlich planen die Bundesländer Waffenverbotszonen und Beschränkungen für das Mitführen von Messern. Bislang haben sie ihr Nichtstun stets mit der dürftigen Datenlage gerechtfertigt. Denn obwohl seit langem über die mutmaßliche Zunahme von Messerattacken diskutiert wird, gibt es keine bundesweite Erhebung zu Gewalttaten mit Messern: Wie viele Fälle gibt es überhaupt, wo treten sie am häufigsten auf, wer sind die Täter? Und: Welche Rolle spielen Flüchtlinge? Wird öfter berichtet, wenn sie zustechen? Oder ist etwas dran am Bild der „Messermänner“, das AfD-Fraktionschefin Alice Weidel geprägt hat? Um sachlich argumentieren und fundierte Entscheidungen treffen zu können, sind harte Fakten nötig.

Da sie bundesweit und in den allermeisten Ländern fehlen, ist die Politik auf Erfahrungswerte der Polizei angewiesen. Und die Beamten beteuern, Messerstechereien kämen tatsächlich deutlich häufiger vor. Möglichst imposante und martialische Stichwaffen etwa mit schwarzer Klinge und Wellenschliff, der besonders hässliche Wunden hervorruft, gelten unter jungen Männern gerade aus dem arabischen Raum als Symbol für Macht. Und wer sich unter Druck gesetzt fühlt, diese Männlichkeit stets durch Imponiergehabe zu beweisen, zu der auch Gewalt gehört, bei dem sitzt das Messer mitunter locker.

Einen anderen praktischen Nutzen haben die meisten dieser Messer nicht. Jäger, Köche oder Angler wählen andere Modelle, ebenso wie Soldaten oder Polizisten in Spezialeinheiten. Damit stellt sich die Frage, warum Messer, die keinen vernünftigen Zweck erfüllen, überhaupt verkauft werden dürfen. Die nun angedachten Einschränkungen sind ein Stück weit Symbolpolitik und schwer zu kontrollieren. Doch würden sie der Polizei immerhin die Möglichkeit geben, die Messer bei Personenüberprüfungen einzukassieren. Darüber hinaus sollte geprüft werden, Messerstiche gegen Menschen grundsätzlich als versuchtes Tötungsdelikt einzustufen.

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Kommentar zum Thema Messer-Verbot: Längst überfälligVon Marcus Sauer Endlich planen die Bundesländer Waffenverbotszonen und Beschränkungen für das Mitführen von Messern. Bislang haben sie ihr Nichtstun stets mit der dürftigen Datenlage gerechtfertigt. Denn obwohl seit langem über die mutmaßliche Zunahme von Messerattacken diskutiert wird, gibt es keine bundesweite Erhebung zu Gewalttaten mit Messern: Wie viele Fälle gibt es überhaupt, wo treten sie am häufigsten auf, wer sind die Täter? Und: Welche Rolle spielen Flüchtlinge? Wird öfter berichtet, wenn sie zustechen? Oder ist etwas dran am Bild der „Messermänner“, das AfD-Fraktionschefin Alice Weidel geprägt hat? Um sachlich argumentieren und fundierte Entscheidungen treffen zu können, sind harte Fakten nötig. Da sie bundesweit und in den allermeisten Ländern fehlen, ist die Politik auf Erfahrungswerte der Polizei angewiesen. Und die Beamten beteuern, Messerstechereien kämen tatsächlich deutlich häufiger vor. Möglichst imposante und martialische Stichwaffen etwa mit schwarzer Klinge und Wellenschliff, der besonders hässliche Wunden hervorruft, gelten unter jungen Männern gerade aus dem arabischen Raum als Symbol für Macht. Und wer sich unter Druck gesetzt fühlt, diese Männlichkeit stets durch Imponiergehabe zu beweisen, zu der auch Gewalt gehört, bei dem sitzt das Messer mitunter locker. Einen anderen praktischen Nutzen haben die meisten dieser Messer nicht. Jäger, Köche oder Angler wählen andere Modelle, ebenso wie Soldaten oder Polizisten in Spezialeinheiten. Damit stellt sich die Frage, warum Messer, die keinen vernünftigen Zweck erfüllen, überhaupt verkauft werden dürfen. Die nun angedachten Einschränkungen sind ein Stück weit Symbolpolitik und schwer zu kontrollieren. Doch würden sie der Polizei immerhin die Möglichkeit geben, die Messer bei Personenüberprüfungen einzukassieren. Darüber hinaus sollte geprüft werden, Messerstiche gegen Menschen grundsätzlich als versuchtes Tötungsdelikt einzustufen.