Kommentar zum Thema Vebot von Plastiktüten: Kragen geplatzt

veröffentlicht

Von Torsten Henke

Torsten Henke - © siehe Bildtext
Torsten Henke (© siehe Bildtext)

Entwicklungsminister Gerd Müller ist der Querulant in der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wenn er einen Missstand entdeckt hat, kennt er keine Kabinettsdisziplin oder Parteiräson, dann spricht er Klartext. Egal, ob er aneckt. Es passt zu ihm, dass der CSU-Mann mit Leidenschaft ein sofortiges Verbot von Plastiktüten fordert. Und er hat gute Argumente auf seiner Seite. Deutschland trägt einen beträchtlichen Teil zum globalen Plastikmüll-Tsunami bei.

Nicht etwa, weil hierzulande in großem Stil Tüten in der Landschaft und im Meer landen würden, sondern weil unser Wohlstandsabfall in andere Länder exportiert wird. Etwa nach Malaysia, wo Plastikbeutel, -flaschen und anderer Müll aus Deutschland und anderen europäischen Staaten ganze Landstriche überfluten. Umweltministerin Svenja Schulze hat das Problem erkannt und will gegen überflüssigen Müll vorgehen und mehr Recycling durchsetzen, doch die Mühlen der Politik mahlen langsam. Da ist es wohltuend, wenn einmal einem Minister der Kragen platzt und er ordentlich auf den Tisch haut.

Denn das kann auch zu einem Bewusstseinswandel bei den Verbrauchern beitragen. Sie haben es nämlich in der Hand: Wenn sie Druck machen und doppelt und dreifach verpackte Produkte liegenlassen, wenn sie Alternativen etwa zu den dünnen Einwegtüten fordern, in die Obst oder Gemüse häufig eingepackt wird, werden Industrie und Handel reagieren. Müller hat recht: Wir haben den Menschen in ärmeren Ländern lange genug unseren Müll vor die Füße gekippt und uns – fälschlicherweise – als Recycling-Weltmeister aufgespielt. Höchste Zeit, selbst etwas zu tun.

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Kommentar zum Thema Vebot von Plastiktüten: Kragen geplatztVon Torsten Henke Entwicklungsminister Gerd Müller ist der Querulant in der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wenn er einen Missstand entdeckt hat, kennt er keine Kabinettsdisziplin oder Parteiräson, dann spricht er Klartext. Egal, ob er aneckt. Es passt zu ihm, dass der CSU-Mann mit Leidenschaft ein sofortiges Verbot von Plastiktüten fordert. Und er hat gute Argumente auf seiner Seite. Deutschland trägt einen beträchtlichen Teil zum globalen Plastikmüll-Tsunami bei. Nicht etwa, weil hierzulande in großem Stil Tüten in der Landschaft und im Meer landen würden, sondern weil unser Wohlstandsabfall in andere Länder exportiert wird. Etwa nach Malaysia, wo Plastikbeutel, -flaschen und anderer Müll aus Deutschland und anderen europäischen Staaten ganze Landstriche überfluten. Umweltministerin Svenja Schulze hat das Problem erkannt und will gegen überflüssigen Müll vorgehen und mehr Recycling durchsetzen, doch die Mühlen der Politik mahlen langsam. Da ist es wohltuend, wenn einmal einem Minister der Kragen platzt und er ordentlich auf den Tisch haut. Denn das kann auch zu einem Bewusstseinswandel bei den Verbrauchern beitragen. Sie haben es nämlich in der Hand: Wenn sie Druck machen und doppelt und dreifach verpackte Produkte liegenlassen, wenn sie Alternativen etwa zu den dünnen Einwegtüten fordern, in die Obst oder Gemüse häufig eingepackt wird, werden Industrie und Handel reagieren. Müller hat recht: Wir haben den Menschen in ärmeren Ländern lange genug unseren Müll vor die Füße gekippt und uns – fälschlicherweise – als Recycling-Weltmeister aufgespielt. Höchste Zeit, selbst etwas zu tun.