Trautes Heim

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Von Claudia Hyna

Hätten wir auch nur ansatzweise geahnt, wie schwierig sich die Wohnungssuche nach dem Auszug bei den Eltern gestalten würde, wären wir wohl für immer in unserem Jugendzimmer geblieben. Familien und auch Senioren wünschen sich ein bezahlbares mittelgroßes Einfamilienhaus in Stadtnähe – da wird die Suche zum Marathonlauf.

Das Leben auf dem Land ist unbeliebt. Geschäfte, Banken und Post sind dicht, Schulen gibt es nicht mehr in jeder Ortschaft und ohne Auto läuft sowieso nichts. Wenn der ländliche Raum attraktiver werden soll, müssten die Bedingungen besser sein. Das hören die Makler in ihren Gesprächen mit Interessenten immer wieder. Stadtplanung ist so viel mehr als hier und da ein neues Baugebiet ausweisen. Visionen sind gefragt – aber auch Menschen, die bereit sind, diese mitzutragen.

Es wird spannend sein, in 50 Jahren einen Blick auf das Projekt „Wem gehört Minden?" zu werfen. Wo stehen wir? Sind Einfamilienhäuser wirklich zum Auslaufmodell geworden, wie es seit ein paar Jahren vorhergesagt wird? In Minden jedenfalls ist dieser Trend noch nicht angekommen. Und auch das Mehr-Generationenhaus, das früher normal war, hat sich bisher allenfalls in Projekten durchgesetzt.

Autoverkehr raus aus den Städten: Diese Perspektive eröffnet ebenfalls eine Vielzahl an Möglichkeiten. Eine Initiative in Köln macht es vor: An einem Tag werden die Straßen für Autos gesperrt und die Menschen können dort Fußball spielen oder einen Flohmarkt veranstalten. So sollen sie Bewohner bemerken, wie viel Lebensqualität sie gewinnen könnten, wenn die Stadt umgestaltet würde und es mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer gibt. Das erfordert ein radikales Umdenken, zu dem wohl die wenigsten bereit sind.

Wie gut, dass wir nicht in die Zukunft schauen können. Bleiben wir hoffnungsvoll, dass das Jugendzimmer von früher auf jeden Fall die schlechtere Alternative sein möge.?Seite 3

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Trautes HeimVon Claudia Hyna Hätten wir auch nur ansatzweise geahnt, wie schwierig sich die Wohnungssuche nach dem Auszug bei den Eltern gestalten würde, wären wir wohl für immer in unserem Jugendzimmer geblieben. Familien und auch Senioren wünschen sich ein bezahlbares mittelgroßes Einfamilienhaus in Stadtnähe – da wird die Suche zum Marathonlauf. Das Leben auf dem Land ist unbeliebt. Geschäfte, Banken und Post sind dicht, Schulen gibt es nicht mehr in jeder Ortschaft und ohne Auto läuft sowieso nichts. Wenn der ländliche Raum attraktiver werden soll, müssten die Bedingungen besser sein. Das hören die Makler in ihren Gesprächen mit Interessenten immer wieder. Stadtplanung ist so viel mehr als hier und da ein neues Baugebiet ausweisen. Visionen sind gefragt – aber auch Menschen, die bereit sind, diese mitzutragen. Es wird spannend sein, in 50 Jahren einen Blick auf das Projekt „Wem gehört Minden?" zu werfen. Wo stehen wir? Sind Einfamilienhäuser wirklich zum Auslaufmodell geworden, wie es seit ein paar Jahren vorhergesagt wird? In Minden jedenfalls ist dieser Trend noch nicht angekommen. Und auch das Mehr-Generationenhaus, das früher normal war, hat sich bisher allenfalls in Projekten durchgesetzt. Autoverkehr raus aus den Städten: Diese Perspektive eröffnet ebenfalls eine Vielzahl an Möglichkeiten. Eine Initiative in Köln macht es vor: An einem Tag werden die Straßen für Autos gesperrt und die Menschen können dort Fußball spielen oder einen Flohmarkt veranstalten. So sollen sie Bewohner bemerken, wie viel Lebensqualität sie gewinnen könnten, wenn die Stadt umgestaltet würde und es mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer gibt. Das erfordert ein radikales Umdenken, zu dem wohl die wenigsten bereit sind. Wie gut, dass wir nicht in die Zukunft schauen können. Bleiben wir hoffnungsvoll, dass das Jugendzimmer von früher auf jeden Fall die schlechtere Alternative sein möge.?Seite 3