Kommentar zu den Reaktionen auf das Helsinki-Treffen: Ungewohnter Gegenwind

Christoph Pepper

Christoph Pepper. Foto: Alexander Lehn - © Alexander Lehn
Christoph Pepper. Foto: Alexander Lehn (© Alexander Lehn)

Das Treffen von Helsinki bewegt weiterhin die Gemüter - in den USA und Russland sowieso, aber auch in Europa und dem Rest der Welt. Viel Lärm um Nichts, könnte man da mit Blick auf die konkreten Ergebnisse spotten. Doch damit wird man dem Ereignis nicht ganz gerecht.

Diesseits des Atlantiks wird von manchem schon positiv bewertet, dass sich die Präsidenten Russlands und der Vereinigten Staaten von Amerika überhaupt getroffen haben. Von „Annäherung“ ist die Rede, der jetzt weitere Schritte folgen müssten. Allerdings lässt sich nicht so ganz erkennen, worin die Annäherung bestehen soll. Russland besteht in allen Punkten, deretwegen der Westen es kritisiert, auf seinem Standpunkt. Krim-Annexion? „Ist für uns erledigt.“ Syrien? „Das ist keine Einmischung“. Und so weiter und so weiter. Politisch hat das Treffen außer einer Reihe von Luftblasen nichts gebracht. Stattdessen eine weitere Aufwertung des gerade erst WM-gesalbten Moskauer Machthabers, die ihm auf all seinen innen- und außenpolitischen Spielfeldern nützlich sein dürfte.

Interessant ist die Reaktion auf die substanzlose Harmonieshow in den USA. Denn das Großsprecher Trump ausgerechnet gegenüber Putin Kreide futterte, während er zuvor noch reihenweise „Freunde“ und Verbündete vors Schienbein getreten hatte, irritiert selbst bis dato unerschütterlich scheinende politische Freunde. Erst recht, dass er die eigenen Geheimdienste wegen eines „sehr, sehr starken Dementis“ Putins öffentlich im Regen stehen ließ. Was immerhin den routinierten Dementierer zusätzlich gefreut haben dürfte.

Gegenwind von Opposition und kritischen Medien ist Trump gewohnt, das kontert er stets mit Häme und Verächtlichmachung. Gegenüber seinen eigenen Klientel kann er sich das nicht leisten, schließlich will er noch einmal antreten. Man darf gespannt sein, wie er aus dieser Nummer rauskommt.

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Kommentar zu den Reaktionen auf das Helsinki-Treffen: Ungewohnter GegenwindChristoph PepperDas Treffen von Helsinki bewegt weiterhin die Gemüter - in den USA und Russland sowieso, aber auch in Europa und dem Rest der Welt. Viel Lärm um Nichts, könnte man da mit Blick auf die konkreten Ergebnisse spotten. Doch damit wird man dem Ereignis nicht ganz gerecht. Diesseits des Atlantiks wird von manchem schon positiv bewertet, dass sich die Präsidenten Russlands und der Vereinigten Staaten von Amerika überhaupt getroffen haben. Von „Annäherung“ ist die Rede, der jetzt weitere Schritte folgen müssten. Allerdings lässt sich nicht so ganz erkennen, worin die Annäherung bestehen soll. Russland besteht in allen Punkten, deretwegen der Westen es kritisiert, auf seinem Standpunkt. Krim-Annexion? „Ist für uns erledigt.“ Syrien? „Das ist keine Einmischung“. Und so weiter und so weiter. Politisch hat das Treffen außer einer Reihe von Luftblasen nichts gebracht. Stattdessen eine weitere Aufwertung des gerade erst WM-gesalbten Moskauer Machthabers, die ihm auf all seinen innen- und außenpolitischen Spielfeldern nützlich sein dürfte. Interessant ist die Reaktion auf die substanzlose Harmonieshow in den USA. Denn das Großsprecher Trump ausgerechnet gegenüber Putin Kreide futterte, während er zuvor noch reihenweise „Freunde“ und Verbündete vors Schienbein getreten hatte, irritiert selbst bis dato unerschütterlich scheinende politische Freunde. Erst recht, dass er die eigenen Geheimdienste wegen eines „sehr, sehr starken Dementis“ Putins öffentlich im Regen stehen ließ. Was immerhin den routinierten Dementierer zusätzlich gefreut haben dürfte. Gegenwind von Opposition und kritischen Medien ist Trump gewohnt, das kontert er stets mit Häme und Verächtlichmachung. Gegenüber seinen eigenen Klientel kann er sich das nicht leisten, schließlich will er noch einmal antreten. Man darf gespannt sein, wie er aus dieser Nummer rauskommt.