Kommentar zur Wahrnehmung von Rettern: Bejubeln und beschimpfen

Ulrich Geisler

Es gibt eine nur schwer zu schließende Diskrepanz im menschlichen Fühlen. Während der Fall der geretteten Höhlenkinder von Thailand weltweite Anteilnahme erzeugt hat – über alle Landesgrenzen hinweg, bei Christen und Muslimen, Buddhisten, Hindus und Nicht-Gläubigen gleichermaßen –, haben offenbar zahlreiche Menschen erstaunlich wenig Mitleid mit Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrinken. „Oder soll man es lassen?“, diese Frage formuliert die Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrer aktuellen Ausgabe und meint damit die Rettung von Flüchtlingen. Allein, dass das Stellen dieser Frage möglich geworden ist, zeigt eine gefährliche Entwicklung auf. Soll man es lassen, Menschen das Leben zu retten? Eine absurde Frage.