Bärbel Höhn wirbt im BÜZ in Mindenfür grüne Energiewende "Koalition treibt Strompreis hoch" / Entschieden gegen Fracking Von Henning Wandel Minden (mt). Die Grünen besinnen sich im Wahlkampf auf ihre vielleicht wichtigste Wurzel: saubere Energie. Bärbel Höhn ließ am Dienstagabend im BÜZ kein gutes Haar an der schwarz-gelben Version der Energiewende. Nach der Fukushima-Katastrophe hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Grünen links überholt. "Plötzlich war die Merkel grüner als ich", erinnert sich der Lübbecker Burghard Grote, grüner Direktkandidat für den Wahlkreis Minden-Lübbecke I.Als ehemalige NRW-Umweltministerin zählt die Energiewende zu Höhns Herzensthemen - so verwundert es kaum, dass sie mit der Kehrtwende der Bundesregierung vor etwa 50 Gästen im Mindener BÜZ hart ins Gericht geht. Nur ein halbes Jahr nach der Abkehr vom Atomausstieg hätten Union und FDP den Beschluss wieder zurücknehmen müssen. "Mit der Faust in der Tasche", sagt Höhn. Seitdem versuche die Koalition mit Subventionen, die Erneuerbaren Energien über einen bewusst hochgehaltenen Preis zu diskreditieren. Seit 2000 habe sich der Strompreis auf 28 Cent pro Kilowattstunde verdoppelt, aber "nur fünf Cent entfallen auf die Erneuerbaren".Doch auch Höhn kann die Schwierigkeiten der Energiewende nicht vollends wegdiskutieren. "Auch mit den Erneuerbaren gibt es Probleme", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, "aber die größten Probleme gibt es mit der Atomkraft." Doch die studierte Volkswirtin weiß auch, dass allein mit dem Umweltgewissen nur noch wenige Wähler zu überzeugen sind. 380 000 Jobs seien mit dem Einstieg in alternative Energien in Deutschland entstanden, besonders der ländliche Raum profitiere von einer neuen Wertschöpfung. "Für 80 bis 90 Milliarden Euro werden Kohle, Gas, Öl und Uran importiert. Dieses Geld können wir in Deutschland halten."Gerade diese Jobs habe die Regierung Merkel aufs Spiel gesetzt, schimpft Höhn. Deutschland habe die Solarenergie bis zur Marktfähigkeit gefördert, "jetzt machen die Chinesen das Geschäft", sagt Höhn mit Blick auf die Pleitenserie deutscher Solarunternehmen, die bereits rund 30 000 Jobs gekostet hat. Höhn macht für das grüne Energiekonzept drei Säulen aus: den weiteren Ausbau der Erneuerbaren, mehr Effizienz und faire Preise, beispielsweise mit Förderprogrammen für bessere Gebäudedämmung oder Spartarifen, bei denen der Strom erst ab einem gewissen Verbrauch teuer wird.In der Diskussionsrunde kommt das Gespräch schnell auch auf das Fracking, das besonders den Norden des Mühlenkreises betrifft. Auch hier wartet Höhn mit einer deutlichen Position auf. Sie bezeichnet die Suche nach Schiefergas als unverantwortlich: "Die Konzerne verdienen kurzfristig Geld und hinterlassen verseuchten Boden." Noch allerdings unterliegt die Vergabe von Konzessionen dem Bergrecht und somit dem Ressort des CSU-Ministers Peter Ramsauer. "Die Bundestagswahl entscheidet auch über die Zukunft des Frackings", warnt Höhn vor einer Neuauflage von Schwarz-Gelb.

Bärbel Höhn wirbt im BÜZ in Mindenfür grüne Energiewende

Minden (mt). Die Grünen besinnen sich im Wahlkampf auf ihre vielleicht wichtigste Wurzel: saubere Energie. Bärbel Höhn ließ am Dienstagabend im BÜZ kein gutes Haar an der schwarz-gelben Version der Energiewende.

Prominente Unterstützung für Burghard Grote: Die Bundestagsabgeordnete und ehemalige NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn warb für eine grüne Energiewende. - © MT-Foto: Wandel
Prominente Unterstützung für Burghard Grote: Die Bundestagsabgeordnete und ehemalige NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn warb für eine grüne Energiewende. - © MT-Foto: Wandel

Nach der Fukushima-Katastrophe hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Grünen links überholt. "Plötzlich war die Merkel grüner als ich", erinnert sich der Lübbecker Burghard Grote, grüner Direktkandidat für den Wahlkreis Minden-Lübbecke I.

Als ehemalige NRW-Umweltministerin zählt die Energiewende zu Höhns Herzensthemen - so verwundert es kaum, dass sie mit der Kehrtwende der Bundesregierung vor etwa 50 Gästen im Mindener BÜZ hart ins Gericht geht. Nur ein halbes Jahr nach der Abkehr vom Atomausstieg hätten Union und FDP den Beschluss wieder zurücknehmen müssen. "Mit der Faust in der Tasche", sagt Höhn. Seitdem versuche die Koalition mit Subventionen, die Erneuerbaren Energien über einen bewusst hochgehaltenen Preis zu diskreditieren. Seit 2000 habe sich der Strompreis auf 28 Cent pro Kilowattstunde verdoppelt, aber "nur fünf Cent entfallen auf die Erneuerbaren".

Doch auch Höhn kann die Schwierigkeiten der Energiewende nicht vollends wegdiskutieren. "Auch mit den Erneuerbaren gibt es Probleme", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, "aber die größten Probleme gibt es mit der Atomkraft." Doch die studierte Volkswirtin weiß auch, dass allein mit dem Umweltgewissen nur noch wenige Wähler zu überzeugen sind. 380 000 Jobs seien mit dem Einstieg in alternative Energien in Deutschland entstanden, besonders der ländliche Raum profitiere von einer neuen Wertschöpfung. "Für 80 bis 90 Milliarden Euro werden Kohle, Gas, Öl und Uran importiert. Dieses Geld können wir in Deutschland halten."

Gerade diese Jobs habe die Regierung Merkel aufs Spiel gesetzt, schimpft Höhn. Deutschland habe die Solarenergie bis zur Marktfähigkeit gefördert, "jetzt machen die Chinesen das Geschäft", sagt Höhn mit Blick auf die Pleitenserie deutscher Solarunternehmen, die bereits rund 30 000 Jobs gekostet hat. Höhn macht für das grüne Energiekonzept drei Säulen aus: den weiteren Ausbau der Erneuerbaren, mehr Effizienz und faire Preise, beispielsweise mit Förderprogrammen für bessere Gebäudedämmung oder Spartarifen, bei denen der Strom erst ab einem gewissen Verbrauch teuer wird.

In der Diskussionsrunde kommt das Gespräch schnell auch auf das Fracking, das besonders den Norden des Mühlenkreises betrifft. Auch hier wartet Höhn mit einer deutlichen Position auf. Sie bezeichnet die Suche nach Schiefergas als unverantwortlich: "Die Konzerne verdienen kurzfristig Geld und hinterlassen verseuchten Boden." Noch allerdings unterliegt die Vergabe von Konzessionen dem Bergrecht und somit dem Ressort des CSU-Ministers Peter Ramsauer. "Die Bundestagswahl entscheidet auch über die Zukunft des Frackings", warnt Höhn vor einer Neuauflage von Schwarz-Gelb.

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