Update: Rund 100 Kurden demonstrieren in der Innenstadt

Nadine Schwan,Ulrike Mißbach -->

Etwa 80 Kurden sind in der Nacht zu Sonntag durch die Mindener Innenstadt gezogen. Die Polizei hat die Demo begleitet. Foto: Detlef Müller - © Detlef Müller - © Detlef Müller - © Detlef Müller - © Detlef Müller - © Detlef Müller - © Detlef Müller - © Detlef Müller - © Detlef Müller - © Detlef Müller - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach Rund 100 Kurden demonstrierten am Sonntag in der Mindener Innenstadt. MT-Foto: Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach - © Ulrike Mißbach

Minden (mt/dpa). Mit lauten Sprechgesängen forderten Sonntagnachmittag rund 100 Kurden auf dem Mindener Marktplatz „Freiheit für Afrin“. Die kleine nordsyrische Stadt wird, nach Angaben von Aktivisten, seit Samstagvormittag von türkischen Streitkräften umrundet und steht kurz vor einer Belagerung.

„Wir haben Angst um Verwandte und Freunde, die in Afrin leben“, erklärten der 20-jährige Osman Resan und der 22-jährige Abdon Rodin gegenüber dem Mindener Tageblatt. Per WhatsApp hatten die Beiden bereits Samstagabend ihre in Minden lebenden Landsleute zu einer spontanen Protestaktion aufgerufen. Immer wieder erreichten sie schreckliche Bilder aus Syrien, so Abdon Rodin. Oft wüssten sie tagelang nicht, wie es ihren Verwandten oder Freunden geht. Niemand könne mehr in Ruhe schlafen. „Wir alle sind nur wegen der Kathastrohe in unserem Land weggegangen und nicht, weil wir in Deutschland Geld bekommen“, betont der 22-Jährige. „Wir haben viele Schmerzen erlitten.“ Erdogan terrorisiere das gesamte Volk und das müsse jeder wissen.

Ihren Unmut gegen den türkischen Präsidenten brachten die Demonstranten lautstark zum Ausdruck, indem sie wiederholt riefen: „Erdogan – Terrorist“ sowie „Frauenmörder – Erdogan“ und „Kindermörder – Erdogan“. Aber auch Kritik an der deutschen Regierung blieb auf dem Mindener Marktplatz nicht aus. So hieß es mehrfach: „Deutschland finanziert – Türkei bombardiert.“

Während Samstagnacht rund 80 Kurden an der Protestaktion in Minden teilnahmen, stieg die Zahl am Sonntagnachmittag auf über 100 Personen – vom Kleinkind bis zum Senior.

Beide Demonstrationen waren im Vorfeld ordnungsgemäß angemeldet worden und wurden entsprechend von Polizeibeamten begleitet. In beiden Fällen verliefen die Aktionen friedlich. Auch in anderen Städten in Deutschland war es Samstagabend sowie am Sonntag zu Protestaktionen gegen Militäreinsätze in Syrien gekommen.

Zum aktuellen Hintergrund: Türkische Truppen sind nach Angaben von Aktivisten am Samstag bis kurz vor Afrin vorgerückt. Nur noch wenige hundert Meter trennten die nordwestsyrische Stadt von Ankaras Streitkräften, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der Nacht zum Sonntag mit. Die Truppen hätten sich der Stadt zunächst auf der nordöstlichen Seite genähert, könnten sie aber bald umrunden und völlig belagern, hieß es.

Erst am Freitag hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan gesagt, die türkischen Truppen bereiteten sich auf die Belagerung Afrins vor: „Wir beseitigen die letzten Hindernisse, die einer Belagerung des Zentrums von Afrin im Wege stehen.“

In der Stadt leben viele Flüchtlinge, die vor den Kämpfen in der gleichnamigen Region geflüchtet waren. Die türkischen Streitkräfte hatten die Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG am 20. Januar gestartet. Ankara sieht die YPG als syrischen Ableger der in der Türkei verbotenen türkischen Arbeiterpartei PKK.

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