MT-Serie: Wir machen Abi

Papa um Krawatte "angehauen"

veröffentlicht

Abitur früher und heute: Vier Ehemalige plaudern aus dem Nähkästchen / Ganz anders als 1982

Minden (frh). Es war die Zeit der Schlaghosen, der ausladenden Kragen und der überdimensionalen Brillen: 1982 haben Achim Schulte, Frank Düker und Dirk Rödenbeck ihre bestandene Reifeprüfung gefeiert. Die Abiturientin Theresa Guth berichtet dagegen vom ersten Doppeljahrgang, witzigen Mottowochen, "Tacker-Locken" und Zukunftsplänen.

Achim Schulte und Frank Düker (v.l.) schwelgen in Erinnerungen. - © Foto: Horstmann
Achim Schulte und Frank Düker (v.l.) schwelgen in Erinnerungen. (© Foto: Horstmann)
Früher Jeans, heute Ballkleid - Audioslideshow - © MINDEN
Früher Jeans, heute Ballkleid - Audioslideshow (© MINDEN)

"Bei uns ging es noch nicht so professionell zu. Wir hatten keinen Abiball, und die Kleiderordnung war locker", sagt Frank Düker, der damals den Spitznamen Jelonek trug. Er musste seinen Vater zur Zeugnisübergabe wegen der Krawatte "anhauen".

Das Besselgymnasium war bis 1973 eine reine Jungenschule. "Es herrschte akuter Mädchenmangel", sind sich die Männer einig. Das erste Mädchen am Bessel war übrigens Frauke Schling. Eine Mannschaft von 15 Leuten ist übrig geblieben, die sich mehrmals im Jahr trifft, um über alte Zeiten zu plaudern. Dann läuft Rödenbecks "Elefantengedächtnis" zur Hochform auf. Besonders der letzte Schultag blieb in lebhafter Erinnerung. "Ein geschmückter Traktor mit Anhänger transportierte einen Sarg ab. Wir haben unsere Schulzeit symbolisch zu Grabe getragen", berichtet Achim Schulte. Geschenke spielten auf die kleinen Schwächen der Lehrer an - feixend verliehen die Schüler einen Sheriff-Stern, Handschellen und eine Single-Schallplatte von Falcos Achziger-Hit "Kommissar".

Nach den Prüfungen lieh "Rödis" Papa seinem Sohn sein Auto: Zu viert starteten sie eine Tour an die Côte d`Azur, die sie wegen einer Nachprüfung in Deutsch abbrechen und nachts "zurückbrettern" mussten. Von ihrer beruflichen Zukunft hatten "Acki" und "Jello" keinen Plan - nur "Rödi" war schon mit 16 klar, dass er Arzt werden wollte (nur noch nicht, dass es die Urologie sein sollte).

Theresa Guth (19), die in diesem Jahr am Ratsgymnasium ihr Abi machte, erinnert sich an die Prüfungen: In Deutsch, ihrem Lieblingsfach, schrieb sie bis zum Klingeln. Am Tag darauf feierte sie ihren 19. Geburtstag, danach folgte die schriftliche Prüfung in Englisch.

Information
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Sieben Schüler gestalteten ein Abi-Buch mit Kursberichten, lustigen Kommentaren aus dem Unterricht und Schüler-Porträts. Typisch sind "Rankings", in denen die Schüler nach bestimmten Kriterien eingestuft werden. Wer hat die schrägste Lache, die kreativsten Ausreden oder das beste Butterbrot? Außerdem erfüllten einige Schüler Spaß-Aufgaben, die auf einer Liste vermerkt wurden (ein Schüler brachte es sogar fertig, spät nachts splitternackt über die Weserbrücke zu laufen). Theresa Guth berichtet von witzigen Mottowochen zu den Themen Mittelalter, Horror und Kinderhelden.

Einen Führerschein zum Abitur

Sie sammelte Erfahrungen mit einem doppelten Abi-Jahrgang: "So ganz zusammengewachsen sind wir nicht, aber das ist auch schwer, in einer so kurzen Zeit." Für den Abiball hat sie sich ein rotes, bodenlanges und trägerloses Kleid ausgesucht. "Beim Friseur war ich nicht extra, die angesagten festgetackerten Haarspray-Locken sind nicht so mein Fall". Theresa Guths Zukunftspläne haben mit ihrem liebsten Hobby, dem Theaterspielen, zu tun: "Ich möchte in Ottersberg Theaterpädagogik studieren", verrät sie. Zum Abitur schenkten ihr ihre Eltern den Führerschein.

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MT-Serie: Wir machen AbiPapa um Krawatte "angehauen"Abitur früher und heute: Vier Ehemalige plaudern aus dem Nähkästchen / Ganz anders als 1982Minden (frh). Es war die Zeit der Schlaghosen, der ausladenden Kragen und der überdimensionalen Brillen: 1982 haben Achim Schulte, Frank Düker und Dirk Rödenbeck ihre bestandene Reifeprüfung gefeiert. Die Abiturientin Theresa Guth berichtet dagegen vom ersten Doppeljahrgang, witzigen Mottowochen, "Tacker-Locken" und Zukunftsplänen."Bei uns ging es noch nicht so professionell zu. Wir hatten keinen Abiball, und die Kleiderordnung war locker", sagt Frank Düker, der damals den Spitznamen Jelonek trug. Er musste seinen Vater zur Zeugnisübergabe wegen der Krawatte "anhauen".Das Besselgymnasium war bis 1973 eine reine Jungenschule. "Es herrschte akuter Mädchenmangel", sind sich die Männer einig. Das erste Mädchen am Bessel war übrigens Frauke Schling. Eine Mannschaft von 15 Leuten ist übrig geblieben, die sich mehrmals im Jahr trifft, um über alte Zeiten zu plaudern. Dann läuft Rödenbecks "Elefantengedächtnis" zur Hochform auf. Besonders der letzte Schultag blieb in lebhafter Erinnerung. "Ein geschmückter Traktor mit Anhänger transportierte einen Sarg ab. Wir haben unsere Schulzeit symbolisch zu Grabe getragen", berichtet Achim Schulte. Geschenke spielten auf die kleinen Schwächen der Lehrer an - feixend verliehen die Schüler einen Sheriff-Stern, Handschellen und eine Single-Schallplatte von Falcos Achziger-Hit "Kommissar".Nach den Prüfungen lieh "Rödis" Papa seinem Sohn sein Auto: Zu viert starteten sie eine Tour an die Côte d`Azur, die sie wegen einer Nachprüfung in Deutsch abbrechen und nachts "zurückbrettern" mussten. Von ihrer beruflichen Zukunft hatten "Acki" und "Jello" keinen Plan - nur "Rödi" war schon mit 16 klar, dass er Arzt werden wollte (nur noch nicht, dass es die Urologie sein sollte).Theresa Guth (19), die in diesem Jahr am Ratsgymnasium ihr Abi machte, erinnert sich an die Prüfungen: In Deutsch, ihrem Lieblingsfach, schrieb sie bis zum Klingeln. Am Tag darauf feierte sie ihren 19. Geburtstag, danach folgte die schriftliche Prüfung in Englisch.Sieben Schüler gestalteten ein Abi-Buch mit Kursberichten, lustigen Kommentaren aus dem Unterricht und Schüler-Porträts. Typisch sind "Rankings", in denen die Schüler nach bestimmten Kriterien eingestuft werden. Wer hat die schrägste Lache, die kreativsten Ausreden oder das beste Butterbrot? Außerdem erfüllten einige Schüler Spaß-Aufgaben, die auf einer Liste vermerkt wurden (ein Schüler brachte es sogar fertig, spät nachts splitternackt über die Weserbrücke zu laufen). Theresa Guth berichtet von witzigen Mottowochen zu den Themen Mittelalter, Horror und Kinderhelden.Einen Führerschein zum AbiturSie sammelte Erfahrungen mit einem doppelten Abi-Jahrgang: "So ganz zusammengewachsen sind wir nicht, aber das ist auch schwer, in einer so kurzen Zeit." Für den Abiball hat sie sich ein rotes, bodenlanges und trägerloses Kleid ausgesucht. "Beim Friseur war ich nicht extra, die angesagten festgetackerten Haarspray-Locken sind nicht so mein Fall". Theresa Guths Zukunftspläne haben mit ihrem liebsten Hobby, dem Theaterspielen, zu tun: "Ich möchte in Ottersberg Theaterpädagogik studieren", verrät sie. Zum Abitur schenkten ihr ihre Eltern den Führerschein.