Ägypter Salah Eldin Abdallah aus Minden war bei Protesten in seiner Heimat

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"Mursis Sturz war die einzige Rettung" / In Hurghada demonstriert

"Mursis Sturz war die einzige Rettung" - © MINDEN
"Mursis Sturz war die einzige Rettung" (© MINDEN)

Minden (mt). Dicht drängen sich die Menschen auf den Straßen, sie schwenken ägyptische Fahnen, trommeln, hupen mit ihren Autos: mittendrin Salah Eldin Abdallah aus Minden. Er protestierte gegen den ehemaligen Präsidenten Mursi.

Vor etwa vier Wochen reiste der gebürtige Ägypter in sein Heimatland, machte Urlaub, besuchte seine fünf Geschwister. Vor allem aber wollte er den Menschen in Ägypten Beistand leisten.

Zu Hause hatte er von der Protestbewegung Tamarod gehört, unterschrieb eine Petition im Internet gegen den Präsidenten und erfuhr von der zentralen Kundgebung auf dem Tahrir-Platz. Von Mursi und der Muslimbruderschaft hält Abdallah wenig. Die Bruderschaft benutze die Religion um die Menschen im Land gefügig zu machen. Das sei nicht Sinn des Islams, sagt Abdallah, der Moslem ist.

Der gebürtige Ägypter Salah Eldin Abdallah lebt seit acht Jahren in Minden. - © MT-Foto: Nadine Schwan
Der gebürtige Ägypter Salah Eldin Abdallah lebt seit acht Jahren in Minden. (© MT-Foto: Nadine Schwan)

Rund 500 Kilometer entfernt von Ägyptens Hauptstadt Kairo, im Urlaubsort Hurghada, kommt er Ende Juni an. Nach zwei Tagen Entspannung am Meer zieht er los. Mit seinem Cousin fährt er nach Kairo. Dort angekommen sind schon Menschen auf den Straßen. "Das war mein größtes Erlebnis", sagt Abdallah. So eine große Demonstration hatte der 69-Jährige noch nicht erlebt.

Doch die Lage wird brenzlich und die Straßen voller, also beschließt Abdallah umzukehren und lieber zurück nach Hurghada zu reisen. "Ich hätte sonst nicht gewusst, wie ich zurück komme", sagt er.
Wieder im Urlaubsort am Roten Meer angekommen, protestiert er von dort aus weiter. Auch hier ziehen die Leute durch die Stadt, klatschten, schwenkten Fahnen – alles etwas kleiner, alles etwas friedlicher als in Kairo. Anhänger der Muslimbrüder sind nicht auf den Straßen.
Abdallah bewundert die Menschen in Ägypten. "Sie sind alle so entschlossen", sagt er. Zweifel an Mursis Sturz hatten sie offenbar nicht.

Gerne würde Abdallah noch länger bleiben, aber der Flieger zurück nach Deutschland ist bereits gebucht. Am 2. Juli geht es nach Hause. Einen Tag später wird Mursi gestürzt. Ob er diesem Moment nicht lieber in Ägypten verbracht hätte? "Nein", sagt Abdallah. "Das wichtigste waren die Demonstrationen. Alles andere nur eine Frage der Zeit."

Zurück in seinem Mindener Reihenhaus, vor ihm der Laptop, ist Abdallah optimistisch. "Mursis Sturz war die einzige Rettung." Für sein Heimatland wünscht er sich nun eine friedliche Regierung ohne Einflüsse der Muslimbruderschaft. Am liebsten sähe er Ägypten als blühendes Land, ohne Müll, mit weniger Armut und weniger Sorgen – vielleicht auch mit etwas deutscher Disziplin.

Die schätzt Abdallah mittlerweile sehr. Seit 35 Jahren lebt er in Deutschland, seit acht Jahren in Minden. Momentan möchte er dennoch am liebsten in Ägypten sein. Im September fliegt er wieder hin. Bis dahin hält er sich mit SMS von Freunden auf dem Laufenden, surft im Internet und verfolgt die Proteste von Minden aus.

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Ägypter Salah Eldin Abdallah aus Minden war bei Protesten in seiner Heimat"Mursis Sturz war die einzige Rettung" / In Hurghada demonstriertMinden (mt). Dicht drängen sich die Menschen auf den Straßen, sie schwenken ägyptische Fahnen, trommeln, hupen mit ihren Autos: mittendrin Salah Eldin Abdallah aus Minden. Er protestierte gegen den ehemaligen Präsidenten Mursi.Vor etwa vier Wochen reiste der gebürtige Ägypter in sein Heimatland, machte Urlaub, besuchte seine fünf Geschwister. Vor allem aber wollte er den Menschen in Ägypten Beistand leisten.Zu Hause hatte er von der Protestbewegung Tamarod gehört, unterschrieb eine Petition im Internet gegen den Präsidenten und erfuhr von der zentralen Kundgebung auf dem Tahrir-Platz. Von Mursi und der Muslimbruderschaft hält Abdallah wenig. Die Bruderschaft benutze die Religion um die Menschen im Land gefügig zu machen. Das sei nicht Sinn des Islams, sagt Abdallah, der Moslem ist.Rund 500 Kilometer entfernt von Ägyptens Hauptstadt Kairo, im Urlaubsort Hurghada, kommt er Ende Juni an. Nach zwei Tagen Entspannung am Meer zieht er los. Mit seinem Cousin fährt er nach Kairo. Dort angekommen sind schon Menschen auf den Straßen. "Das war mein größtes Erlebnis", sagt Abdallah. So eine große Demonstration hatte der 69-Jährige noch nicht erlebt.Doch die Lage wird brenzlich und die Straßen voller, also beschließt Abdallah umzukehren und lieber zurück nach Hurghada zu reisen. "Ich hätte sonst nicht gewusst, wie ich zurück komme", sagt er.Wieder im Urlaubsort am Roten Meer angekommen, protestiert er von dort aus weiter. Auch hier ziehen die Leute durch die Stadt, klatschten, schwenkten Fahnen – alles etwas kleiner, alles etwas friedlicher als in Kairo. Anhänger der Muslimbrüder sind nicht auf den Straßen.Abdallah bewundert die Menschen in Ägypten. "Sie sind alle so entschlossen", sagt er. Zweifel an Mursis Sturz hatten sie offenbar nicht.Gerne würde Abdallah noch länger bleiben, aber der Flieger zurück nach Deutschland ist bereits gebucht. Am 2. Juli geht es nach Hause. Einen Tag später wird Mursi gestürzt. Ob er diesem Moment nicht lieber in Ägypten verbracht hätte? "Nein", sagt Abdallah. "Das wichtigste waren die Demonstrationen. Alles andere nur eine Frage der Zeit."Zurück in seinem Mindener Reihenhaus, vor ihm der Laptop, ist Abdallah optimistisch. "Mursis Sturz war die einzige Rettung." Für sein Heimatland wünscht er sich nun eine friedliche Regierung ohne Einflüsse der Muslimbruderschaft. Am liebsten sähe er Ägypten als blühendes Land, ohne Müll, mit weniger Armut und weniger Sorgen – vielleicht auch mit etwas deutscher Disziplin.Die schätzt Abdallah mittlerweile sehr. Seit 35 Jahren lebt er in Deutschland, seit acht Jahren in Minden. Momentan möchte er dennoch am liebsten in Ägypten sein. Im September fliegt er wieder hin. Bis dahin hält er sich mit SMS von Freunden auf dem Laufenden, surft im Internet und verfolgt die Proteste von Minden aus.