Petershagen

Konfetti für die letzten Meter - 266 Sportler beim virtuellen Mühlenlauf

Marcus Riechmann und Sebastian Külbel

Ein kleiner Teil der 266 Sportler absolvierte die Originalstrecke in Friedewalde. Die meisten kamen vom Ausrichterverein. MT- - © Foto: Marcus Riechmann
Ein kleiner Teil der 266 Sportler absolvierte die Originalstrecke in Friedewalde. Die meisten kamen vom Ausrichterverein. MT- (© Foto: Marcus Riechmann)

Petershagen. Auch am Tag danach ist die Begeisterung von Claudia Heiden am Telefon zu spüren. „Wenn wir 100 Teilnehmer hätten, wäre das toll“, dachte sich die Leiterin des Lauftreffs vom TuS Freya Friedewalde vor der 10. Auflage des Mühlenlaufs. Dass es bei dem Wettkampf am Himmelfahrtstag, der diesmal nur virtuell ausgetragen wurde, insgesamt 266 waren, fand sie einfach nur „gigantisch“.

Donnerstagmorgen, kurz nach 10 Uhr. Arne Wohl steht allein mit seinen beiden Kindern auf dem frisch gemähten Sportplatz. Der Vorsitzende des TuS Freya Friedewalde macht mit dem Handy ein Video von der Laufgruppe seines Vereins, die sich mit dem gebotenen Abstand auf die Strecke macht. Nebenbei spielt er mit den Kindern Fußball – dort, wo sonst an diesem Tag Hüpfburg, Bierwagen und Bratwurstbude stehen und sich Tausende amüsieren.

Der Volkslauf und das angegliederte Sportfest sind seit Jahren der Höhepunkt des Vereinslebens, an Himmelfahrt wird Friedewalde zum Treffpunkt für Familien, die den „Vatertag“ auch ein wenig sportlich feiern wollen. Für den TuS Freya ist das nicht nur finanziell ein großer Verlust, im 100. Jubiläumsjahr umso mehr. „Das wäre eine grandiose Festwoche geworden. Es ist aber cool, dass der Lauf trotzdem auf diese Art stattfindet“, sagt Wohl.

Das liegt vor allem an Claudia Heiden, die sich mit einer Absage des Volkslaufes nicht zufrieden geben wollte. „Ich hatte die Idee zwei Wochen vorher“, erzählt sie. Erfahrungen mit virtuellen Läufen hatte sie schon beim Hannover-Marathon und beim Paderborner Osterlauf gemacht. Mit Hilfe des Projekts „Lauf weiter“ war der Plan schnell umgesetzt: Die Teilnehmer müssen ihre Zeit mit einer Uhr oder per App selbst stoppen und gemeinsam mit einem Screenshot der gelaufenen Strecke hochladen. „Bis 18 Uhr konnten die Teilnehmer alles schicken, um 18.30 Uhr standen die Ergebnislisten online“, berichtet Claudia Heiden.

Gemeinsam mit ihrem Lauftreff machte sie um 10 Uhr den Anfang, insgesamt waren 28 Mitglieder vom Ausrichterverein auf der Strecke. „Diese Gelegenheit haben wir ja sonst nicht, weil wir mit Organisation und Streckensicherung beschäftigt sind“, erklärt Heiden. Und auch wenn sie am Nachmittag immer wieder vereinzelt Läufer auf der Strecke beobachtet, ist der gewohnte Ansturm weit entfernt. Weit mehr als 900 Sportler waren vor zwölf Monaten beim Mühlenlauf am Start, 2020 hätte ein Rekordjahr werden können.

Dennoch werten die Organisatoren die virtuelle Auflage als vollen Erfolg: „So bleibt der Termin für die Leute verankert und gibt ihnen einen Sinn, weiter zu trainieren“, sagt Claudia Heiden. Denn nicht nur sie findet: „Mit einer Startnummer am Bauch läuft man einfach anders als im Training.“

Eine Startnummer gab es in diesem Jahr beim Mühlenlauf zwar nicht, aber dennoch hat der Wettkampf die Teilnehmer angespornt. Zum Beispiel Emanuel Meier vom SV 1860 Minden, der die fünf Kilometer in 17:43 Minuten abspulte und damit deutlich vorne lag. Noch mehr ragte Norman Korff vom LSV Ladenburg heraus, der über zehn Kilometer in 35:33 Minuten mehr als viereinhalb Minuten vor der Konkurrenz lag. „Die Männer-Zeiten waren ganz schön fix“, sagt Claudia Heiden. Auch Stephanie Heuer als schnellste Frau über fünf Kilometer beeindruckte in 19:57 Minuten. „Wahnsinn“, findet Heiden.

Nicht nur der Zehn-Kilometer-Sieger aus der Nähe von Mannheim zeigt, dass der virtuelle Wettbewerb Teilnehmer aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland anzieht. Am wichtigsten ist der 10. Mühlenlauf aber für den Ausrichter. „Es ist sehr schön, dass wir das zusammen machen“, findet Lauftreff-Mitglied Heike Heidsiek. Erst vor zwei Wochen hat Claudia Heiden mit ihrer Gruppe das Training wieder aufgenommen. Die Freude über die zurückerlangte Gemeinsamkeit ist groß: Als zwei ihrer Läufer von der Straße auf den Sportplatz einbiegen, schießt sie mit Konfetti.

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PetershagenKonfetti für die letzten Meter - 266 Sportler beim virtuellen MühlenlaufMarcus Riechmann,Sebastian KülbelPetershagen. Auch am Tag danach ist die Begeisterung von Claudia Heiden am Telefon zu spüren. „Wenn wir 100 Teilnehmer hätten, wäre das toll“, dachte sich die Leiterin des Lauftreffs vom TuS Freya Friedewalde vor der 10. Auflage des Mühlenlaufs. Dass es bei dem Wettkampf am Himmelfahrtstag, der diesmal nur virtuell ausgetragen wurde, insgesamt 266 waren, fand sie einfach nur „gigantisch“. Donnerstagmorgen, kurz nach 10 Uhr. Arne Wohl steht allein mit seinen beiden Kindern auf dem frisch gemähten Sportplatz. Der Vorsitzende des TuS Freya Friedewalde macht mit dem Handy ein Video von der Laufgruppe seines Vereins, die sich mit dem gebotenen Abstand auf die Strecke macht. Nebenbei spielt er mit den Kindern Fußball – dort, wo sonst an diesem Tag Hüpfburg, Bierwagen und Bratwurstbude stehen und sich Tausende amüsieren. Der Volkslauf und das angegliederte Sportfest sind seit Jahren der Höhepunkt des Vereinslebens, an Himmelfahrt wird Friedewalde zum Treffpunkt für Familien, die den „Vatertag“ auch ein wenig sportlich feiern wollen. Für den TuS Freya ist das nicht nur finanziell ein großer Verlust, im 100. Jubiläumsjahr umso mehr. „Das wäre eine grandiose Festwoche geworden. Es ist aber cool, dass der Lauf trotzdem auf diese Art stattfindet“, sagt Wohl. Das liegt vor allem an Claudia Heiden, die sich mit einer Absage des Volkslaufes nicht zufrieden geben wollte. „Ich hatte die Idee zwei Wochen vorher“, erzählt sie. Erfahrungen mit virtuellen Läufen hatte sie schon beim Hannover-Marathon und beim Paderborner Osterlauf gemacht. Mit Hilfe des Projekts „Lauf weiter“ war der Plan schnell umgesetzt: Die Teilnehmer müssen ihre Zeit mit einer Uhr oder per App selbst stoppen und gemeinsam mit einem Screenshot der gelaufenen Strecke hochladen. „Bis 18 Uhr konnten die Teilnehmer alles schicken, um 18.30 Uhr standen die Ergebnislisten online“, berichtet Claudia Heiden. Gemeinsam mit ihrem Lauftreff machte sie um 10 Uhr den Anfang, insgesamt waren 28 Mitglieder vom Ausrichterverein auf der Strecke. „Diese Gelegenheit haben wir ja sonst nicht, weil wir mit Organisation und Streckensicherung beschäftigt sind“, erklärt Heiden. Und auch wenn sie am Nachmittag immer wieder vereinzelt Läufer auf der Strecke beobachtet, ist der gewohnte Ansturm weit entfernt. Weit mehr als 900 Sportler waren vor zwölf Monaten beim Mühlenlauf am Start, 2020 hätte ein Rekordjahr werden können. Dennoch werten die Organisatoren die virtuelle Auflage als vollen Erfolg: „So bleibt der Termin für die Leute verankert und gibt ihnen einen Sinn, weiter zu trainieren“, sagt Claudia Heiden. Denn nicht nur sie findet: „Mit einer Startnummer am Bauch läuft man einfach anders als im Training.“ Eine Startnummer gab es in diesem Jahr beim Mühlenlauf zwar nicht, aber dennoch hat der Wettkampf die Teilnehmer angespornt. Zum Beispiel Emanuel Meier vom SV 1860 Minden, der die fünf Kilometer in 17:43 Minuten abspulte und damit deutlich vorne lag. Noch mehr ragte Norman Korff vom LSV Ladenburg heraus, der über zehn Kilometer in 35:33 Minuten mehr als viereinhalb Minuten vor der Konkurrenz lag. „Die Männer-Zeiten waren ganz schön fix“, sagt Claudia Heiden. Auch Stephanie Heuer als schnellste Frau über fünf Kilometer beeindruckte in 19:57 Minuten. „Wahnsinn“, findet Heiden. Nicht nur der Zehn-Kilometer-Sieger aus der Nähe von Mannheim zeigt, dass der virtuelle Wettbewerb Teilnehmer aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland anzieht. Am wichtigsten ist der 10. Mühlenlauf aber für den Ausrichter. „Es ist sehr schön, dass wir das zusammen machen“, findet Lauftreff-Mitglied Heike Heidsiek. Erst vor zwei Wochen hat Claudia Heiden mit ihrer Gruppe das Training wieder aufgenommen. Die Freude über die zurückerlangte Gemeinsamkeit ist groß: Als zwei ihrer Läufer von der Straße auf den Sportplatz einbiegen, schießt sie mit Konfetti.