Minden/Porta Westfalica

MT-Serie, Schiedsrichter: Dieser Wasserballer ist Regelhüter und Schlitzohr zugleich

Thomas Kühlmann

Blaues Shirt, weiße Hose, Pfeife im Mund, klare Handzeichen: Christian Rusche zeigt an, dass der Spieler mit der Nummer 4 einer Mannschaft nach einem Regelverstoß das Becken verlassen muss. MT- - © Foto: Thomas Kühlmann
Blaues Shirt, weiße Hose, Pfeife im Mund, klare Handzeichen: Christian Rusche zeigt an, dass der Spieler mit der Nummer 4 einer Mannschaft nach einem Regelverstoß das Becken verlassen muss. MT- (© Foto: Thomas Kühlmann)

Minden/Porta Westfalica. Muskelbepackte Arme, kräftiger Oberkörper, entschlossener Blick: Auf den ersten Schlag könnte man Christian Rusche in der Gewichtheber- oder Bodybuilderszene verorten. Doch weit gefehlt. Der Mindener ist Wasserballer durch und durch, im Becken und auch außerhalb, denn neben seiner aktiven Karriere ist der 49-Jährige bereits seit 32 Jahren als Schiedsrichter in seiner Leib- und Magensportart aktiv.

Momentan ist der Modell-Athlet allerdings aufgrund der Corona-Beschränkungen wie so viele Sportler noch zum Trainieren auf dem Trockenen verurteilt. Daher kann er den 30. Mai, den Tag, an dem auch die Hallenbäder wieder öffnen und die Sportarten mit unvermeidlichem Körperkontakt seitens der Landesregierung wieder flächendeckend erlaubt sind – sofern es die Infektionszahlen erlauben – kaum erwarten.

Auch als aktiver Wasserball gibt Christian Rusche immer noch eine gute Figur ab. Einige Jahre möchte er dem Ball noch nachjagen. MT- - © Foto: Thomas Kühlmann
Auch als aktiver Wasserball gibt Christian Rusche immer noch eine gute Figur ab. Einige Jahre möchte er dem Ball noch nachjagen. MT- (© Foto: Thomas Kühlmann)

Und Wasserball ist alles andere als eine körperlose Sportart. Auch wenn man die meisten Kontakte gar nicht sieht. „80 Prozent der Zweikämpfe spielen sich unterhalb der Wasseroberfläche ab. Da geht es manchmal ganz schön zur Sache und macht es für die Schiedsrichter richtig schwer, denn das Hauptaugenmerk ist natürlich auf den Ball und den Kampf um ihn über Wasser gerichtet“, sagt Rusche. „Doch wenn man selbst so lange aktiv war und noch ist wie ich, da kennt man seine Pappenheimer und weiß, was unter Wasser abgeht. Daher hat man allemal Vorteile, wenn man vor dem Schiedsrichter-Job schon einmal selbst als Spieler aktiv gewesen ist“, freut sich der gebürtige Magdeburger über seinen Wissensfundus, schließlich war und ist er selbst mit allen Wassern gewaschen immer ein Schlitzohr gewesen. „Weil man beim Wasserball oberhalb und unter der Wasseroberfläche genau hinsehen muss, wird ein Spiel mit zwei Schiedsrichtern gepfiffen“, schildert Rusche, der den deutschen Weltstar Hagen Stamm und die spanische Ikone Manuel Estiarte als Vorbilder nennt.

„Das Spielfeld ist in drei Zonen eingeteilt. Vor jedem Tor gibt es die Zwei-Meter-Linie, in der sich ein Angriffsspieler nicht ohne Ball aufhalten darf, sonst steht er im Abseits. Hat er den Ball bereits in der Hand, darf er diese Linie passieren und zur Not mit dem Ball ins Tor spazieren. Zudem gibt es die Fünf-Meter-Linie, die, analog zum Handball beim Siebenmeter, für die Ausführung der Strafwürfe vorgesehen ist. Dann gibt es noch die Sechs-Meter-Linie für die Ausführung von Freiwürfen“, gibt der Mindener nur einige Regeln zum Besten und ergänzt, dass wie im Eishockey bei jeder Spielunterbrechung die Uhr angehalten wird..

Seit 1983 ist Rusche bereits dem Wasserball verbunden. Und trotz der anerkannten Härte des Sports ist er bislang von schweren Verletzungen verschont geblieben. „Ein Cut über dem Auge bei einem Spiel in Bochum und ein Mittelhandbruch waren das Schlimmste, was ich davongetragen habe. Da hat es im Fußball schon ganz anders ausgesehen.“

Wohl war. Bevor Rusche zum Wasserball kam, spielte er Fußball. „Kreuz- und Innenbandrisse, Patellasehnenriss und noch einiges andere. Ich glaube, ich habe fast nichts ausgelassen. Deshalb kam der Wechsel zum Wasserball nach einer erneuten Knieverletzung einer Erlösung gleich“, erinnert sich Rusche, der aktuell für seinen Sport auch als Trainer der U18-Jugend des SC 80 Porta in der OWL-Liga verantwortlich zeichnet. Mit dem verlustpunktfreien Titelgewinn in der Liga in der vergangenen Saison feierte Rusche einen seiner größten Erfolge im Wasserball. „Das haben die Jugendlichen toll gemacht und für ein Highlight in der Geschichte des SC 80 gesorgt“, sagt Rusche..

Seine größten Erfolge als Spieler verbuchte Rusche, der 1989 zum Kader der Junioren-Nationalmannschaft zählte, mit dem Durchmarsch mit dem SC Steinhagen von der OWL-Liga bis in die Oberliga sowie mit Platz drei bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften im vergangenen Jahr in der Altersklasse Ü45. Weil er sich noch voll im Saft fühlt, hat er sich noch einiges vorgenommen. Bislang für Aufbaubehörde Magdeburg, Bielefelder SV, SC Steinhagen, SV Brackwede und SC 80 Porta aktiv gewesen und zur Zeit in Diensten des SV Bad Oeynhausen, weiß Rusche noch nicht, wo er seine Karriere fortsetzen wird. Er hat gleich mehrere Alternativen parat. „Vielleicht greife ich noch einmal mit dem SC Aquarius Löhne an, da ich nicht weiß, wie es in Bad Oeynhausen weitergehen soll. Eine reizvolle Aufgabe wäre natürlich auch, noch einmal eine Seniorenmannschaft beim SC 80 Porta auf die Beine zu stellen, schließlich haben die Jugendlichen des Meisterjahrgangs derart viel Potenzial, dass das kein aussichtsloses Unterfangen wäre“, freut sich der Mindener über die Entwicklung der Sportler unter seiner Leitung.

Begeistert ist er, dass in Jan-Frederick Machholz bereits ein weiterer Aktiver des SC 80 Porta die Laufbahn des Schiedsrichters eingeschlagen hat. „Nachwuchs ist immer gut. Und der Sport entwickelt sich rasend schnell weiter. Jedes Jahr werden die Regeln modifiziert, um den Sport populärer zu machen. Das bedeutet natürlich für die Schiedsrichter eine jährliche Fortbildung, um auf Ballhöhe zu bleiben.“

Das will Rusche, der im Becken den Center in Angriff und Abwehr mimt, auf jeden Fall. Bis dahin zählt der IT-Projektmanager schon die Tage bis zum 30. Mai, wenn es hoffentlich heißt: „Endlich wieder ins Wasser.“

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Und Wasserball ist alles andere als eine körperlose Sportart. Auch wenn man die meisten Kontakte gar nicht sieht. „80 Prozent der Zweikämpfe spielen sich unterhalb der Wasseroberfläche ab. Da geht es manchmal ganz schön zur Sache und macht es für die Schiedsrichter richtig schwer, denn das Hauptaugenmerk ist natürlich auf den Ball und den Kampf um ihn über Wasser gerichtet“, sagt Rusche. „Doch wenn man selbst so lange aktiv war und noch ist wie ich, da kennt man seine Pappenheimer und weiß, was unter Wasser abgeht. Daher hat man allemal Vorteile, wenn man vor dem Schiedsrichter-Job schon einmal selbst als Spieler aktiv gewesen ist“, freut sich der gebürtige Magdeburger über seinen Wissensfundus, schließlich war und ist er selbst mit allen Wassern gewaschen immer ein Schlitzohr gewesen. „Weil man beim Wasserball oberhalb und unter der Wasseroberfläche genau hinsehen muss, wird ein Spiel mit zwei Schiedsrichtern gepfiffen“, schildert Rusche, der den deutschen Weltstar Hagen Stamm und die spanische Ikone Manuel Estiarte als Vorbilder nennt. „Das Spielfeld ist in drei Zonen eingeteilt. Vor jedem Tor gibt es die Zwei-Meter-Linie, in der sich ein Angriffsspieler nicht ohne Ball aufhalten darf, sonst steht er im Abseits. Hat er den Ball bereits in der Hand, darf er diese Linie passieren und zur Not mit dem Ball ins Tor spazieren. Zudem gibt es die Fünf-Meter-Linie, die, analog zum Handball beim Siebenmeter, für die Ausführung der Strafwürfe vorgesehen ist. Dann gibt es noch die Sechs-Meter-Linie für die Ausführung von Freiwürfen“, gibt der Mindener nur einige Regeln zum Besten und ergänzt, dass wie im Eishockey bei jeder Spielunterbrechung die Uhr angehalten wird.. Seit 1983 ist Rusche bereits dem Wasserball verbunden. Und trotz der anerkannten Härte des Sports ist er bislang von schweren Verletzungen verschont geblieben. „Ein Cut über dem Auge bei einem Spiel in Bochum und ein Mittelhandbruch waren das Schlimmste, was ich davongetragen habe. Da hat es im Fußball schon ganz anders ausgesehen.“ Wohl war. Bevor Rusche zum Wasserball kam, spielte er Fußball. „Kreuz- und Innenbandrisse, Patellasehnenriss und noch einiges andere. Ich glaube, ich habe fast nichts ausgelassen. Deshalb kam der Wechsel zum Wasserball nach einer erneuten Knieverletzung einer Erlösung gleich“, erinnert sich Rusche, der aktuell für seinen Sport auch als Trainer der U18-Jugend des SC 80 Porta in der OWL-Liga verantwortlich zeichnet. Mit dem verlustpunktfreien Titelgewinn in der Liga in der vergangenen Saison feierte Rusche einen seiner größten Erfolge im Wasserball. „Das haben die Jugendlichen toll gemacht und für ein Highlight in der Geschichte des SC 80 gesorgt“, sagt Rusche.. Seine größten Erfolge als Spieler verbuchte Rusche, der 1989 zum Kader der Junioren-Nationalmannschaft zählte, mit dem Durchmarsch mit dem SC Steinhagen von der OWL-Liga bis in die Oberliga sowie mit Platz drei bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften im vergangenen Jahr in der Altersklasse Ü45. Weil er sich noch voll im Saft fühlt, hat er sich noch einiges vorgenommen. Bislang für Aufbaubehörde Magdeburg, Bielefelder SV, SC Steinhagen, SV Brackwede und SC 80 Porta aktiv gewesen und zur Zeit in Diensten des SV Bad Oeynhausen, weiß Rusche noch nicht, wo er seine Karriere fortsetzen wird. Er hat gleich mehrere Alternativen parat. „Vielleicht greife ich noch einmal mit dem SC Aquarius Löhne an, da ich nicht weiß, wie es in Bad Oeynhausen weitergehen soll. Eine reizvolle Aufgabe wäre natürlich auch, noch einmal eine Seniorenmannschaft beim SC 80 Porta auf die Beine zu stellen, schließlich haben die Jugendlichen des Meisterjahrgangs derart viel Potenzial, dass das kein aussichtsloses Unterfangen wäre“, freut sich der Mindener über die Entwicklung der Sportler unter seiner Leitung. Begeistert ist er, dass in Jan-Frederick Machholz bereits ein weiterer Aktiver des SC 80 Porta die Laufbahn des Schiedsrichters eingeschlagen hat. „Nachwuchs ist immer gut. Und der Sport entwickelt sich rasend schnell weiter. Jedes Jahr werden die Regeln modifiziert, um den Sport populärer zu machen. Das bedeutet natürlich für die Schiedsrichter eine jährliche Fortbildung, um auf Ballhöhe zu bleiben.“ Das will Rusche, der im Becken den Center in Angriff und Abwehr mimt, auf jeden Fall. Bis dahin zählt der IT-Projektmanager schon die Tage bis zum 30. Mai, wenn es hoffentlich heißt: „Endlich wieder ins Wasser.“