Minden

MT-Serie: "Training in der Krise: Die Tischtennis-Asse im Mühlenkreis üben sogar nachts

Michael Lorenz

Johannes Damm hat die Garage zu einem Tischtennis-Trainingszentrum mit Ball-Roboter umfunktioniert. - © Foto: Michael Lorenz
Johannes Damm hat die Garage zu einem Tischtennis-Trainingszentrum mit Ball-Roboter umfunktioniert. (© Foto: Michael Lorenz)

Minden. In der Nacht werden Lennart Weick und sein Trainer Harald Wiese mitunter zu Tischtennis-Schlafwandlern. Morgens um 3 Uhr steht der eine in Eilhausen bei Lübbecke, der andere in Hahlen auf und balanciert eine Kerze auf einem Tischtennis-Schläger durchs Haus. Frei nach dem Motto: In der Corona-Zeit können wir auch im Schlaf an nichts anderes als an Tischtennis denken.

Zu sehen ist das gespenstische Treiben in einem Video-Clip auf der Facebook-Seite des Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke. Als einer der ersten Sportverbände hat der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) die Saison 2019/2020 in der vergangenen Woche für beendet erklärt.

Harald Wiese ist Vorsitzender des Tischtennis-Kreises und Leitender Nachwuchskoordinator beim TSV Hahlen und trägt in dem Video eine rot-weiß geringelte Schlafmütze auf dem Kopf. Er sagt: „Es ist erfreulich und erstaunlich, wie kreativ und gelassen unser Tischtennis-Nachwuchs mit den derzeit stark eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten umgeht. Wir beim TSV Hahlen haben drei Garagen zu Tischtennis-Centern umgebaut und mit Tischtennis-Robotern bestückt – eine in Eilhausen und zwei in Minden. In denen können die Kids zu zweit oder auch allein spielen.“

Aenna Heider übt auf der Koordinationsleiter. - © Foto: Michael Lorenz
Aenna Heider übt auf der Koordinationsleiter. (© Foto: Michael Lorenz)

Ein solcher Roboter spuckt Bälle mit der gewählten Geschwindigkeit, Richtung und Taktung sowie dem ausgesuchten Effet aus, die der gegenüberstehende Spieler dann mit dem Schläger verarbeitet. Einer davon steht an der Rodenbecker Straße bei Familie Damm. Johannes Damm spielt in der Garage jeden Tag, stellt an der „Ballkanone“ ständig andere Frequenzen ein und sich selbst damit ständig neue Aufgaben. Der Zehnjährige gewann übrigens die Jungen-13-Rangliste ohne Satzverlust und spielte in der Jungen-18-Kreisliga eine blitzsaubere „Zu-Null-Bilanz“.

In Eilhausen sind Lennart Weick sowie der ebenfalls für den TSV Hahlen spielende und in Bad Oeynhausen wohnende Johannes Beier auch anderweitig aktiv. Sie haben Gymnastik-Matten ausgelegt, auf denen sie mit oder ohne Schläger und Ball Balance-Übungen absolvieren, die ihrem Bewegungsablauf im Tischtennis zugute kommen. Im dortigen Trainingszentrum kommt auch regelmäßig ein kleines Trampolin zum Einsatz. Auch Schnellkraft- und Schnelligkeits-Übungen haben die beiden in ihrem Trainings-Repertoire.

Auf den Facebook-Videos ist auch Steffen Mantsch, ein weiterer Hahler Trainer und ehemaliger Leichtathlet, zu sehen, wie bei er Balance-Übungen die derzeit so begehrten Toilettenpapier-Rollen zur Unterstützung einsetzt. Beliebt und ohne viel Aufwand umzusetzen sind derzeit auch Aufschlag-Zielübungen. Hierzu werden Papp-Boxen auf die Ecken der Tische gelegt. Der auf der anderen Seite stehende Spieler versucht jeweils, angeschnitten Aufschläge in der Box zu platzieren. Um genaues Zielen mit Schläger und Ball zu üben, bedarf es nicht einmal einer richtigen Tischtennis-Platte, wie Wiese auf seine Videos vorführt: Dort hat er mehrere Schalen und Töpfe auf seinem Küchentisch verteilt, die er mit den Tischtennis-Bällen zu treffen versucht.

Ganz wichtig bei den Trainingseinheiten ist die Balance. Harald Wiese erklärt: „Die richtige Körperbalance ist in unserem Sport wie auch im Tennis von immenser Bedeutung. Wenn man nicht richtig zum Ball steht oder den Ball nicht genau trifft, geht der Schlag in der Regel ziemlich daneben. Daher sind Balance und auch Stabilität so wichtig. Balance-Übungen mit oder ohne Schläger und Ball kann jeder auch zuhause ausüben.“

Die Mindener Geschwister Aenna und Tim Heider, die ebenfalls für den TSV Hahlen auflaufen, nehmen dafür gerne die sogenannte Koordinations-Leiter mit nach Hause. Eine solche Leiter lässt sich zusammenrollen und passt in nahezu jede Sporttasche. Auch dieses Gerät erlaubt effiziente Übungen mit und ohne Schläger und Ball.

Der freundliche Frühling spielt den Hallensportlern dabei in die Karten, wie der Lennart Weick bekennt: „Da das Wetter jetzt so schön ist, haben wir die Gymnastik-Matten und das Trampolin nach draußen gebracht. Da machen die Balance- und Stabilisierungsübungen noch mehr Spaß.“

Nicht nur das macht Harald Wiese in der Corona-Krise gelassen: „Natürlich nervt es, dass wir unseren Sport derzeit nicht vernünftig ausüben können. Aber das geht den meisten anderen Sportarten auch so. Die Dinge, die wir im Tischtennis derzeit machen, sind immer noch besser, als gar nichts zu tun. Zwar ist es Kaffeesatz-Leserei, zu sagen, wann es wieder los geht. Aber diejenigen, die jetzt am meisten und effektivsten etwas tun, sind die, die dann am besten dastehen.“

MT-Serie: Training in der Krise

Der Sport steht still, Athleten und Trainer hängen in der Luft: Wann geht es endlich wieder los? Wann werden die Sportstätten geöffnet? Wann gehen Wettbewerbe und Meisterschaften weiter? Mit der MT-Serie „Training in der Krise“ gibt die Sportredaktion einen Überblick, wie sich die heimischen Sportler in Zeiten des Coronavirus fit halten.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenMT-Serie: "Training in der Krise: Die Tischtennis-Asse im Mühlenkreis üben sogar nachtsMichael LorenzMinden. In der Nacht werden Lennart Weick und sein Trainer Harald Wiese mitunter zu Tischtennis-Schlafwandlern. Morgens um 3 Uhr steht der eine in Eilhausen bei Lübbecke, der andere in Hahlen auf und balanciert eine Kerze auf einem Tischtennis-Schläger durchs Haus. Frei nach dem Motto: In der Corona-Zeit können wir auch im Schlaf an nichts anderes als an Tischtennis denken. Zu sehen ist das gespenstische Treiben in einem Video-Clip auf der Facebook-Seite des Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke. Als einer der ersten Sportverbände hat der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) die Saison 2019/2020 in der vergangenen Woche für beendet erklärt. Harald Wiese ist Vorsitzender des Tischtennis-Kreises und Leitender Nachwuchskoordinator beim TSV Hahlen und trägt in dem Video eine rot-weiß geringelte Schlafmütze auf dem Kopf. Er sagt: „Es ist erfreulich und erstaunlich, wie kreativ und gelassen unser Tischtennis-Nachwuchs mit den derzeit stark eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten umgeht. Wir beim TSV Hahlen haben drei Garagen zu Tischtennis-Centern umgebaut und mit Tischtennis-Robotern bestückt – eine in Eilhausen und zwei in Minden. In denen können die Kids zu zweit oder auch allein spielen.“ Ein solcher Roboter spuckt Bälle mit der gewählten Geschwindigkeit, Richtung und Taktung sowie dem ausgesuchten Effet aus, die der gegenüberstehende Spieler dann mit dem Schläger verarbeitet. Einer davon steht an der Rodenbecker Straße bei Familie Damm. Johannes Damm spielt in der Garage jeden Tag, stellt an der „Ballkanone“ ständig andere Frequenzen ein und sich selbst damit ständig neue Aufgaben. Der Zehnjährige gewann übrigens die Jungen-13-Rangliste ohne Satzverlust und spielte in der Jungen-18-Kreisliga eine blitzsaubere „Zu-Null-Bilanz“. In Eilhausen sind Lennart Weick sowie der ebenfalls für den TSV Hahlen spielende und in Bad Oeynhausen wohnende Johannes Beier auch anderweitig aktiv. Sie haben Gymnastik-Matten ausgelegt, auf denen sie mit oder ohne Schläger und Ball Balance-Übungen absolvieren, die ihrem Bewegungsablauf im Tischtennis zugute kommen. Im dortigen Trainingszentrum kommt auch regelmäßig ein kleines Trampolin zum Einsatz. Auch Schnellkraft- und Schnelligkeits-Übungen haben die beiden in ihrem Trainings-Repertoire. Auf den Facebook-Videos ist auch Steffen Mantsch, ein weiterer Hahler Trainer und ehemaliger Leichtathlet, zu sehen, wie bei er Balance-Übungen die derzeit so begehrten Toilettenpapier-Rollen zur Unterstützung einsetzt. Beliebt und ohne viel Aufwand umzusetzen sind derzeit auch Aufschlag-Zielübungen. Hierzu werden Papp-Boxen auf die Ecken der Tische gelegt. Der auf der anderen Seite stehende Spieler versucht jeweils, angeschnitten Aufschläge in der Box zu platzieren. Um genaues Zielen mit Schläger und Ball zu üben, bedarf es nicht einmal einer richtigen Tischtennis-Platte, wie Wiese auf seine Videos vorführt: Dort hat er mehrere Schalen und Töpfe auf seinem Küchentisch verteilt, die er mit den Tischtennis-Bällen zu treffen versucht. Ganz wichtig bei den Trainingseinheiten ist die Balance. Harald Wiese erklärt: „Die richtige Körperbalance ist in unserem Sport wie auch im Tennis von immenser Bedeutung. Wenn man nicht richtig zum Ball steht oder den Ball nicht genau trifft, geht der Schlag in der Regel ziemlich daneben. Daher sind Balance und auch Stabilität so wichtig. Balance-Übungen mit oder ohne Schläger und Ball kann jeder auch zuhause ausüben.“ Die Mindener Geschwister Aenna und Tim Heider, die ebenfalls für den TSV Hahlen auflaufen, nehmen dafür gerne die sogenannte Koordinations-Leiter mit nach Hause. Eine solche Leiter lässt sich zusammenrollen und passt in nahezu jede Sporttasche. Auch dieses Gerät erlaubt effiziente Übungen mit und ohne Schläger und Ball. Der freundliche Frühling spielt den Hallensportlern dabei in die Karten, wie der Lennart Weick bekennt: „Da das Wetter jetzt so schön ist, haben wir die Gymnastik-Matten und das Trampolin nach draußen gebracht. Da machen die Balance- und Stabilisierungsübungen noch mehr Spaß.“ Nicht nur das macht Harald Wiese in der Corona-Krise gelassen: „Natürlich nervt es, dass wir unseren Sport derzeit nicht vernünftig ausüben können. Aber das geht den meisten anderen Sportarten auch so. Die Dinge, die wir im Tischtennis derzeit machen, sind immer noch besser, als gar nichts zu tun. Zwar ist es Kaffeesatz-Leserei, zu sagen, wann es wieder los geht. Aber diejenigen, die jetzt am meisten und effektivsten etwas tun, sind die, die dann am besten dastehen.“ MT-Serie: Training in der Krise Der Sport steht still, Athleten und Trainer hängen in der Luft: Wann geht es endlich wieder los? Wann werden die Sportstätten geöffnet? Wann gehen Wettbewerbe und Meisterschaften weiter? Mit der MT-Serie „Training in der Krise“ gibt die Sportredaktion einen Überblick, wie sich die heimischen Sportler in Zeiten des Coronavirus fit halten.