Minden

Tischtennis-Saison endet abrupt: Petershagen/Friedewalde II der große Verlierer

Michael Lorenz

TSV Hahlen III, hier die Nummer eins Luca Witthaus, hat nach dem abrupten Saisonschluss gute Chancen auf den Klassenerhalt. - © Foto: Michael Lorenz
TSV Hahlen III, hier die Nummer eins Luca Witthaus, hat nach dem abrupten Saisonschluss gute Chancen auf den Klassenerhalt. (© Foto: Michael Lorenz)

Minden. Die Tischtennis-Saison ist aufgrund der Corona-Krise beendet. Das teilte der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) am Nachmittag des 1. April mit. Die Nachricht kommt nicht ganz überraschend, aber zu einem unerwartet frühen Zeitpunkt. Umstritten ist die gewählte Lösung, wie die zu etwa 80 Prozent gespielte Saison zu werten ist. Da hat der DTTB folgende Lösung gefunden: Die Tabelle vom 13. März ist bindend.

Der 13. März war ein Freitag, an dem nach der Komplett-Aussetzung der Sportart aufgrund der Corona-Krise jede Menge Spiele hätten stattfinden müssen, die dann aber ausfielen.

Für den TTC Petershagen/Friedewalde steht der Klassenerhalt in der Verbandsliga damit fest. Der TSV Hahlen beendet die Saison in der Bezirksliga auf dem dritten Rang. Auf den möglichen Landesliga-Aufstieg, der den Hahlern angeboten wurde, verzichteten sie.

Eine heftige Auswirkung hat der Saisonabbruch in der Bezirksklasse für die zweite Mannschaft des TTC Petershagen/Friedewalde. Konkurrent TTC Mennighüffen II hatte am Montag, 9. März, noch ein Spiel bei TTC Rödinghausen II und gewann 9:5. TTCPF II hätte am Freitag, 13. März ein Heimspiel gegen Schlusslicht TTC Enger III gehabt und wohl gewonnen. Nun hat Mennighüffen II bei einem Spiel mehr 31:7 Punkte und ist Meister. TTCPF II hingegen ist mit 30:6 Punkten Zweiter.

„Ehrlich gesagt ist diese Wertung eine ziemliche Schweinerei", ärgerte sich TTCPF-Sportwart Gerd Mehrhoff, „wenn, dann hätte man die gesamte Woche vom 9. bis 15. März aus der Wertung nehmen müssen. Naja, Pech gehabt, die Hauptsache ist, dass unsere Erste in der Verbandsliga geblieben ist."

Die TTG Windheim-Neuenknick hat zum dritten Mal in Folge mit einem Kraftakt in der Rückrunde den Klassenerhalt geschafft, das steht nun fest. Somit gibt es keinen Absteiger aus dem Kreis Minden-Lübbecke in die Kreisliga.

Dort steht der TTV Lübbecke bereits seit dem letzten ausgetragenen Spiel als Meister fest. Zweitplatzierter ist und bleibt nun der SC Blasheim. Ob dieser den eventuell möglichen Aufstieg in die Bezirksklasse wahrnimmt, ist offen. Falls der BSC nicht aufsteigen möchte und ein Platz frei würde, könnte TSV Hahlen II nachrücken.

In der Tabellenkeller sind im Internet-Portal Click-TT vier Teams mit einem Abstiegshäkchen versehen, und zwar in dieser Reihenfolge: TSV Hahlen III, SC Hollwede, TG Werste und SuS Veltheim. Da kein heimischer Absteiger in die Kreisliga kommt, hat zumindest die Hahler Dritte um Topspieler Luca Witthaus gute Chancen auf den Klassenerhalt. Veltheim ist zwar Letzter, doch die SuS-Zweite belegt in der 1. Kreisklasse den ersten Platz, das Spitzenspiel gegen TTG Windheim-Neuenknick findet nicht mehr statt. Damit könnten die Veltheimer den Abstieg der Ersten auffangen.

Die Weisung des DTTB gilt für alle Verbände und Ligen. In den bisweilen kniffligen Relegationsfragen hat der Bundesverband den Ländern allerdings Spielräume zugebilligt. Die Entscheidungen darüber, wie diese individuellen Fälle zu handhaben sind, wollen die Verbände, im heimischen Fall ist das der Westdeutsche Tischtennisverband (WTTV), zeitnah bekanntgeben.

Harald Wiese, der Vorsitzende den Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke, sagte zum Themenkomplex Corona: „Es wird viele Teams im Graubereich geben, wo man genau hinschauen muss. Persönlich begrüße ich die jetzt getroffene Entscheidung des DTTB. Es macht in meinen Augen keinen Sinn, die mögliche Saison-Fortsetzung immer weiter nach hinten zu verschieben. Zu strittigen Auf- und Abstiegsfragen sagte der Kreisvorsitzende: „Aus meiner Sicht sollte es in der Hinsicht flexible Lösungen geben. Es wird sicherlich Härtefälle geben. Wir müssen da Liga für Liga schauen. Wenn eine Staffel in der kommenden Saison dann mit zwei Teams mehr gestartet wird, sehe ich persönlich darin kein Problem."

Seltsames Saisonende

Ein Kommentar von Sebastian Külbel

Die Corona-Krise bringt den Sport auf breiter Ebene an den Rand der Ratlosigkeit. So gut wie alle Sparten wurden mitten in der Saison vom erzwungenen Stillstand kalt erwischt. Und die fehlende Perspektive zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs führt zu fragwürdigen Entscheidungen.

Im Tischtennis wurde jetzt auf breiter Ebene die Saison abgebrochen, und zwar mit den Tabellenständen am Zeitpunkt von deren Aussetzung. Das führt dazu, dass in zahlreichen Ligen nicht alle Mannschaften die gleiche Anzahl an Spielen absolviert haben. Das wäre in der Not nur ein Schönheitsfehler für Statistikfans, wenn diese Ungleichheit nicht auch über Auf- und Abstiege entscheiden würde. Bei betroffenen Vereinen wird das zu Recht als Sauerei empfunden.

In Krisenzeiten mögen diese Probleme unwichtig erscheinen, und es gibt wohl auch keinen rundum fairen Weg zum Abbruch eines laufenden Wettbewerbs. Trotzdem hinterlässt die Entscheidung des Deutschen Tischtennis-Bundes einen Nachgeschmack. Denn es wird eine Zeit nach der Krise geben, in der auch der Sport wieder in den Vordergrund rückt. Und da sollte es einen besseren Anknüpfungspunkt geben als dieses seltsame Saisonende.

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MindenTischtennis-Saison endet abrupt: Petershagen/Friedewalde II der große VerliererMichael LorenzMinden. Die Tischtennis-Saison ist aufgrund der Corona-Krise beendet. Das teilte der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) am Nachmittag des 1. April mit. Die Nachricht kommt nicht ganz überraschend, aber zu einem unerwartet frühen Zeitpunkt. Umstritten ist die gewählte Lösung, wie die zu etwa 80 Prozent gespielte Saison zu werten ist. Da hat der DTTB folgende Lösung gefunden: Die Tabelle vom 13. März ist bindend. Der 13. März war ein Freitag, an dem nach der Komplett-Aussetzung der Sportart aufgrund der Corona-Krise jede Menge Spiele hätten stattfinden müssen, die dann aber ausfielen. Für den TTC Petershagen/Friedewalde steht der Klassenerhalt in der Verbandsliga damit fest. Der TSV Hahlen beendet die Saison in der Bezirksliga auf dem dritten Rang. Auf den möglichen Landesliga-Aufstieg, der den Hahlern angeboten wurde, verzichteten sie. Eine heftige Auswirkung hat der Saisonabbruch in der Bezirksklasse für die zweite Mannschaft des TTC Petershagen/Friedewalde. Konkurrent TTC Mennighüffen II hatte am Montag, 9. März, noch ein Spiel bei TTC Rödinghausen II und gewann 9:5. TTCPF II hätte am Freitag, 13. März ein Heimspiel gegen Schlusslicht TTC Enger III gehabt und wohl gewonnen. Nun hat Mennighüffen II bei einem Spiel mehr 31:7 Punkte und ist Meister. TTCPF II hingegen ist mit 30:6 Punkten Zweiter. „Ehrlich gesagt ist diese Wertung eine ziemliche Schweinerei", ärgerte sich TTCPF-Sportwart Gerd Mehrhoff, „wenn, dann hätte man die gesamte Woche vom 9. bis 15. März aus der Wertung nehmen müssen. Naja, Pech gehabt, die Hauptsache ist, dass unsere Erste in der Verbandsliga geblieben ist." Die TTG Windheim-Neuenknick hat zum dritten Mal in Folge mit einem Kraftakt in der Rückrunde den Klassenerhalt geschafft, das steht nun fest. Somit gibt es keinen Absteiger aus dem Kreis Minden-Lübbecke in die Kreisliga. Dort steht der TTV Lübbecke bereits seit dem letzten ausgetragenen Spiel als Meister fest. Zweitplatzierter ist und bleibt nun der SC Blasheim. Ob dieser den eventuell möglichen Aufstieg in die Bezirksklasse wahrnimmt, ist offen. Falls der BSC nicht aufsteigen möchte und ein Platz frei würde, könnte TSV Hahlen II nachrücken. In der Tabellenkeller sind im Internet-Portal Click-TT vier Teams mit einem Abstiegshäkchen versehen, und zwar in dieser Reihenfolge: TSV Hahlen III, SC Hollwede, TG Werste und SuS Veltheim. Da kein heimischer Absteiger in die Kreisliga kommt, hat zumindest die Hahler Dritte um Topspieler Luca Witthaus gute Chancen auf den Klassenerhalt. Veltheim ist zwar Letzter, doch die SuS-Zweite belegt in der 1. Kreisklasse den ersten Platz, das Spitzenspiel gegen TTG Windheim-Neuenknick findet nicht mehr statt. Damit könnten die Veltheimer den Abstieg der Ersten auffangen. Die Weisung des DTTB gilt für alle Verbände und Ligen. In den bisweilen kniffligen Relegationsfragen hat der Bundesverband den Ländern allerdings Spielräume zugebilligt. Die Entscheidungen darüber, wie diese individuellen Fälle zu handhaben sind, wollen die Verbände, im heimischen Fall ist das der Westdeutsche Tischtennisverband (WTTV), zeitnah bekanntgeben. Harald Wiese, der Vorsitzende den Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke, sagte zum Themenkomplex Corona: „Es wird viele Teams im Graubereich geben, wo man genau hinschauen muss. Persönlich begrüße ich die jetzt getroffene Entscheidung des DTTB. Es macht in meinen Augen keinen Sinn, die mögliche Saison-Fortsetzung immer weiter nach hinten zu verschieben. Zu strittigen Auf- und Abstiegsfragen sagte der Kreisvorsitzende: „Aus meiner Sicht sollte es in der Hinsicht flexible Lösungen geben. Es wird sicherlich Härtefälle geben. Wir müssen da Liga für Liga schauen. Wenn eine Staffel in der kommenden Saison dann mit zwei Teams mehr gestartet wird, sehe ich persönlich darin kein Problem." Seltsames Saisonende Ein Kommentar von Sebastian Külbel Die Corona-Krise bringt den Sport auf breiter Ebene an den Rand der Ratlosigkeit. So gut wie alle Sparten wurden mitten in der Saison vom erzwungenen Stillstand kalt erwischt. Und die fehlende Perspektive zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs führt zu fragwürdigen Entscheidungen. Im Tischtennis wurde jetzt auf breiter Ebene die Saison abgebrochen, und zwar mit den Tabellenständen am Zeitpunkt von deren Aussetzung. Das führt dazu, dass in zahlreichen Ligen nicht alle Mannschaften die gleiche Anzahl an Spielen absolviert haben. Das wäre in der Not nur ein Schönheitsfehler für Statistikfans, wenn diese Ungleichheit nicht auch über Auf- und Abstiege entscheiden würde. Bei betroffenen Vereinen wird das zu Recht als Sauerei empfunden. In Krisenzeiten mögen diese Probleme unwichtig erscheinen, und es gibt wohl auch keinen rundum fairen Weg zum Abbruch eines laufenden Wettbewerbs. Trotzdem hinterlässt die Entscheidung des Deutschen Tischtennis-Bundes einen Nachgeschmack. Denn es wird eine Zeit nach der Krise geben, in der auch der Sport wieder in den Vordergrund rückt. Und da sollte es einen besseren Anknüpfungspunkt geben als dieses seltsame Saisonende.