Minden

Volkslieder im Jugendheim: So blieb ein Volleyball-Länderspiel vor 40 Jahren in Minden in aller Munde

Sebastian Külbel

Weltklasse zu Gast in Minden: Die Volleyballer aus Südkorea traten am 31. März 1980 in der ausverkauften Kreissporthalle gegen die Bundesrepublik an und siegten standesgemäß 3:0. MT- - © Foto: Sebastian Külbel
Weltklasse zu Gast in Minden: Die Volleyballer aus Südkorea traten am 31. März 1980 in der ausverkauften Kreissporthalle gegen die Bundesrepublik an und siegten standesgemäß 3:0. MT- (© Foto: Sebastian Külbel)

Minden. Sportlich waren die deutschen Volleyballer ohne Chance, beim Empfang waren sie ihrem Gegner aus Südkorea aber ebenbürtig. 0:3 verlor die Nationalmannschaft der Bundesrepublik am 31. März 1980 das Länderspiel gegen die Gäste aus Asien in der Mindener Kreissporthalle. Das war für die damalige Zeit kein ungewöhnliches Ergebnis: Die Koreaner gehörten zur Weltspitze, die westdeutsche Auswahl war international höchstens zweitklassig.

Viel lebhafter als das Spiel vor 40 Jahren ist jedoch bei den Beteiligten das in Erinnerung geblieben, was danach passierte: „Es gab einen Empfang auf der Lutternschen Egge im damaligen Kreisjugendheim mit Landrat Hermann Struckmeier, zwei südkoreanische Frauen aus Bad Oeynhausen hatten extra Speisen zubereitet“, schildert Peter Mehwald. Der heutige Vereinschef des 1. VC Minden war damals als Vorsitzender des Vorgängervereins SSG Hahler Feld an der Organisation des Länderspiels beteiligt. „Irgendwann fingen die Südkoreaner an zu singen, ich nehme an ein Volkslied. Die deutschen Spieler wollten sich natürlich revanchieren und haben lauthals ,Olé, wir fahr'n in Puff nach Barcelona' angestimmt. Der Landrat ist immer tiefer in seinen Stuhl gerutscht, aber die Koreaner waren begeistert“, erzählt Mehwald.

Das sportliche Duell war zuvor weniger amüsant gewesen. „Für die Gäste aus Fernost schien dieser Vergleich nicht viel mehr als ein Trainingsspiel zu sein“, schrieb das MT seinerzeit über das klare 3:0 nach gut einer Stunde. 1.800 Zuschauer in der ausverkauften Kreissporthalle sahen zwar eine eher schwache deutsche Mannschaft, aber dennoch tollen Volleyballsport: „Die Spieler aus Seoul (...) holten in der Abwehr fast totgeglaubte Bälle, Angriffsaktionen gelangen zudem nach Belieben“, schrieb der MT-Reporter.

Das kam nicht überraschend, denn die koreanischen Volleyballer befanden sich inmitten ihrer Glanzzeit. Von 1974 bis 1982 nahmen sie stets an der Endrunde der Weltmeisterschaft teil, 1978 schafften sie als Vierter ihr bestes Ergebnis. Bei den Olympischen Spielen erreichte Südkorea 1984 Platz fünf, 1989 folgte der erste von vier Titeln bei der Asienmeisterschaft.

Bei ihrem Minden-Gastspiel vor 40 Jahren war das Nationalteam gleichbedeutend mit Gold Star Seoul, der Betriebsmannschaft einer Tochterfirma der Siemens AG. Zum Kader gehörten Spielmacher Kim Chung Han, Kang Man Soo und Kang Doo Tae – Namen, die heute in Europa keiner kennt, die damals in der Volleyballszene aber durchaus Klang hatten.

Die Deutschen setzten dem immerhin ihren „Mister Volleyball“ entgegen: Burkhard Sude setzte gerade zum sportlichen Höhenflug an und wurde 1980 erstmals zum Volleyballer des Jahres gewählt. Diese Auszeichnung erhielt er auch in den folgenden vier Jahren. Auch im ungleichen Duell mit den Koreanern war der damals 22-Jährige einer der besten Deutschen – gemeinsam mit Stellspieler Ralf Nitzlaff, der als Akteur des VBC Paderborn seinerzeit fast ein Lokalmatador war. „Er hat später auch noch mit Hamm in der Oberliga gegen unsere Leute gespielt“, weiß VC-Vorsitzender Mehwald.

Deutlich größere Spuren im Sport-Gedächtnis des Landes hat Burkhard Sude hinterlassen. Weniger durch die drei Deutschen Meisterschaften mit USC Gießen in den Jahren 1982, 1983 und 1984 als vielmehr mit einem Fernsehauftritt: 1982 trat der 203-malige Nationalspieler bei „Wetten, dass...?“ alleine gegen eine Verbandsligamannschaft an. „Er hat angenommen, gestellt und geschmettert. Und er hat gewonnen“, erinnert sich Mehwald.

Ähnlich wenige Chancen ließen die Südkoreaner den Deutschen am 31. März 1980. Den ersten Satz gewannen sie 15:7 in nur 14 Minuten, für das 15:5 im zweiten Abschnitt benötigten sie 24 Minuten. „Die Südkoreaner waren im Angriffsspiel variabler, Block und Abwehr waren ausgezeichnet postiert“, hieß es damals im MT. Immerhin im dritten Durchgang hielten die Deutschen besser mit und verloren nur 13:15.

Sport-Rückblicke

Der Sport in Minden und Umgebung hat viele erinnerungswürdige Ereignisse hervorgebracht, die in keinem Geschichtsbuch stehen. Das Mindener Tageblatt blickt daher jeden Donnerstag im Zehn-Jahres-Rhythmus zurück und erzählt die Hintergründe eines historischen Fundstücks.

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MindenVolkslieder im Jugendheim: So blieb ein Volleyball-Länderspiel vor 40 Jahren in Minden in aller MundeSebastian KülbelMinden. Sportlich waren die deutschen Volleyballer ohne Chance, beim Empfang waren sie ihrem Gegner aus Südkorea aber ebenbürtig. 0:3 verlor die Nationalmannschaft der Bundesrepublik am 31. März 1980 das Länderspiel gegen die Gäste aus Asien in der Mindener Kreissporthalle. Das war für die damalige Zeit kein ungewöhnliches Ergebnis: Die Koreaner gehörten zur Weltspitze, die westdeutsche Auswahl war international höchstens zweitklassig. Viel lebhafter als das Spiel vor 40 Jahren ist jedoch bei den Beteiligten das in Erinnerung geblieben, was danach passierte: „Es gab einen Empfang auf der Lutternschen Egge im damaligen Kreisjugendheim mit Landrat Hermann Struckmeier, zwei südkoreanische Frauen aus Bad Oeynhausen hatten extra Speisen zubereitet“, schildert Peter Mehwald. Der heutige Vereinschef des 1. VC Minden war damals als Vorsitzender des Vorgängervereins SSG Hahler Feld an der Organisation des Länderspiels beteiligt. „Irgendwann fingen die Südkoreaner an zu singen, ich nehme an ein Volkslied. Die deutschen Spieler wollten sich natürlich revanchieren und haben lauthals ,Olé, wir fahr'n in Puff nach Barcelona' angestimmt. Der Landrat ist immer tiefer in seinen Stuhl gerutscht, aber die Koreaner waren begeistert“, erzählt Mehwald. Das sportliche Duell war zuvor weniger amüsant gewesen. „Für die Gäste aus Fernost schien dieser Vergleich nicht viel mehr als ein Trainingsspiel zu sein“, schrieb das MT seinerzeit über das klare 3:0 nach gut einer Stunde. 1.800 Zuschauer in der ausverkauften Kreissporthalle sahen zwar eine eher schwache deutsche Mannschaft, aber dennoch tollen Volleyballsport: „Die Spieler aus Seoul (...) holten in der Abwehr fast totgeglaubte Bälle, Angriffsaktionen gelangen zudem nach Belieben“, schrieb der MT-Reporter. Das kam nicht überraschend, denn die koreanischen Volleyballer befanden sich inmitten ihrer Glanzzeit. Von 1974 bis 1982 nahmen sie stets an der Endrunde der Weltmeisterschaft teil, 1978 schafften sie als Vierter ihr bestes Ergebnis. Bei den Olympischen Spielen erreichte Südkorea 1984 Platz fünf, 1989 folgte der erste von vier Titeln bei der Asienmeisterschaft. Bei ihrem Minden-Gastspiel vor 40 Jahren war das Nationalteam gleichbedeutend mit Gold Star Seoul, der Betriebsmannschaft einer Tochterfirma der Siemens AG. Zum Kader gehörten Spielmacher Kim Chung Han, Kang Man Soo und Kang Doo Tae – Namen, die heute in Europa keiner kennt, die damals in der Volleyballszene aber durchaus Klang hatten. Die Deutschen setzten dem immerhin ihren „Mister Volleyball“ entgegen: Burkhard Sude setzte gerade zum sportlichen Höhenflug an und wurde 1980 erstmals zum Volleyballer des Jahres gewählt. Diese Auszeichnung erhielt er auch in den folgenden vier Jahren. Auch im ungleichen Duell mit den Koreanern war der damals 22-Jährige einer der besten Deutschen – gemeinsam mit Stellspieler Ralf Nitzlaff, der als Akteur des VBC Paderborn seinerzeit fast ein Lokalmatador war. „Er hat später auch noch mit Hamm in der Oberliga gegen unsere Leute gespielt“, weiß VC-Vorsitzender Mehwald. Deutlich größere Spuren im Sport-Gedächtnis des Landes hat Burkhard Sude hinterlassen. Weniger durch die drei Deutschen Meisterschaften mit USC Gießen in den Jahren 1982, 1983 und 1984 als vielmehr mit einem Fernsehauftritt: 1982 trat der 203-malige Nationalspieler bei „Wetten, dass...?“ alleine gegen eine Verbandsligamannschaft an. „Er hat angenommen, gestellt und geschmettert. Und er hat gewonnen“, erinnert sich Mehwald. Ähnlich wenige Chancen ließen die Südkoreaner den Deutschen am 31. März 1980. Den ersten Satz gewannen sie 15:7 in nur 14 Minuten, für das 15:5 im zweiten Abschnitt benötigten sie 24 Minuten. „Die Südkoreaner waren im Angriffsspiel variabler, Block und Abwehr waren ausgezeichnet postiert“, hieß es damals im MT. Immerhin im dritten Durchgang hielten die Deutschen besser mit und verloren nur 13:15. Sport-Rückblicke Der Sport in Minden und Umgebung hat viele erinnerungswürdige Ereignisse hervorgebracht, die in keinem Geschichtsbuch stehen. Das Mindener Tageblatt blickt daher jeden Donnerstag im Zehn-Jahres-Rhythmus zurück und erzählt die Hintergründe eines historischen Fundstücks.