Minden

MT-Serie "Training in der Krise": Ruderer machen Trockenübungen auf der Terrasse

Sebastian Külbel

Finja Carstens hat ihr Ruderergometer im Wintergarten aufgestellt. - © Foto: privat
Finja Carstens hat ihr Ruderergometer im Wintergarten aufgestellt. (© Foto: privat)

Minden. Normalerweise gehören sie in Sporthallen oder Übungsräume, im Moment stehen die Ergometer-Trainingsgeräte vom Bessel-Ruder-Club in Wintergärten, auf Terrassen oder in Garagen. In der Corona-Krise muss auch dessen Leistungsgruppe zu Hause bleiben. Das heißt jedoch nicht, dass deshalb weniger trainiert wird. Eher im Gegenteil.

„Wir machen unsere Umfänge genauso weiter – sogar ein bisschen mehr“, sagt Robin Lützkendorf. Der 25-Jährige beaufsichtigt beim BRC als Cheftrainer die ältesten Nachwuchsathleten und bereitet sie auf die großen Aufgaben vor: „Unser Ziel war die Deutsche Jugendmeisterschaft Ende Juni in Köln.“ Die ist zwar noch nicht offiziell abgesagt, steht aber in Zeiten des Coronavirus ebenso auf der Kippe wie alle anderen Sportveranstaltungen auch.

Lisa Silin trainiert auf der Terrasse. - © Foto: privat
Lisa Silin trainiert auf der Terrasse. (© Foto: privat)

Die Mindener Ruderer schuften dennoch unverändert weiter. Durch die Kooperation mit dem Besselgymnasium stehen dem Verein mehr als 30 Ergometergeräte zur Verfügung, die jetzt an die 15 Mitglieder von der Top-Trainingsgruppe und die Achter-Besatzungen der Ruder-Bundesliga verteilt wurden. „Ziel ist es, unser Level zu halten und in physischer Hinsicht vielleicht sogar zuzulegen“, erklärt Lützkendorf. Das hat zum einen den Vorteil, dass seine Schützlinge bestens vorbereitet für mögliche Wettkämpfe nach der Krise sind. Zum anderen hilft das Training durch die Zeit des Stillstands: „Wir machen das Beste aus dieser Situation. Bei mir gehen die Tage so schnell herum“, sagt der Trainer.

Julius Fabry und Louisa Könemann rudern mit Blick auf das Gartenhaus. - © Foto: privat
Julius Fabry und Louisa Könemann rudern mit Blick auf das Gartenhaus. (© Foto: privat)

Er ist mit seinen Schützlingen vor allem über WhatsApp in Kontakt, erstellt Trainingspläne und analysiert ihre Videos, die sie täglich schicken: „Ich gucke mir das genau an, vergleiche mit dem Vortag und mache per Sprachnachricht Verbesserungsvorschläge“, erzählt Lützkendorf: „Das funktioniert überraschend gut.“ Zudem schicken die Athleten ihm ihre Kraft- und Ausdauerwerte, so dass der Coach ein gutes Bild ihres Leistungsstands bekommt.

Auch Hannes Weide absolviert seine Einheiten gerne im Freien. - © Foto: privat
Auch Hannes Weide absolviert seine Einheiten gerne im Freien. (© Foto: privat)

Abends stellt er zudem ein etwa fünfminütiges Video in die Gruppe, in dem er den Tag zusammenfasst: „Ich versuche, alle bei der Stange zu halten.“ Denn die vage Aussicht auf Wettkämpfe drückt auf die Motivation: Die Rennen bis in den Mai sind schon abgesagt, auch die Ruder-Bundesliga startet verspätet – wenn überhaupt. „Wir haben trotzdem Hoffnung, in diesem Jahr noch die eine oder andere Regatta zu erleben“, sagt Lützkendorf.

Yannik Brink sitzt beim Sport auf dem Balkon. - © Foto: privat
Yannik Brink sitzt beim Sport auf dem Balkon. (© Foto: privat)

Umso wichtiger wäre es, bald wieder aufs Wasser zu können. Denn so sehr die Ruderer ihre Körper im Trockenen stählen, so sehr fehlt ihnen die Zeit im Boot. „Das ist einfach eine andere Welt“, erklärt der Trainer: „Auf dem Wasser kommt der Faktor Wind hinzu, das ist technisch eine ganz andere Herausforderung.“

Eine weitere Schwierigkeit der aktuellen Situation ist die Trainingsumgebung: „Zuhause ist eine Wohlfühlzone. Da ist es für jüngere Menschen schwer, einen Schnitt zu machen und normal zu trainieren“, sagt Lützkendorf. Das erlebt auch er selbst: „Ich mus aus der Wohnung raus und mache meine Übungen im Flur.“

Seine Sportler spulen ihr Programm ebenfalls fleißig ab: Morgens eher lange und ruhige Einheiten, nachmittags an drei bis vier Tagen pro Woche dann intensivere Aufgaben. Dabei sieht der Trainer auch überraschende Effekte: „Einigen tut es richtig gut, das mal für sich alleine zu machen.“ Aber am Ende stellt auch er das größte Manko der aktuellen gesellschaftlichen Distanzierung fest: „Wir sind Gruppenmenschen, uns fehlt das Sport treiben miteinander.“

Training in der Krise

Der Sport steht still, Athleten und Trainer hängen in der Luft: Wann geht es endlich wieder los? Wann werden die Sportstätten geöffnet? Wann gehen Wettbewerbe und Meisterschaften weiter? Mit der MT-Serie „Training in der Krise“ gibt die Sportredaktion einen Überblick, wie sich die heimischen Sportler in Zeiten des Coronavirus fit halten.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenMT-Serie "Training in der Krise": Ruderer machen Trockenübungen auf der TerrasseSebastian KülbelMinden. Normalerweise gehören sie in Sporthallen oder Übungsräume, im Moment stehen die Ergometer-Trainingsgeräte vom Bessel-Ruder-Club in Wintergärten, auf Terrassen oder in Garagen. In der Corona-Krise muss auch dessen Leistungsgruppe zu Hause bleiben. Das heißt jedoch nicht, dass deshalb weniger trainiert wird. Eher im Gegenteil. „Wir machen unsere Umfänge genauso weiter – sogar ein bisschen mehr“, sagt Robin Lützkendorf. Der 25-Jährige beaufsichtigt beim BRC als Cheftrainer die ältesten Nachwuchsathleten und bereitet sie auf die großen Aufgaben vor: „Unser Ziel war die Deutsche Jugendmeisterschaft Ende Juni in Köln.“ Die ist zwar noch nicht offiziell abgesagt, steht aber in Zeiten des Coronavirus ebenso auf der Kippe wie alle anderen Sportveranstaltungen auch. Die Mindener Ruderer schuften dennoch unverändert weiter. Durch die Kooperation mit dem Besselgymnasium stehen dem Verein mehr als 30 Ergometergeräte zur Verfügung, die jetzt an die 15 Mitglieder von der Top-Trainingsgruppe und die Achter-Besatzungen der Ruder-Bundesliga verteilt wurden. „Ziel ist es, unser Level zu halten und in physischer Hinsicht vielleicht sogar zuzulegen“, erklärt Lützkendorf. Das hat zum einen den Vorteil, dass seine Schützlinge bestens vorbereitet für mögliche Wettkämpfe nach der Krise sind. Zum anderen hilft das Training durch die Zeit des Stillstands: „Wir machen das Beste aus dieser Situation. Bei mir gehen die Tage so schnell herum“, sagt der Trainer. Er ist mit seinen Schützlingen vor allem über WhatsApp in Kontakt, erstellt Trainingspläne und analysiert ihre Videos, die sie täglich schicken: „Ich gucke mir das genau an, vergleiche mit dem Vortag und mache per Sprachnachricht Verbesserungsvorschläge“, erzählt Lützkendorf: „Das funktioniert überraschend gut.“ Zudem schicken die Athleten ihm ihre Kraft- und Ausdauerwerte, so dass der Coach ein gutes Bild ihres Leistungsstands bekommt. Abends stellt er zudem ein etwa fünfminütiges Video in die Gruppe, in dem er den Tag zusammenfasst: „Ich versuche, alle bei der Stange zu halten.“ Denn die vage Aussicht auf Wettkämpfe drückt auf die Motivation: Die Rennen bis in den Mai sind schon abgesagt, auch die Ruder-Bundesliga startet verspätet – wenn überhaupt. „Wir haben trotzdem Hoffnung, in diesem Jahr noch die eine oder andere Regatta zu erleben“, sagt Lützkendorf. Umso wichtiger wäre es, bald wieder aufs Wasser zu können. Denn so sehr die Ruderer ihre Körper im Trockenen stählen, so sehr fehlt ihnen die Zeit im Boot. „Das ist einfach eine andere Welt“, erklärt der Trainer: „Auf dem Wasser kommt der Faktor Wind hinzu, das ist technisch eine ganz andere Herausforderung.“ Eine weitere Schwierigkeit der aktuellen Situation ist die Trainingsumgebung: „Zuhause ist eine Wohlfühlzone. Da ist es für jüngere Menschen schwer, einen Schnitt zu machen und normal zu trainieren“, sagt Lützkendorf. Das erlebt auch er selbst: „Ich mus aus der Wohnung raus und mache meine Übungen im Flur.“ Seine Sportler spulen ihr Programm ebenfalls fleißig ab: Morgens eher lange und ruhige Einheiten, nachmittags an drei bis vier Tagen pro Woche dann intensivere Aufgaben. Dabei sieht der Trainer auch überraschende Effekte: „Einigen tut es richtig gut, das mal für sich alleine zu machen.“ Aber am Ende stellt auch er das größte Manko der aktuellen gesellschaftlichen Distanzierung fest: „Wir sind Gruppenmenschen, uns fehlt das Sport treiben miteinander.“ Training in der Krise Der Sport steht still, Athleten und Trainer hängen in der Luft: Wann geht es endlich wieder los? Wann werden die Sportstätten geöffnet? Wann gehen Wettbewerbe und Meisterschaften weiter? Mit der MT-Serie „Training in der Krise“ gibt die Sportredaktion einen Überblick, wie sich die heimischen Sportler in Zeiten des Coronavirus fit halten.