Minden

Viel Optimismus und etwas Angst: Das machen Fitnessstudios in Zeiten der Corona-Krise

Sebastian Külbel

„Ein halbes Jahr können wir das nicht aushalten“: Marc Raulwing hofft, dass er sein Genius-Sportzentrum schon bald wieder im vollen Umfang betreiben darf. MT-Fotos: Sebastian Külbel
„Ein halbes Jahr können wir das nicht aushalten“: Marc Raulwing hofft, dass er sein Genius-Sportzentrum schon bald wieder im vollen Umfang betreiben darf. MT-Fotos: Sebastian Külbel

Minden. Der Betrieb ruht, die Kosten bleiben. Die Mindener Fitnessstudios leiden wie viele andere Branchen unter den erzwungenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und ringen um ihre Existenz. Trotz aller Sorgen bleiben die Betreiber aber positiv – und das hat vor allem mit der Reaktion ihrer Kunden zu tun.

„Wir erleben ein hohes Maß an Solidarität“, sagt Marc Raulwing vom Genius Sport- und Gesundheitszentrum. Er gewährt seinen Mitgliedern, die ausgefallenen Monate an die Vertragszeit dranzuhängen, die meisten ziehen mit. Ähnlich wird das im Point of Fitness gehandhabt. „Wir erleben größtenteils absolutes Verständnis für die Situation. Wenn es bei einem Monatsbeitrag bleibt, ist das für alle in Ordnung“, sagt Mitarbeiter Mathias Bruns und schränkt ein: „Wenn wir dann aber im zweiten Monat abbuchen und immer noch geschlossen sind, wird es schwierig.“

Auch das Relax Sports ist in der Corona-Krise geschlossen.
Auch das Relax Sports ist in der Corona-Krise geschlossen.

Dass das Abonnementmodell die Studios zurzeit noch über Wasser hält, zeigt sich auch bei Relax Sports. „Wir ziehen die Beiträge weiter ein und schreiben diese dann in unseren starken Monaten Januar und Februar wieder gut“, sagt Geschäftsführer Andreas Laskiwitz: „Wer das nicht möchte, muss das natürlich nicht.“ Gerade für das Relax kommt die Zwangspause zur Unzeit: Das Unternehmen hat gerade erst 1,5 Millionen in seine Anlagen in Minden und Bückeburg investiert, Letztere wurde komplett erneuert und erst vor zwei Monaten wieder eröffnet.

Die Parkplätze vor dem Point of Fitness werden im Moment nicht benötigt. Vor der Tür ist viel Platz.
Die Parkplätze vor dem Point of Fitness werden im Moment nicht benötigt. Vor der Tür ist viel Platz.

Laskiwitz blickt dennoch optimistisch voraus: „Wir sind seit 32 Jahren am Markt und haben immer solide gearbeitet. Uns wird es auch in sechs Monaten noch geben.“ Für andere könnte es schwieriger werden. „Es kommt immer auf die Rücklagen an und wie Vermieter, Banken und Leasinggesellschaften mitspielen. Aber ein halbes Jahr können wir das nicht aushalten“, sagt Marc Raulwing.

Das neue FitX-Studio steht, bleibt aber noch zu.
Das neue FitX-Studio steht, bleibt aber noch zu.

Neben dem Fitnessbetrieb an der Stiftsallee hat er immerhin als weiteres Standbein das Therapiegeschäft: „Alles, was ein Arzt verordnet, dürfen wir noch betreuen.“ Allerdings spürt der Unternehmer auch da die Folgen der Krise: „Die Leute sind verunsichert und trauen sich nicht zu uns in die Praxis. Wir haben bei den Neuanmeldungen einen Rückgang von 60 Prozent.“ Da ist es nachvollziehbar, dass er für die Angestellten aus dem Fitnessstudio bereits Kurzarbeit angemeldet hat.

Die laufenden Kosten sind auch für Relax-Geschäftsführer Laskiwitz ein Problem: „Das ist schon ein Batzen, den man da zu stemmen hat. Aber vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen geht es genauso.“ Und wie andere Branchen suchen auch die Sportanbieter in der Krise nach Alternativen. Das Relax etwa zeigt Online-Übungen über einen Youtube-Kanal: „Wir filmen fast täglich Programme mit unseren Trainern, die man zu Hause nachmachen kann.“

Auch Marc Raulwing geht digitale Wege: „Wir geben Online-Kurse per Videokonferenz über Zoom, erstellen persönliche Trainingspläne über eine Fitness-App und bieten unseren Mitgliedern Zugänge zu großen Plattformen wie Les Mills.“ Das dient auch dem Zweck, die Kunden bei der Stange zu halten. Viel wichtiger ist dem Genius-Chef aber deren Gesunderhaltung: „Im Moment stellt sich ja auch die Frage, wie lange kann man nichts machen und wie schwer fällt es, danach wieder anzufangen?“

Aus diesem Grund hofft auch Andreas Laskiwitz, dass die Zwangsschließung nicht allzu lange anhält: „Man darf nicht vergessen, wie wichtig sportliche Betätigung für die Leute ist. Je fitter ich bin, desto weniger anfällig bin ich für Krankheiten.“

Trotz guter Argumente schwebt die Branche aber auch in Minden zwischen Zweckoptimismus und Zukunftsängsten. „Wir können nur hoffen, dass wir Ende April wieder öffnen dürfen“, sagt Point-Mitarbeiter Mathias Bruns und bekräftigt die Standhaftigkeit der gebeutelten Branche: „Krisen sind dazu da, um gemanagt zu werden. Uns wirft das nicht um.“

Nummer 89 muss warten

„Eröffnung Frühjahr 2020“ steht auf einem Schild vor dem neu gebauten FitX-Studio an der Stiftsallee. Ein vager Termin, der trotzdem kaum zu halten sein wird. „Krefeld sollte als unser 88. Studio am 9. April eröffnet werden, Minden war danach geplant“, sagt Unternehmenssprecher Alexander Morel.

Der Krefeld-Termin wurde aber aufgrund der Corona Krise „auf unbestimmte Zeit verschoben“, für Minden gilt das umso mehr. „Wir können das Thema im Moment nicht weiter voran treiben“, sagt Morel. (kül)

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MindenViel Optimismus und etwas Angst: Das machen Fitnessstudios in Zeiten der Corona-KriseSebastian KülbelMinden. Der Betrieb ruht, die Kosten bleiben. Die Mindener Fitnessstudios leiden wie viele andere Branchen unter den erzwungenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und ringen um ihre Existenz. Trotz aller Sorgen bleiben die Betreiber aber positiv – und das hat vor allem mit der Reaktion ihrer Kunden zu tun. „Wir erleben ein hohes Maß an Solidarität“, sagt Marc Raulwing vom Genius Sport- und Gesundheitszentrum. Er gewährt seinen Mitgliedern, die ausgefallenen Monate an die Vertragszeit dranzuhängen, die meisten ziehen mit. Ähnlich wird das im Point of Fitness gehandhabt. „Wir erleben größtenteils absolutes Verständnis für die Situation. Wenn es bei einem Monatsbeitrag bleibt, ist das für alle in Ordnung“, sagt Mitarbeiter Mathias Bruns und schränkt ein: „Wenn wir dann aber im zweiten Monat abbuchen und immer noch geschlossen sind, wird es schwierig.“ Dass das Abonnementmodell die Studios zurzeit noch über Wasser hält, zeigt sich auch bei Relax Sports. „Wir ziehen die Beiträge weiter ein und schreiben diese dann in unseren starken Monaten Januar und Februar wieder gut“, sagt Geschäftsführer Andreas Laskiwitz: „Wer das nicht möchte, muss das natürlich nicht.“ Gerade für das Relax kommt die Zwangspause zur Unzeit: Das Unternehmen hat gerade erst 1,5 Millionen in seine Anlagen in Minden und Bückeburg investiert, Letztere wurde komplett erneuert und erst vor zwei Monaten wieder eröffnet. Laskiwitz blickt dennoch optimistisch voraus: „Wir sind seit 32 Jahren am Markt und haben immer solide gearbeitet. Uns wird es auch in sechs Monaten noch geben.“ Für andere könnte es schwieriger werden. „Es kommt immer auf die Rücklagen an und wie Vermieter, Banken und Leasinggesellschaften mitspielen. Aber ein halbes Jahr können wir das nicht aushalten“, sagt Marc Raulwing. Neben dem Fitnessbetrieb an der Stiftsallee hat er immerhin als weiteres Standbein das Therapiegeschäft: „Alles, was ein Arzt verordnet, dürfen wir noch betreuen.“ Allerdings spürt der Unternehmer auch da die Folgen der Krise: „Die Leute sind verunsichert und trauen sich nicht zu uns in die Praxis. Wir haben bei den Neuanmeldungen einen Rückgang von 60 Prozent.“ Da ist es nachvollziehbar, dass er für die Angestellten aus dem Fitnessstudio bereits Kurzarbeit angemeldet hat. Die laufenden Kosten sind auch für Relax-Geschäftsführer Laskiwitz ein Problem: „Das ist schon ein Batzen, den man da zu stemmen hat. Aber vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen geht es genauso.“ Und wie andere Branchen suchen auch die Sportanbieter in der Krise nach Alternativen. Das Relax etwa zeigt Online-Übungen über einen Youtube-Kanal: „Wir filmen fast täglich Programme mit unseren Trainern, die man zu Hause nachmachen kann.“ Auch Marc Raulwing geht digitale Wege: „Wir geben Online-Kurse per Videokonferenz über Zoom, erstellen persönliche Trainingspläne über eine Fitness-App und bieten unseren Mitgliedern Zugänge zu großen Plattformen wie Les Mills.“ Das dient auch dem Zweck, die Kunden bei der Stange zu halten. Viel wichtiger ist dem Genius-Chef aber deren Gesunderhaltung: „Im Moment stellt sich ja auch die Frage, wie lange kann man nichts machen und wie schwer fällt es, danach wieder anzufangen?“ Aus diesem Grund hofft auch Andreas Laskiwitz, dass die Zwangsschließung nicht allzu lange anhält: „Man darf nicht vergessen, wie wichtig sportliche Betätigung für die Leute ist. Je fitter ich bin, desto weniger anfällig bin ich für Krankheiten.“ Trotz guter Argumente schwebt die Branche aber auch in Minden zwischen Zweckoptimismus und Zukunftsängsten. „Wir können nur hoffen, dass wir Ende April wieder öffnen dürfen“, sagt Point-Mitarbeiter Mathias Bruns und bekräftigt die Standhaftigkeit der gebeutelten Branche: „Krisen sind dazu da, um gemanagt zu werden. Uns wirft das nicht um.“ Nummer 89 muss warten „Eröffnung Frühjahr 2020“ steht auf einem Schild vor dem neu gebauten FitX-Studio an der Stiftsallee. Ein vager Termin, der trotzdem kaum zu halten sein wird. „Krefeld sollte als unser 88. Studio am 9. April eröffnet werden, Minden war danach geplant“, sagt Unternehmenssprecher Alexander Morel. Der Krefeld-Termin wurde aber aufgrund der Corona Krise „auf unbestimmte Zeit verschoben“, für Minden gilt das umso mehr. „Wir können das Thema im Moment nicht weiter voran treiben“, sagt Morel. (kül)