Minden

Training in der Krise: App und Videokonferenzen halten Minden Wolves fit

Astrid Plaßhenrich

Die American Footballer der Minden Wolves halten auch in der Krise zusammen. Weil das Teamtraining zurzeit ausfällt, halten sie sich individuell fit. Ihre Ergebnisse werden per App überprüft. Fotos: Maren Wilkening/pr
Die American Footballer der Minden Wolves halten auch in der Krise zusammen. Weil das Teamtraining zurzeit ausfällt, halten sie sich individuell fit. Ihre Ergebnisse werden per App überprüft. Fotos: Maren Wilkening/pr

Minden. Die Minden Wolves lassen sich nicht aufhalten. Auf ihrem Instagram-Account posten die American Footballer täglich ihr individuelles Trainingsprogramm. Das reicht vom Ziehen eines Autos mit bloßer Muskelkraft bis hin zum Hüften schwingen mit einem Hola-Hoop-Reifen. „Die Jungs sind sehr motiviert“, sagt Headcoach Timo Drinkhut zufrieden, um dann nachzuschieben: „Hoffentlich bleibt das auch so.“ Denn der sportliche Shutdown Mitte März auf unbestimmte Zeit war für die Wolves besonders bitter: Nach 14-monatigen Training wollten die Mindener in der NRW-Liga, Gruppe Ost, endlich ihr erstes Meisterschaftsspiel bestreiten. Der Termin fällt nun allerdings flach.

Rückblick: Timo Drinkhut und sein Team trafen den Zeitgeist. Als die Wolves im Februar 2019 zum ersten Tryout aufriefen, folgten knapp 100 junge Männer der Einladung. Die Strukturen haben sich seitdem gefestigt: 70 Spieler bilden aktuell den harten Kern, der vor der Sperrung der Sportplätze dreimal in der Woche jeweils drei Stunden trainierte. Trotzdem stehen die Wölfe nicht still. „Wir können weiterhin unser Pensum abspulen“, sagt Timo Drinkhut, der als Headcoach den zehnköpfigen Trainerstab anführt. Kontakt zu den Spielern wird jedoch seit zwei Wochen nur noch virtuell gehalten.

Die Anweisungen fehlen: Headcoach Timo Drinkhut trainiert sein Team aktuell von zu Hause aus. - © VOLKER KRUSCHE
Die Anweisungen fehlen: Headcoach Timo Drinkhut trainiert sein Team aktuell von zu Hause aus. (© VOLKER KRUSCHE)

Die Wolves nutzen für ihr Training die App „Hudl“, die für Coaches und Sportler entwickelt wurde, um beispielsweise Übungen zu überprüfen und Videoanalysen vorzunehmen. Die ursprüngliche Version wurde explizit für professionelle American-Football-Teams entwickelt, heute profitieren davon auch Jugend- und Amateurmannschaften in anderen Sportarten wie Fußball, Basketball, Volleyball oder Lacrosse. Bei den Wolves kommt die App nun unverhofft oft zum Einsatz.

Der Mindener Trainerstab hat für jeden seiner Spieler zwei Trainingspläne entwickelt und bereitgestellt. Der erste ist ein Fitnessplan, den jeder Spieler durchziehen muss. Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit liegen dabei im Fokus. „Dazu gibt es einen Trainingsplan der positionsbezogen ist“, sagt Tim Drinkhut. Beispielsweise werden Schrittfolgen einstudiert, um Abläufe zu automatisieren. „Die Spieler filmen sich bei den Übungen und laden ihr Ergebnis in der App hoch. Wir können dann korrigieren, indem wir fehlerhafte Stellen einkreisen und den Spielern wieder zur Verfügung stellen“, erklärt der Headcoach. Der Trainingsumfang belaufe sich täglich auf etwa 30 Minuten. „Es ist wichtig, dass alle fit und auf einem Level bleiben. Der Verband hält sich sehr bedeckt, wann es weitergehen soll. Das kann dann auch innerhalb weniger Tage sein“, vermutet Drinkhut.

Neben dem Fitnesstraining gibt es zusätzlich theoretische Einheiten per Videokonferenz. „Das klappt hervorragend“, erzählt Drinkhut. Der 28-Jährige freut sich, dass er und seine Mannschaft von ihrem Trägerverein DJK Dom Minden tatkräftig und in jeglicher Hinsicht unterstützt werden. „Das ist einfach super, und das hätten wir auch nicht unbedingt erwartet“, erklärt der Mindener Trainer.

Bei aller Euphorie: Ärgerlich sei, dass die in dieser Woche angesetzten Testspiele gegen die höherklassigen Teams aus Oldenburg und Wilhelmshaven ausfielen. „Da hätten wir sehen können, wo wir stehen“, sagt Drinkhut. Dazu kam die Absage für das Trainingslager in Aurich mit 50 Spielern. Aber auch davon lassen sich die Wolves nichtunterkriegen. Sie sind heiß auf die Meisterschaft – die, wann auch immer, starten wird. „Wir haben Riesenfortschritte gemacht. Ich bin mir sicher, dass wir gleich in der ersten Saison oben mitspielen können“, gibt der Headcoach eine optimistische Prognose.

Jugend sollte im Frühjahr starten

  • Die Minden Wolves werden eine Jugendabteilung aufbauen. Das steht fest. Einzig: Der Zeitpunkt wird sich aufgrund der Corona-Situation verschieben. „Wir werden schnellstmöglich einen Termin für das offene Training für Jugendliche bekanntgeben“, sagt Headcoach Timo Drinkhut.
  • In Phil Gamble verpflichteten die Wolves einen der besten Running Backs der German Football League der jüngsten Vergangenheit als Jugendkoordinator. Der US-Amerikaner ist mit einer Portanerin verheiratet und hat somit familiäre Bindungen in den Mühlenkreis. Zusammen mit Sebastian Goetzke wird Gamble, der auch noch selbst für die Wolves spielen wird, die Jugendabteilung aufbauen.
  • Die Wolves planen mit ihrem Trägerverein DJK Dom eine Kooperation mit deren Kindergärten. „Kita-Kinder werden ganz behutsam an den Sport herangeführt. Das hat mit American Football im eigentlichen Sinne nichts zu tun. Bewegung, Spiel und Spaß stehen im Vordergrund“, sagt Drinkhut.
  • Vorstellbar für die Wolves ist auch der Aufbau eines Frauen-Footballteams. Timo Drinkhut hat in Hannover selbst Footballerinnen trainiert. Sein Urteil: „Klar, es ist langsamer im Vergleich zu Männern, aber die Mädels sind härter und ziehen immer durch.“
  • www.football-minden.de (apl)

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MindenTraining in der Krise: App und Videokonferenzen halten Minden Wolves fitAstrid PlaßhenrichMinden. Die Minden Wolves lassen sich nicht aufhalten. Auf ihrem Instagram-Account posten die American Footballer täglich ihr individuelles Trainingsprogramm. Das reicht vom Ziehen eines Autos mit bloßer Muskelkraft bis hin zum Hüften schwingen mit einem Hola-Hoop-Reifen. „Die Jungs sind sehr motiviert“, sagt Headcoach Timo Drinkhut zufrieden, um dann nachzuschieben: „Hoffentlich bleibt das auch so.“ Denn der sportliche Shutdown Mitte März auf unbestimmte Zeit war für die Wolves besonders bitter: Nach 14-monatigen Training wollten die Mindener in der NRW-Liga, Gruppe Ost, endlich ihr erstes Meisterschaftsspiel bestreiten. Der Termin fällt nun allerdings flach. Rückblick: Timo Drinkhut und sein Team trafen den Zeitgeist. Als die Wolves im Februar 2019 zum ersten Tryout aufriefen, folgten knapp 100 junge Männer der Einladung. Die Strukturen haben sich seitdem gefestigt: 70 Spieler bilden aktuell den harten Kern, der vor der Sperrung der Sportplätze dreimal in der Woche jeweils drei Stunden trainierte. Trotzdem stehen die Wölfe nicht still. „Wir können weiterhin unser Pensum abspulen“, sagt Timo Drinkhut, der als Headcoach den zehnköpfigen Trainerstab anführt. Kontakt zu den Spielern wird jedoch seit zwei Wochen nur noch virtuell gehalten. Die Wolves nutzen für ihr Training die App „Hudl“, die für Coaches und Sportler entwickelt wurde, um beispielsweise Übungen zu überprüfen und Videoanalysen vorzunehmen. Die ursprüngliche Version wurde explizit für professionelle American-Football-Teams entwickelt, heute profitieren davon auch Jugend- und Amateurmannschaften in anderen Sportarten wie Fußball, Basketball, Volleyball oder Lacrosse. Bei den Wolves kommt die App nun unverhofft oft zum Einsatz. Der Mindener Trainerstab hat für jeden seiner Spieler zwei Trainingspläne entwickelt und bereitgestellt. Der erste ist ein Fitnessplan, den jeder Spieler durchziehen muss. Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit liegen dabei im Fokus. „Dazu gibt es einen Trainingsplan der positionsbezogen ist“, sagt Tim Drinkhut. Beispielsweise werden Schrittfolgen einstudiert, um Abläufe zu automatisieren. „Die Spieler filmen sich bei den Übungen und laden ihr Ergebnis in der App hoch. Wir können dann korrigieren, indem wir fehlerhafte Stellen einkreisen und den Spielern wieder zur Verfügung stellen“, erklärt der Headcoach. Der Trainingsumfang belaufe sich täglich auf etwa 30 Minuten. „Es ist wichtig, dass alle fit und auf einem Level bleiben. Der Verband hält sich sehr bedeckt, wann es weitergehen soll. Das kann dann auch innerhalb weniger Tage sein“, vermutet Drinkhut. Neben dem Fitnesstraining gibt es zusätzlich theoretische Einheiten per Videokonferenz. „Das klappt hervorragend“, erzählt Drinkhut. Der 28-Jährige freut sich, dass er und seine Mannschaft von ihrem Trägerverein DJK Dom Minden tatkräftig und in jeglicher Hinsicht unterstützt werden. „Das ist einfach super, und das hätten wir auch nicht unbedingt erwartet“, erklärt der Mindener Trainer. Bei aller Euphorie: Ärgerlich sei, dass die in dieser Woche angesetzten Testspiele gegen die höherklassigen Teams aus Oldenburg und Wilhelmshaven ausfielen. „Da hätten wir sehen können, wo wir stehen“, sagt Drinkhut. Dazu kam die Absage für das Trainingslager in Aurich mit 50 Spielern. Aber auch davon lassen sich die Wolves nichtunterkriegen. Sie sind heiß auf die Meisterschaft – die, wann auch immer, starten wird. „Wir haben Riesenfortschritte gemacht. Ich bin mir sicher, dass wir gleich in der ersten Saison oben mitspielen können“, gibt der Headcoach eine optimistische Prognose. Jugend sollte im Frühjahr starten Die Minden Wolves werden eine Jugendabteilung aufbauen. Das steht fest. Einzig: Der Zeitpunkt wird sich aufgrund der Corona-Situation verschieben. „Wir werden schnellstmöglich einen Termin für das offene Training für Jugendliche bekanntgeben“, sagt Headcoach Timo Drinkhut. In Phil Gamble verpflichteten die Wolves einen der besten Running Backs der German Football League der jüngsten Vergangenheit als Jugendkoordinator. Der US-Amerikaner ist mit einer Portanerin verheiratet und hat somit familiäre Bindungen in den Mühlenkreis. Zusammen mit Sebastian Goetzke wird Gamble, der auch noch selbst für die Wolves spielen wird, die Jugendabteilung aufbauen. Die Wolves planen mit ihrem Trägerverein DJK Dom eine Kooperation mit deren Kindergärten. „Kita-Kinder werden ganz behutsam an den Sport herangeführt. Das hat mit American Football im eigentlichen Sinne nichts zu tun. Bewegung, Spiel und Spaß stehen im Vordergrund“, sagt Drinkhut. Vorstellbar für die Wolves ist auch der Aufbau eines Frauen-Footballteams. Timo Drinkhut hat in Hannover selbst Footballerinnen trainiert. Sein Urteil: „Klar, es ist langsamer im Vergleich zu Männern, aber die Mädels sind härter und ziehen immer durch.“ www.football-minden.de (apl)