Minden

Coronavirus: Die Pferdesportler haben das Tierwohl gut im Blick

Sonja Rohlfing und Jörg Wehling

Platz und Bewegung ist wichtig für die Pferde auch in Krisenzeiten.
Platz und Bewegung ist wichtig für die Pferde auch in Krisenzeiten.

Minden. Die Versorgung der Pferde sicher stellen: Das ist für die Verantwortlichen der heimischen Reitsportvereine in Zeiten der Corona-Krise ein wichtiges Anliegen, aber gleichzeitig eine besondere Herausforderung. Wer darf wann in den Stall zu den Pferden unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschriften? Je nach Reitsportangebot des Vereins sind die Probleme unterschiedlich gelagert. Besitzt ein Verein Schulpferde zum Reitunterricht oder hat er Sportpferde, die deutlich häufiger bewegt werden müssen? Ist Voltigieren erlaubt? Und darf man auf öffentlichen Wegen reiten?

„Vom Verband bekommen wir aktuelle Handlungsanweisungen. Wir fühlen uns sehr gut informiert“, sagt Udo Stahl, kaufmännischer Geschäftsführer des Mindener Pferdezucht-, Reit- und Fahrvereins. Mit wirtschaftliche Belastungen hat Stahl auch zu kämpfen, weil der Verein vier Angestellte beschäftigt. „Wir haben Kurzarbeit angezeigt“, berichtet Stahl. 30 private Pferde von sogenannten Einstellern haben auf der Anlage am Mitteldamm ihr Zuhause. „Dieser Betrieb läuft normal weiter. Und es ist jetzt natürlich eine wichtige Einnahmequelle für uns. Den Unterricht haben wir seit Bekanntwerden der Corona-Krise sofort eingestellt“, sagt Stahl.

Thomas Nordhorn, Vereinschef beim RV Ovenstädt MT-Fotos (2): jöw
Thomas Nordhorn, Vereinschef beim RV Ovenstädt MT-Fotos (2): jöw

Besucher haben keinen Zugang mehr. „Sehr gerne waren auch mal Kinder da, die nach den Tieren schauen wollten. Auch das ist vorbei, die Freizügigkeit ist weg“, sagt Stahl. Die sieben Schulpferde werden täglich versorgt. Und um die Tiere zu bewegen ist es erlaubt, die beiden Hallen zu nutzen. Es ist angeordnet, dass in einer 40 mal 20 Meter großen Halle vier Reiter diese nutzen dürfen.

Voltigieren ist derzeit auch nicht möglich.
Voltigieren ist derzeit auch nicht möglich.

Ausfallen müssen natürlich die geplanten Veranstaltungen, wie die Oster-Ferienfreizeit. „Hier hoffen wir aber, dass die Freizeit im Sommer stattfinden kann. Aber wer weiß das schon in diesen Tagen.“ Dass dem Verein eine wirtschaftliche Schieflage droht, glaubt er im Moment noch nicht. „Allenfalls müssten die Mitglieder mit Spenden helfen. Doch so weit ist es noch nicht“, sagt Stahl. Er hofft darauf, dass sich der Betrieb nach dem Ende der Corona-Krise in der zweiten Jahreshälfte schnell normalisiert.

Die Organisatoren des Reitturniers in Hille, hier ein Sprungszene von einem Wettbewerb aus dem vergangenen Jahr, wollen so lange wie möglich mit einer Absage des Sommerturniers warten. Fotos:(2) Sonja Rohlfing
Die Organisatoren des Reitturniers in Hille, hier ein Sprungszene von einem Wettbewerb aus dem vergangenen Jahr, wollen so lange wie möglich mit einer Absage des Sommerturniers warten. Fotos:(2) Sonja Rohlfing

Auch beim Reitverein Hille ist die Anlage für Besucher komplett gesperrt. „Wir haben zudem Listen aufgehängt, wer wann auf der Anlage war, um nachvollziehen zu können, welches Mitglied wann da war“, berichtet Britta Telgheider, die 1. Schriftführerin des Vereins. Auch hier läuft das Pensionsgeschäft weiter, 17 der 19 Boxen sind vermietet. Um diese Pferde kümmern sich die Eigentümer.

Gedanken machen sich die Hiller Reiter, ob ihr Sommerturnier, eine der größten Pferdesportveranstaltungen in der Region, stattfinden kann. „Wir wollen bis zu dem letztmöglichen Termin warten, damit keine Kosten für uns aber auch für die Teilnehmer entstehen“, sagt Telgheider und konkretisiert: „Bis vier Wochen vor dem Turnier können wir das entscheiden. Geplant ist das Sommerturnier für den 5. bis 7. Juni. Die erste Veranstaltung im März, ein Vereinsturnier, musste abgesagt werden. Große Personalkosten durch die Bewirtschaftung der Anlage in der Leiwkenstadt haben die Hiller kaum. Nur der Futtermeister arbeitet auf Minijob-Basis.

Alle erdenkliche Vorsorgen getroffen haben auch die Verantwortlichen des Portaner Reit- und Fahrvereins Großer Weserbogen in Lohfeld. Neben dem Reitunterricht fällt auch das Voltigiertraining aus. „Voltigieren ist Mannschaftssport und damit nicht möglich“, sagt Jana Böke, die im Beirat des Vorstandes und in der Turnierorganisation ist. Ob das Turnier, geplant vom 8. bis 10. Mai, stattfindet, entscheiden die Portaner Reiter kurzfristig. „Abgesagt ist das Turnier noch nicht. Spätestens am 23. April müssen wir entscheiden“, sagt Böke.

Gut versorgt sind auch die Portaner Pferde, die auf der Anlage untergestellt sind. Die Schulpferde werden von den Reitschülern und einem Elternteil bewegt. Auch Ausritte auf öffentlichen Wegen sind erlaubt. „Die Tiere brauchen viel freie Bewegung. Der Verband sagt, dass Ausreiten wie Joggen bewertet wird“, sagt Böke. Zu einer artgerechten Versorgung der Pferde gehört täglich mehrstündige freie und kontrollierte Bewegung. Gemeint ist damit ein Mix aus Auslauf auf dem Paddock oder der Weide sowie Training unter dem Sattel oder an der Longe. Das hat auch das NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in einem Leitfaden anerkannt. Kein Leistungssportler würde sein Pensum von jetzt auf gleich auf Null herunterfahren.

„Wir sparen, wo wir können“, berichtet Thomas Nordhorn, 1. Vorsitzender des RV Ovenstädt. Seinen Verein sieht er gewappnet, zumal sich die Kostenseite kaum geändert hat. Die Halle ist offen für Mitglieder, die ihr Pferd bewegen wollen, der Publikumsverkehr ist eingestellt.

Eine zentrale Vereinsveranstaltung hat Nordhorn dennoch absagen müssen. „Wir wollten zu unserem 50. Bestehen eine große Feier im Juni ausrichten. Das lassen wir lieber. Jetzt konnten wir noch das bestellte Zelt kostenlos absagen.“ Verstärkt trainieren kann einer der herausragenden Springreiter der Region aber auch nicht. Ist er doch bei einem Pharmaunternehmen beschäftigt. Und das hat derzeit Hochkonjunktur.

Ausgangssperre

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) vertritt die Position, dass - falls weitere Ausgangsbeschränkungen erlassen werden - die Fütterung, Stallpflege und Gesundheitskontrolle, aber auch die Behandlung durch einen Tierarzt und Hufschmied sowie die tägliche Bewegung der Pferde sichergestellt werden muss – unter Berücksichtigung der gesetzlichen Hygienemaßnahmen zum Infektionsschutz. Zu dieser Position hatte sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Laufe der Woche positiv geäußert. Eine bundesweite Regelung gibt es aber nicht. Das NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz hat bereits einen Leitfaden herausgegeben. „Es muss klar sein, dass er keinesfalls die bestehenden Beschränkungen aufhebt”, heißt es auf der Homepage des Pferdesportverband Westfalen. (sr)

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MindenCoronavirus: Die Pferdesportler haben das Tierwohl gut im BlickJörg Wehling,Sonja RohlfingMinden. Die Versorgung der Pferde sicher stellen: Das ist für die Verantwortlichen der heimischen Reitsportvereine in Zeiten der Corona-Krise ein wichtiges Anliegen, aber gleichzeitig eine besondere Herausforderung. Wer darf wann in den Stall zu den Pferden unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschriften? Je nach Reitsportangebot des Vereins sind die Probleme unterschiedlich gelagert. Besitzt ein Verein Schulpferde zum Reitunterricht oder hat er Sportpferde, die deutlich häufiger bewegt werden müssen? Ist Voltigieren erlaubt? Und darf man auf öffentlichen Wegen reiten? „Vom Verband bekommen wir aktuelle Handlungsanweisungen. Wir fühlen uns sehr gut informiert“, sagt Udo Stahl, kaufmännischer Geschäftsführer des Mindener Pferdezucht-, Reit- und Fahrvereins. Mit wirtschaftliche Belastungen hat Stahl auch zu kämpfen, weil der Verein vier Angestellte beschäftigt. „Wir haben Kurzarbeit angezeigt“, berichtet Stahl. 30 private Pferde von sogenannten Einstellern haben auf der Anlage am Mitteldamm ihr Zuhause. „Dieser Betrieb läuft normal weiter. Und es ist jetzt natürlich eine wichtige Einnahmequelle für uns. Den Unterricht haben wir seit Bekanntwerden der Corona-Krise sofort eingestellt“, sagt Stahl. Besucher haben keinen Zugang mehr. „Sehr gerne waren auch mal Kinder da, die nach den Tieren schauen wollten. Auch das ist vorbei, die Freizügigkeit ist weg“, sagt Stahl. Die sieben Schulpferde werden täglich versorgt. Und um die Tiere zu bewegen ist es erlaubt, die beiden Hallen zu nutzen. Es ist angeordnet, dass in einer 40 mal 20 Meter großen Halle vier Reiter diese nutzen dürfen. Ausfallen müssen natürlich die geplanten Veranstaltungen, wie die Oster-Ferienfreizeit. „Hier hoffen wir aber, dass die Freizeit im Sommer stattfinden kann. Aber wer weiß das schon in diesen Tagen.“ Dass dem Verein eine wirtschaftliche Schieflage droht, glaubt er im Moment noch nicht. „Allenfalls müssten die Mitglieder mit Spenden helfen. Doch so weit ist es noch nicht“, sagt Stahl. Er hofft darauf, dass sich der Betrieb nach dem Ende der Corona-Krise in der zweiten Jahreshälfte schnell normalisiert. Auch beim Reitverein Hille ist die Anlage für Besucher komplett gesperrt. „Wir haben zudem Listen aufgehängt, wer wann auf der Anlage war, um nachvollziehen zu können, welches Mitglied wann da war“, berichtet Britta Telgheider, die 1. Schriftführerin des Vereins. Auch hier läuft das Pensionsgeschäft weiter, 17 der 19 Boxen sind vermietet. Um diese Pferde kümmern sich die Eigentümer. Gedanken machen sich die Hiller Reiter, ob ihr Sommerturnier, eine der größten Pferdesportveranstaltungen in der Region, stattfinden kann. „Wir wollen bis zu dem letztmöglichen Termin warten, damit keine Kosten für uns aber auch für die Teilnehmer entstehen“, sagt Telgheider und konkretisiert: „Bis vier Wochen vor dem Turnier können wir das entscheiden. Geplant ist das Sommerturnier für den 5. bis 7. Juni. Die erste Veranstaltung im März, ein Vereinsturnier, musste abgesagt werden. Große Personalkosten durch die Bewirtschaftung der Anlage in der Leiwkenstadt haben die Hiller kaum. Nur der Futtermeister arbeitet auf Minijob-Basis. Alle erdenkliche Vorsorgen getroffen haben auch die Verantwortlichen des Portaner Reit- und Fahrvereins Großer Weserbogen in Lohfeld. Neben dem Reitunterricht fällt auch das Voltigiertraining aus. „Voltigieren ist Mannschaftssport und damit nicht möglich“, sagt Jana Böke, die im Beirat des Vorstandes und in der Turnierorganisation ist. Ob das Turnier, geplant vom 8. bis 10. Mai, stattfindet, entscheiden die Portaner Reiter kurzfristig. „Abgesagt ist das Turnier noch nicht. Spätestens am 23. April müssen wir entscheiden“, sagt Böke. Gut versorgt sind auch die Portaner Pferde, die auf der Anlage untergestellt sind. Die Schulpferde werden von den Reitschülern und einem Elternteil bewegt. Auch Ausritte auf öffentlichen Wegen sind erlaubt. „Die Tiere brauchen viel freie Bewegung. Der Verband sagt, dass Ausreiten wie Joggen bewertet wird“, sagt Böke. Zu einer artgerechten Versorgung der Pferde gehört täglich mehrstündige freie und kontrollierte Bewegung. Gemeint ist damit ein Mix aus Auslauf auf dem Paddock oder der Weide sowie Training unter dem Sattel oder an der Longe. Das hat auch das NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in einem Leitfaden anerkannt. Kein Leistungssportler würde sein Pensum von jetzt auf gleich auf Null herunterfahren. „Wir sparen, wo wir können“, berichtet Thomas Nordhorn, 1. Vorsitzender des RV Ovenstädt. Seinen Verein sieht er gewappnet, zumal sich die Kostenseite kaum geändert hat. Die Halle ist offen für Mitglieder, die ihr Pferd bewegen wollen, der Publikumsverkehr ist eingestellt. Eine zentrale Vereinsveranstaltung hat Nordhorn dennoch absagen müssen. „Wir wollten zu unserem 50. Bestehen eine große Feier im Juni ausrichten. Das lassen wir lieber. Jetzt konnten wir noch das bestellte Zelt kostenlos absagen.“ Verstärkt trainieren kann einer der herausragenden Springreiter der Region aber auch nicht. Ist er doch bei einem Pharmaunternehmen beschäftigt. Und das hat derzeit Hochkonjunktur. Ausgangssperre Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) vertritt die Position, dass - falls weitere Ausgangsbeschränkungen erlassen werden - die Fütterung, Stallpflege und Gesundheitskontrolle, aber auch die Behandlung durch einen Tierarzt und Hufschmied sowie die tägliche Bewegung der Pferde sichergestellt werden muss – unter Berücksichtigung der gesetzlichen Hygienemaßnahmen zum Infektionsschutz. Zu dieser Position hatte sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Laufe der Woche positiv geäußert. Eine bundesweite Regelung gibt es aber nicht. Das NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz hat bereits einen Leitfaden herausgegeben. „Es muss klar sein, dass er keinesfalls die bestehenden Beschränkungen aufhebt”, heißt es auf der Homepage des Pferdesportverband Westfalen. (sr)