Porta Westfalica

Lebensader ist gekappt: TuS 09 Möllbergen fürchtet finanzielle Schieflage

Astrid Plaßhenrich

Das Vereinszentrum des TuS 09 Möllbergen ist sowohl sportliches als auch kulturelles Herz des Dorflebens. MT-Fotos: Sebastian Külbeln
Das Vereinszentrum des TuS 09 Möllbergen ist sowohl sportliches als auch kulturelles Herz des Dorflebens. MT-Fotos: Sebastian Külbeln

Porta Westfalica. Es war ein Kraftakt. Knapp 100 ehrenamtliche Helfer haben mit unermüdlichen Einsatz und unter enormen Anstrengungen das schmucke Vereinszentrum des TuS 09 Möllbergen hochgezogen. Die Planungen dauerten mehrere Jahre, das Grundstück kaufte der TuS im Juli 2013, die Einweihung des 2,4-Millionen-Euro-Projekts erfolgte Mitte Februar 2015. Während der Bauphase waren große Hürden zu nehmen, immer wieder mussten kleinere und größere Steine aus dem Weg geräumt werden. Dieser Einsatz hat sich gelohnt: In den vergangenen fünf Jahren war das Vereinszentrum der Mittelpunkt des Möllberger Dorflebens. Doch jetzt steht alles still – der Corona-Virus. Und der Vereinsvorsitzende Karl–Wilhelm Stolze fürchtet: „Wenn die Krise mehrere Monate anhält, bekommen wir massive finanzielle Probleme.“

Stolze will seine etwa 950 Mitglieder nicht verunsichern. „Der Wert des Vereinszentrums ist gestiegen“, sagt er und schätzt ihn nun auf etwa 3,5 Millionen Euro. Trotzdem will der Vorsitzende auf die prekäre Situation aufmerksam machen, sensibilisieren. Stolze hat mit seinen Vorstandskollegen bereits gesprochen, Szenarien durchgespielt und Möglichkeiten abgewogen.

Die Plätze in der Sparkassen-Arena bleiben in den kommenden Wochen leer.
Die Plätze in der Sparkassen-Arena bleiben in den kommenden Wochen leer.

Die Probleme: Die Kredite laufen noch, zudem muss der Verein monatliche Betriebskosten zahlen. Gleichzeitig bleiben Einnahmen – beispielsweise durch Vermietung des Foyers für private Feiern oder durch Ausbleiben des umfangreichen Kursangebots – aus. Dazu macht sich Stolze Sorgen, dass Sponsoren abspringen, Spenden nicht mehr eingehen. „Unternehmen haben aktuell andere Probleme zu lösen, die wirtschaftliche Lage ist unüberschaubar. Sportsponsoring wird in der Agenda an letzter Stelle stehen“, ist sich der Vorsitzende sicher.

Weitere Einnahmequellen des TuS sind Konzerte, die Nutzungsgebühren anderer Vereine, aber auch das große Kinderspielfest oder der Triathlon im Juli. „Ob der ausgetragen werden kann, weiß schließlich auch niemand“, sagt Karl-Wilhelm Stolze. Bereits nach wenigen Monaten Stillstand könne eine finanzielle Schieflage eintreten.

Fakt ist: Die Infrastruktur kann unmöglich nur mit den Mitgliedsbeiträgen am Laufen gehalten werden. „Ein Tilgungsaufschub wäre die erste Möglichkeit“, erklärt Stolze, „was uns aber überhaupt nichts bringt, ist ein weiterer Kredit.“ Ob es finanzielle Hilfen von Bund oder Land für Sportvereine geben wird, wird bislang nicht diskutiert. Das schlimmste Szenario wäre ein Notverkauf des Vereinszentrums – diese letzte Möglichkeit ist noch sehr weit weg. Aber Stolze ist Realist, denkt in alle Richtungen und denkt vor allem auch lange Wege zu Ende. Wie seine Vorstandskollegen lautet seine oberste Priorität, stets im Sinne des Klubs und der Dorfgemeinschaft zu handeln.

Schließlich hat der TuS 09 Möllbergen zusammen mit den etwa 1600 Bürgern 2012 nach der Schließung der Grundschule ein großes Ziel in Angriff genommen. „Wir wollten das Dorf mit Leben füllen, attraktiv für junge Familien bleiben“, sagt Stolze. Genau das hat der Verein mit großer Eigeninitiative geschafft. „Wir sind ein Schmelztiegel der Generationen“, meint der Vorsitzende nicht ohne Stolz.

Der TuS hat sich und sein Vereinszentrum in den vergangenen fünf Jahren immer weiterentwickelt. Erst Ende Januar stellte der Verein seinen neues Angebot „Senior Cycling 60+“ vor, eine Variante des Indoor-Cyclings, die sich an Sportler über 60 Jahre richtet. „Unsere Überlegungen gingen dahin, einen dritten Kursraum einzurichten, um unser Angebot noch weiter auszubauen“, erklärt Stolze die „Vor-Corona-Planung“. Die ist nun hinfällig, die Lebensader gekappt. Dazu fragt sich der Vorsitzende, ob nach Eindämmung der Pandemie alle Kurse direkt wieder starten. „Natürlich wünschen wir uns das, und wir hoffen, dass die Menschen dann wieder Sport in der Gemeinschaft treiben möchten. Aber wissen, tun wir es nicht“, sagt der Vorsitzende und meint: „Wir haben beim Bau des Zentrums bereits viel von unseren Mitgliedern und Bürgern verlangt. Die Solidarität war damals außerordentlich groß. Vielleicht müssen wir an diese noch einmal appellieren“, sieht Stolze verhalten optimistisch in die Zukunft.

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Porta WestfalicaLebensader ist gekappt: TuS 09 Möllbergen fürchtet finanzielle SchieflageAstrid PlaßhenrichPorta Westfalica. Es war ein Kraftakt. Knapp 100 ehrenamtliche Helfer haben mit unermüdlichen Einsatz und unter enormen Anstrengungen das schmucke Vereinszentrum des TuS 09 Möllbergen hochgezogen. Die Planungen dauerten mehrere Jahre, das Grundstück kaufte der TuS im Juli 2013, die Einweihung des 2,4-Millionen-Euro-Projekts erfolgte Mitte Februar 2015. Während der Bauphase waren große Hürden zu nehmen, immer wieder mussten kleinere und größere Steine aus dem Weg geräumt werden. Dieser Einsatz hat sich gelohnt: In den vergangenen fünf Jahren war das Vereinszentrum der Mittelpunkt des Möllberger Dorflebens. Doch jetzt steht alles still – der Corona-Virus. Und der Vereinsvorsitzende Karl–Wilhelm Stolze fürchtet: „Wenn die Krise mehrere Monate anhält, bekommen wir massive finanzielle Probleme.“ Stolze will seine etwa 950 Mitglieder nicht verunsichern. „Der Wert des Vereinszentrums ist gestiegen“, sagt er und schätzt ihn nun auf etwa 3,5 Millionen Euro. Trotzdem will der Vorsitzende auf die prekäre Situation aufmerksam machen, sensibilisieren. Stolze hat mit seinen Vorstandskollegen bereits gesprochen, Szenarien durchgespielt und Möglichkeiten abgewogen. Die Probleme: Die Kredite laufen noch, zudem muss der Verein monatliche Betriebskosten zahlen. Gleichzeitig bleiben Einnahmen – beispielsweise durch Vermietung des Foyers für private Feiern oder durch Ausbleiben des umfangreichen Kursangebots – aus. Dazu macht sich Stolze Sorgen, dass Sponsoren abspringen, Spenden nicht mehr eingehen. „Unternehmen haben aktuell andere Probleme zu lösen, die wirtschaftliche Lage ist unüberschaubar. Sportsponsoring wird in der Agenda an letzter Stelle stehen“, ist sich der Vorsitzende sicher. Weitere Einnahmequellen des TuS sind Konzerte, die Nutzungsgebühren anderer Vereine, aber auch das große Kinderspielfest oder der Triathlon im Juli. „Ob der ausgetragen werden kann, weiß schließlich auch niemand“, sagt Karl-Wilhelm Stolze. Bereits nach wenigen Monaten Stillstand könne eine finanzielle Schieflage eintreten. Fakt ist: Die Infrastruktur kann unmöglich nur mit den Mitgliedsbeiträgen am Laufen gehalten werden. „Ein Tilgungsaufschub wäre die erste Möglichkeit“, erklärt Stolze, „was uns aber überhaupt nichts bringt, ist ein weiterer Kredit.“ Ob es finanzielle Hilfen von Bund oder Land für Sportvereine geben wird, wird bislang nicht diskutiert. Das schlimmste Szenario wäre ein Notverkauf des Vereinszentrums – diese letzte Möglichkeit ist noch sehr weit weg. Aber Stolze ist Realist, denkt in alle Richtungen und denkt vor allem auch lange Wege zu Ende. Wie seine Vorstandskollegen lautet seine oberste Priorität, stets im Sinne des Klubs und der Dorfgemeinschaft zu handeln. Schließlich hat der TuS 09 Möllbergen zusammen mit den etwa 1600 Bürgern 2012 nach der Schließung der Grundschule ein großes Ziel in Angriff genommen. „Wir wollten das Dorf mit Leben füllen, attraktiv für junge Familien bleiben“, sagt Stolze. Genau das hat der Verein mit großer Eigeninitiative geschafft. „Wir sind ein Schmelztiegel der Generationen“, meint der Vorsitzende nicht ohne Stolz. Der TuS hat sich und sein Vereinszentrum in den vergangenen fünf Jahren immer weiterentwickelt. Erst Ende Januar stellte der Verein seinen neues Angebot „Senior Cycling 60+“ vor, eine Variante des Indoor-Cyclings, die sich an Sportler über 60 Jahre richtet. „Unsere Überlegungen gingen dahin, einen dritten Kursraum einzurichten, um unser Angebot noch weiter auszubauen“, erklärt Stolze die „Vor-Corona-Planung“. Die ist nun hinfällig, die Lebensader gekappt. Dazu fragt sich der Vorsitzende, ob nach Eindämmung der Pandemie alle Kurse direkt wieder starten. „Natürlich wünschen wir uns das, und wir hoffen, dass die Menschen dann wieder Sport in der Gemeinschaft treiben möchten. Aber wissen, tun wir es nicht“, sagt der Vorsitzende und meint: „Wir haben beim Bau des Zentrums bereits viel von unseren Mitgliedern und Bürgern verlangt. Die Solidarität war damals außerordentlich groß. Vielleicht müssen wir an diese noch einmal appellieren“, sieht Stolze verhalten optimistisch in die Zukunft.