Hille

100 Jahre und kein bisschen müde: TV Sachsenross Hille feiert Jubiläum

Birgit Kaupmann

Mitglieder der Turn-Abteilung bei ihren Darbietungen im Rahmen des „Bunden Abends“ im Jahr 1954.
Mitglieder der Turn-Abteilung bei ihren Darbietungen im Rahmen des „Bunden Abends“ im Jahr 1954.

Hille. Als am 17. Februar 1920 17 junge Männer den „MTV Sachsenroß Hille e.V.“ gründen, ahnt noch niemand, welche sportliche Bedeutung der Verein später einmal haben wird. 100 Jahre später ist der Klub aus dem Gemeindeleben und der sportlichen Erfolgsgeschichte des Kreises Minden-Lübbecke nicht mehr wegzudenken.

Der schwierige Start wird in der Chronik zum 30-jährigen Bestehen so beschrieben: „Es fehlte an allem, was zum Turnbetrieb normalerweise hinzugehört. Es war kein Barren da, ein Reck schon lange nicht, und um das alles fertig kaufen zu können, dazu fehlte es an Geld, das im erforderlichen Umfange nicht vorhanden war. So wurde es im Wege der Selbsthilfe versucht. Bei der Firma Meyer wurde Alteisen organisiert, in der Schlosserei Krüger wurde dies und jenes Eisenstück abgedreht und beim Schmied Gerling wurde der Barren in Eigenarbeit „gebaut“. Dieser Barren war sogar so dauerhaft, dass, als später einer gekauft werden konnte, dieser selbstgebaute der Schule überlassen werden konnte. Das erste Reck entstand in ähnlicher Weise.“

Das legendäre Handball-Oberliga-Team mit Christian Reimler (links), Frido Gast (oben, Zweiter von rechts) und Helmut Rüter (unten Mitte). Fotos: pr
Das legendäre Handball-Oberliga-Team mit Christian Reimler (links), Frido Gast (oben, Zweiter von rechts) und Helmut Rüter (unten Mitte). Fotos: pr

Geturnt wird anfangs auf der Deele des Vereinswirtes, und als der Platz nicht mehr reicht, bei Bauer Buhrmester („Bürmes“) in der Scheune. Der Verein wächst. Bereits 1921 gibt es ein erstes Schwimmfest im Mittellandkanal, 1923 gründet sich eine später sehr erfolgreiche Schlagballmannschaft, und 1928 kommen die ersten Frauen ins Spiel.

Fröhliche Mienen waren beim Richtfest des Tennisheimes im Jahr 1985 zu sehen. Die Abteilung hat seitdem zahlreiche Erfolge gefeiert.
Fröhliche Mienen waren beim Richtfest des Tennisheimes im Jahr 1985 zu sehen. Die Abteilung hat seitdem zahlreiche Erfolge gefeiert.

1930 wird die Handballabteilung gegründet. Die Großfeld-Handballspiele sind jedes Mal ein sportliches Highlight mit 300 bis 400 Zuschauern. Man liest 1935 von Spielen gegen MSV Hindenburg Minden – damals das Nonplusultra im Handball. Sportlich geht es nur nach oben – bis Nazi-Diktatur und Krieg dem Ganzen ein böses Ende setzen. Der Neuanfang im Handball gelingt danach schnell. Trikots und Bälle allerdings sind schwer zu bekommen. Die damalige Währung: ein Handball gegen 250 Eier. Schon 1952 gelingt der Aufstieg in die höchste Spielklasse, die Oberliga. Auswärtsfahrten werden zum Abenteuer. Die damalige Mannschaft um Betreuer Christian Reimler und Torwart Helmut Rüter verbindet auch nach der aktiven Zeit eine lebenslange Freundschaft.

In den 1950er-Jahren sorgen außerdem wichtige Vereinssparten für Furore: Turnen, Volkstanz und Laienspiel. Zum Kreisturnfest in Dankersen reist der TV Sachsenross mit 150 Mitgliedern im Sonderzug an. Einen wichtigen Meilenstein setzt der Verein 1956 mit dem Erwerb der vereinseigenen Sporthalle, dem ehemaligen „Kutscheid'schen Saal“. Bis zum Neubau der Gesamtschule mit Sportzentrum 1981 spielt sich das Vereinsleben – sowohl sportlich als auch gesellig – hier ab.

1960 beginnt die fast 30-jährige Ära Rüter. Für Helmut Rüter ist seine „Sachsenross-Familie“ eine Herzensangelegenheit. Mit Hilfe einiger treuer Weggefährten versteht er es, Menschen zu motivieren und Dinge voranzubringen. Legendär ist das Freundschaftsspiel gegen Dukla Prag 1963 in der Paderborner Paderhalle: Gegen den Europapokalsieger wachsen die Sachsenrösser über sich hinaus und verlieren „nur“ 16:19. In den 1960er-Jahren ist zudem ein großer Zulauf in der Leichtathletiksparte zu verzeichnen. Helmut Neumann trainiert, motiviert und sorgt für sportliche Erfolge.

Die 1970er-Jahre sind geprägt vom Entstehen der Turnabteilung. Dieter Schwenker ist der Motor: Mit einem kleinen Helferteam steht er wöchentlich mehrmals mit bis zu 80 Kindern in der Halle. Das Wettkampfturnen startet für Mädchen und Jungen, es werden jährlich Turnfreizeiten angeboten und Übungsleiter/innen angeworben. Die Abteilung wächst und ist heute die zahlenmäßig größte im Verein.

1976 erlebt die Tischtennis-Sparte mit „Männe“ Lange ihre Wiedergeburt (nach einem kurzen Aufflackern in den 1950er-Jahren) und entwickelt sich stetig weiter – bis heute. In den 1980er-Jahren bewegt sich viel nach vorne: Der „weiße Sport“ erobert Hille. 1981 gründet sich die Tennisabteilung. Sie beginnt mit zwei Plätzen und einer Bauhütte als Aufenthaltsraum. Schon 1985 kann das vereinseigene Tennisheim bezogen werden. Heute wird auf vier Plätzen vom Freizeit- bis zum Turniersport gespielt.

Ein weiterer Höhepunkt der Vereinsgeschichte ist der Durchmarsch der Handball-Männermannschaft von der Verbandsliga (1985) über die Oberliga (1986) bis in die Regionalliga (1987). Unvergessen ist das entscheidende Spiel gegen Klassenpartner GWD Minden II in Dankersen, das mit dem Einsatz eines Sonderzuges und Begleitung durch den Musikzug Viktoria Hille zelebriert wurde. Allerdings ist das Team mit lauter unbezahlten „Eigengewächsen“ ein Exot in der Liga. Auch die Jugendarbeit ist in dieser Zeit sehr erfolgreich – die Hiller spielen mehrmals um Westfalenmeisterschaft mit. Vater des Erfolges ist Jugendtrainer Ulli Mülken.

Von den 1990er-Jahren an zeigt der TV Sachsenross sich bunt und kreativ. Mit mehreren „Sportmusicals“ präsentieren die einzelnen Gruppen ihr Leistungsspektrum, unterhaltsam in eine Geschichte verpackt und aufwendig mit Licht und Ton in Szene gesetzt. „Cats“ machte 1998 den Anfang, „Lili“ (2002) und „Diamonds“ (2008) schlossen sich an. Heute und morgen wird „Die blau-weiße Zeitreise“ in der Aula der Verbundschule aufgeführt. Alle drei Vorstellungen sind seit Wochen ausverkauft.

Mit dem Start in das neue Millennium nimmt der Breiten- und Gesundheitssport einen immer größeren Raum ein. Viele Gruppen fördern Fitness und Beweglichkeit. Zwei große Radfahrgruppen, die Männergruppe „Krummer Rücken“, die gemischte Gruppe „Fit ab 55“, zwei Frauenfitness- und Gymnastikgruppen und mehrere Kursangebote ermöglichen jedem, im Rahmen seiner Möglichkeiten bis ins hohe Alter sportlich aktiv zu sein. Zudem gibt es neben den Hauptsparten Handball, Tennis, Tischtennis und Turnen Angebote in der Leichtathletik, im Judo, sowie die Möglichkeit, das Sportabzeichen abzulegen.

Aus den 17 Gründern sind bis heute mehr als 1.000 Mitglieder geworden, viele Erfolge wurden gefeiert, aber auch Misserfolge und Niederlagen weggesteckt. Heute Abend um 19 Uhr wird das Jubiläum erst einmal mit einem Festakt in der Aula der Verbundschule Hille gefeiert.

Birgit Kaupmann ist engagiertes Vereinsmitglied des TV Hille und Mitorganisatorin der Sportmusicals.

Weitere Events zum Jubiläum 22./23. Februar 2020: Turn-/Breitensportabteilung mit dem Sportmusical „Die blau-weiße Zeitreise“ 16. Mai 2020: „Tag des Handballs“ der Handball-Abteilung mit diversen Einlagespielen 22. August 2020: „Tag der offenen Tür“ der Tennis-Abteilung Erstmals sucht der TV Hille den Vereinsmeister, der in allen vier Hauptsparten sein Können zeigen muss Ein eigenes Stickeralbum in Kooperation mit den Stickerstars Berlin wird angeboten Ein Vereinsfrühstück und eine besondere Feier für die Mitglieder

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Hille100 Jahre und kein bisschen müde: TV Sachsenross Hille feiert JubiläumBirgit KaupmannHille. Als am 17. Februar 1920 17 junge Männer den „MTV Sachsenroß Hille e.V.“ gründen, ahnt noch niemand, welche sportliche Bedeutung der Verein später einmal haben wird. 100 Jahre später ist der Klub aus dem Gemeindeleben und der sportlichen Erfolgsgeschichte des Kreises Minden-Lübbecke nicht mehr wegzudenken. Der schwierige Start wird in der Chronik zum 30-jährigen Bestehen so beschrieben: „Es fehlte an allem, was zum Turnbetrieb normalerweise hinzugehört. Es war kein Barren da, ein Reck schon lange nicht, und um das alles fertig kaufen zu können, dazu fehlte es an Geld, das im erforderlichen Umfange nicht vorhanden war. So wurde es im Wege der Selbsthilfe versucht. Bei der Firma Meyer wurde Alteisen organisiert, in der Schlosserei Krüger wurde dies und jenes Eisenstück abgedreht und beim Schmied Gerling wurde der Barren in Eigenarbeit „gebaut“. Dieser Barren war sogar so dauerhaft, dass, als später einer gekauft werden konnte, dieser selbstgebaute der Schule überlassen werden konnte. Das erste Reck entstand in ähnlicher Weise.“ Geturnt wird anfangs auf der Deele des Vereinswirtes, und als der Platz nicht mehr reicht, bei Bauer Buhrmester („Bürmes“) in der Scheune. Der Verein wächst. Bereits 1921 gibt es ein erstes Schwimmfest im Mittellandkanal, 1923 gründet sich eine später sehr erfolgreiche Schlagballmannschaft, und 1928 kommen die ersten Frauen ins Spiel. 1930 wird die Handballabteilung gegründet. Die Großfeld-Handballspiele sind jedes Mal ein sportliches Highlight mit 300 bis 400 Zuschauern. Man liest 1935 von Spielen gegen MSV Hindenburg Minden – damals das Nonplusultra im Handball. Sportlich geht es nur nach oben – bis Nazi-Diktatur und Krieg dem Ganzen ein böses Ende setzen. Der Neuanfang im Handball gelingt danach schnell. Trikots und Bälle allerdings sind schwer zu bekommen. Die damalige Währung: ein Handball gegen 250 Eier. Schon 1952 gelingt der Aufstieg in die höchste Spielklasse, die Oberliga. Auswärtsfahrten werden zum Abenteuer. Die damalige Mannschaft um Betreuer Christian Reimler und Torwart Helmut Rüter verbindet auch nach der aktiven Zeit eine lebenslange Freundschaft. In den 1950er-Jahren sorgen außerdem wichtige Vereinssparten für Furore: Turnen, Volkstanz und Laienspiel. Zum Kreisturnfest in Dankersen reist der TV Sachsenross mit 150 Mitgliedern im Sonderzug an. Einen wichtigen Meilenstein setzt der Verein 1956 mit dem Erwerb der vereinseigenen Sporthalle, dem ehemaligen „Kutscheid'schen Saal“. Bis zum Neubau der Gesamtschule mit Sportzentrum 1981 spielt sich das Vereinsleben – sowohl sportlich als auch gesellig – hier ab. 1960 beginnt die fast 30-jährige Ära Rüter. Für Helmut Rüter ist seine „Sachsenross-Familie“ eine Herzensangelegenheit. Mit Hilfe einiger treuer Weggefährten versteht er es, Menschen zu motivieren und Dinge voranzubringen. Legendär ist das Freundschaftsspiel gegen Dukla Prag 1963 in der Paderborner Paderhalle: Gegen den Europapokalsieger wachsen die Sachsenrösser über sich hinaus und verlieren „nur“ 16:19. In den 1960er-Jahren ist zudem ein großer Zulauf in der Leichtathletiksparte zu verzeichnen. Helmut Neumann trainiert, motiviert und sorgt für sportliche Erfolge. Die 1970er-Jahre sind geprägt vom Entstehen der Turnabteilung. Dieter Schwenker ist der Motor: Mit einem kleinen Helferteam steht er wöchentlich mehrmals mit bis zu 80 Kindern in der Halle. Das Wettkampfturnen startet für Mädchen und Jungen, es werden jährlich Turnfreizeiten angeboten und Übungsleiter/innen angeworben. Die Abteilung wächst und ist heute die zahlenmäßig größte im Verein. 1976 erlebt die Tischtennis-Sparte mit „Männe“ Lange ihre Wiedergeburt (nach einem kurzen Aufflackern in den 1950er-Jahren) und entwickelt sich stetig weiter – bis heute. In den 1980er-Jahren bewegt sich viel nach vorne: Der „weiße Sport“ erobert Hille. 1981 gründet sich die Tennisabteilung. Sie beginnt mit zwei Plätzen und einer Bauhütte als Aufenthaltsraum. Schon 1985 kann das vereinseigene Tennisheim bezogen werden. Heute wird auf vier Plätzen vom Freizeit- bis zum Turniersport gespielt. Ein weiterer Höhepunkt der Vereinsgeschichte ist der Durchmarsch der Handball-Männermannschaft von der Verbandsliga (1985) über die Oberliga (1986) bis in die Regionalliga (1987). Unvergessen ist das entscheidende Spiel gegen Klassenpartner GWD Minden II in Dankersen, das mit dem Einsatz eines Sonderzuges und Begleitung durch den Musikzug Viktoria Hille zelebriert wurde. Allerdings ist das Team mit lauter unbezahlten „Eigengewächsen“ ein Exot in der Liga. Auch die Jugendarbeit ist in dieser Zeit sehr erfolgreich – die Hiller spielen mehrmals um Westfalenmeisterschaft mit. Vater des Erfolges ist Jugendtrainer Ulli Mülken. Von den 1990er-Jahren an zeigt der TV Sachsenross sich bunt und kreativ. Mit mehreren „Sportmusicals“ präsentieren die einzelnen Gruppen ihr Leistungsspektrum, unterhaltsam in eine Geschichte verpackt und aufwendig mit Licht und Ton in Szene gesetzt. „Cats“ machte 1998 den Anfang, „Lili“ (2002) und „Diamonds“ (2008) schlossen sich an. Heute und morgen wird „Die blau-weiße Zeitreise“ in der Aula der Verbundschule aufgeführt. Alle drei Vorstellungen sind seit Wochen ausverkauft. Mit dem Start in das neue Millennium nimmt der Breiten- und Gesundheitssport einen immer größeren Raum ein. Viele Gruppen fördern Fitness und Beweglichkeit. Zwei große Radfahrgruppen, die Männergruppe „Krummer Rücken“, die gemischte Gruppe „Fit ab 55“, zwei Frauenfitness- und Gymnastikgruppen und mehrere Kursangebote ermöglichen jedem, im Rahmen seiner Möglichkeiten bis ins hohe Alter sportlich aktiv zu sein. Zudem gibt es neben den Hauptsparten Handball, Tennis, Tischtennis und Turnen Angebote in der Leichtathletik, im Judo, sowie die Möglichkeit, das Sportabzeichen abzulegen. Aus den 17 Gründern sind bis heute mehr als 1.000 Mitglieder geworden, viele Erfolge wurden gefeiert, aber auch Misserfolge und Niederlagen weggesteckt. Heute Abend um 19 Uhr wird das Jubiläum erst einmal mit einem Festakt in der Aula der Verbundschule Hille gefeiert. Birgit Kaupmann ist engagiertes Vereinsmitglied des TV Hille und Mitorganisatorin der Sportmusicals. Weitere Events zum Jubiläum 22./23. Februar 2020: Turn-/Breitensportabteilung mit dem Sportmusical „Die blau-weiße Zeitreise“ 16. Mai 2020: „Tag des Handballs“ der Handball-Abteilung mit diversen Einlagespielen 22. August 2020: „Tag der offenen Tür“ der Tennis-Abteilung Erstmals sucht der TV Hille den Vereinsmeister, der in allen vier Hauptsparten sein Können zeigen muss Ein eigenes Stickeralbum in Kooperation mit den Stickerstars Berlin wird angeboten Ein Vereinsfrühstück und eine besondere Feier für die Mitglieder