Minden

Deutsche Meister von 1968 lassen den Tischfußball in Minden auferstehen

Fabian Terwey

Am Drücker: Der SV 1860 Minden lässt den Tischfußball wieder aufleben. Dafür sorgen die Abteilungsleiter Horst Petersen (von links) und Herbert Hoppman sowie Ulrich Sanftenberg (Marketing) und Herbert Beuge (Stellvertretender Vereinsvorsitzender). MT- - © Foto: Fabian Terwey
Am Drücker: Der SV 1860 Minden lässt den Tischfußball wieder aufleben. Dafür sorgen die Abteilungsleiter Horst Petersen (von links) und Herbert Hoppman sowie Ulrich Sanftenberg (Marketing) und Herbert Beuge (Stellvertretender Vereinsvorsitzender). MT- (© Foto: Fabian Terwey)

Minden. „Damals stand noch in jeder zweiten Wirtschaft ein Kicker“, berichtet Herbert Hoppmann voller Enthusiasmus. Das war in den Sechzigern. Damals noch ein Geschicklichkeitsspiel, ist Tischfußball seit 2012 als Sport anerkannt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte die Begeisterung in der einstigen Hochburg Minden längst der Vergangenheit an. Doch nun lassen der einstige Deutsche Meister Hoppmann und seine mittlerweile 19 leidenschaftlichen Mitstreiter den Tischfußball wieder auferstehen. Der SV 1860 Minden macht es möglich und gibt dem Sport in dem bisher leerstehenden Vereinshäuschen des fusionierten MTV 1860 Minden am Weserstadion eine neue Heimat. Dort will die ins Leben gerufene Abteilung neben dem Angebot von Spiel und Spaß sportlich hoch hinaus und mit mindestens einer der drei für den offiziellen Spielbetrieb gemeldeten Mannschaften den sofortigen Aufstieg aus der Kreisliga feiern.

„Unser Verein ist ja für viele Sportarten bekannt. Jetzt spielen wir plötzlich auch noch Tischfußball“, sagt Herbert Beuge mit einem Augenzwinkern. Der neue Abteilungsleiter Hoppmann hatte beim stellvertretenden Vorsitzenden des SV 1860 erfolgreich um die Aufnahme des Sports ins Vereinsrepertoire geworben – neben Leichtathletik, Volleyball und Co.. Hoppmanns Stellvertreter Horst Petersen erklärt: „Es ist so kompliziert geworden, einen Verein zu gründen Allein die rechtliche Situation ist schon schwierig. Deswegen sind wir echt glücklich, zum SV 1860 zu kommen.“ Wie Hoppmann und der Sportliche Leiter Nils Rottmann spielte der Mindener Petersen zuletzt Tischfußball für den VfL Bückeburg. Auch aus Mangel an Alternativen vor Ort trat er regelmäßig die Reise nach Niedersachsen an. „Man kann sich Tischfußball schwer als Sport vorstellen, aber auf hochklassigen Turnieren schwitzen die Spieler wirklich so stark, dass sie Handtücher zum Abtrocknen um den Hals tragen“, sagt Petersen. Beim Kickern kommt es vor allem auf die Konzentration und Koordination an. „Der Sport geht dabei schon auch auf die Knochen“, erklärt Hoppmann. „Und trotzdem kenne ich keinen Sport, den man so lange bis ins hohe Alter betreiben kann“, sagt Petersen.

Deutscher Meister 1968: Josef Lipkowski, Siegfried Dombrowa und Herbert Hoppmann feiern den Titelgewinn mit dem TFC Minden. - © Foto: pr
Deutscher Meister 1968: Josef Lipkowski, Siegfried Dombrowa und Herbert Hoppmann feiern den Titelgewinn mit dem TFC Minden. (© Foto: pr)

Jüngere und Ältere spielen Seite an Seite. „Ein Mindestalter, um anzufangen, gibt es nicht“, sagt Hoppmann: „Hauptsache man kann über den Tisch gucken.“ Im Ligabetrieb von März bis Oktober spielen Frauen und Männer in gemischten Teams, bestehend aus vier bis acht Akteuren. Die Partien gegen die Liga-Konkurrenz finden sonntags an Blockspieltagen mit mehreren Teams an einem Austragungsort statt. Ein Match kann bis zu 60 Minuten dauern. Auf welche Widersacher der SV 1860 in der NRW-Liga treffen wird und ob auch Minden Ausrichtungsschauplatz sein wird, steht noch nicht fest. Die Einteilung und Zuordnung erfolgt am 1. März durch den Nordrhein-Westfälischen Tischfußballverband (NWTFV) bei einer großen Vereinsversammlung in Dortmund . Zu glorreichen Zeiten im Mühlenkreis hatten sich aus den Gemeinschaften in den Kneipen 20 Vereine entwickelt. Hoppmann holte bei der zweiten Deutschen Meisterschaft 1968 in Braunlage den Titel an der Seite von Josef Lipkowski und Siegfried Dombrowa. Den ruhmreichen TFC Minden gibt es heute nicht mehr. Der SV 1860 soll in die Fußstapfen treten. Langfristig ist die Verbandsliga das Ziel. Darüber gibt es nur noch die 2. und die 1. Bundesliga. Zweitliga-Spieler Patrick Kamczyk soll bei dem Vorhaben als Trainer helfen. Hoppmann erklärt mit einem Leuchten in den Augen: „Wie jede andere Sportart ist auch der Tischfußball schneller geworden. Aber unsere Vision ist es schon, dahin zu kommen, wo wir einmal gewesen sind. Wir wollen den Sport in Minden endlich wieder etablieren.“

Kickern beim SV 1860

  • Vorläufige Heimat bis April ist das Heinrich Fromme Haus – bis das Kicker-Domizil am Weserstadion bezogen werden kann.

  • Am Sonntag, 23. Februar, bietet der SV 1860 einen Tag der offenen Tür an. Gekickert wird in der Zeit von 11 Uhr bis 16 Uhr im Heinrich Fromme Haus. „Die Leute, die heute zu Hause im Keller spielen, und alle die Interesse haben, können gerne kommen“, sagt Hoppmann.

  • Trainingszeiten sind dienstags von 18 Uhr bis 20 Uhr (Jugend und Anfänger), mittwochs von 19 Uhr bis 21 Uhr (Aktive) und freitags von 19 Uhr bis 22 Uhr (Spiel und Spaß).

  • Für den Herbst ist auch eine offene Stadtmeisterschaft geplant.

  • Ein Tisch, der für den Ligabetrieb zugelassen wird, muss bestimmte Kriterien erfüllen und kostet rund 1.600 Euro.

  • Der Deutsche Tischfußballbund hat das Ziel, den Sport olympisch zu machen.

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MindenDeutsche Meister von 1968 lassen den Tischfußball in Minden auferstehenFabian TerweyMinden. „Damals stand noch in jeder zweiten Wirtschaft ein Kicker“, berichtet Herbert Hoppmann voller Enthusiasmus. Das war in den Sechzigern. Damals noch ein Geschicklichkeitsspiel, ist Tischfußball seit 2012 als Sport anerkannt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte die Begeisterung in der einstigen Hochburg Minden längst der Vergangenheit an. Doch nun lassen der einstige Deutsche Meister Hoppmann und seine mittlerweile 19 leidenschaftlichen Mitstreiter den Tischfußball wieder auferstehen. Der SV 1860 Minden macht es möglich und gibt dem Sport in dem bisher leerstehenden Vereinshäuschen des fusionierten MTV 1860 Minden am Weserstadion eine neue Heimat. Dort will die ins Leben gerufene Abteilung neben dem Angebot von Spiel und Spaß sportlich hoch hinaus und mit mindestens einer der drei für den offiziellen Spielbetrieb gemeldeten Mannschaften den sofortigen Aufstieg aus der Kreisliga feiern. „Unser Verein ist ja für viele Sportarten bekannt. Jetzt spielen wir plötzlich auch noch Tischfußball“, sagt Herbert Beuge mit einem Augenzwinkern. Der neue Abteilungsleiter Hoppmann hatte beim stellvertretenden Vorsitzenden des SV 1860 erfolgreich um die Aufnahme des Sports ins Vereinsrepertoire geworben – neben Leichtathletik, Volleyball und Co.. Hoppmanns Stellvertreter Horst Petersen erklärt: „Es ist so kompliziert geworden, einen Verein zu gründen Allein die rechtliche Situation ist schon schwierig. Deswegen sind wir echt glücklich, zum SV 1860 zu kommen.“ Wie Hoppmann und der Sportliche Leiter Nils Rottmann spielte der Mindener Petersen zuletzt Tischfußball für den VfL Bückeburg. Auch aus Mangel an Alternativen vor Ort trat er regelmäßig die Reise nach Niedersachsen an. „Man kann sich Tischfußball schwer als Sport vorstellen, aber auf hochklassigen Turnieren schwitzen die Spieler wirklich so stark, dass sie Handtücher zum Abtrocknen um den Hals tragen“, sagt Petersen. Beim Kickern kommt es vor allem auf die Konzentration und Koordination an. „Der Sport geht dabei schon auch auf die Knochen“, erklärt Hoppmann. „Und trotzdem kenne ich keinen Sport, den man so lange bis ins hohe Alter betreiben kann“, sagt Petersen. Jüngere und Ältere spielen Seite an Seite. „Ein Mindestalter, um anzufangen, gibt es nicht“, sagt Hoppmann: „Hauptsache man kann über den Tisch gucken.“ Im Ligabetrieb von März bis Oktober spielen Frauen und Männer in gemischten Teams, bestehend aus vier bis acht Akteuren. Die Partien gegen die Liga-Konkurrenz finden sonntags an Blockspieltagen mit mehreren Teams an einem Austragungsort statt. Ein Match kann bis zu 60 Minuten dauern. Auf welche Widersacher der SV 1860 in der NRW-Liga treffen wird und ob auch Minden Ausrichtungsschauplatz sein wird, steht noch nicht fest. Die Einteilung und Zuordnung erfolgt am 1. März durch den Nordrhein-Westfälischen Tischfußballverband (NWTFV) bei einer großen Vereinsversammlung in Dortmund . Zu glorreichen Zeiten im Mühlenkreis hatten sich aus den Gemeinschaften in den Kneipen 20 Vereine entwickelt. Hoppmann holte bei der zweiten Deutschen Meisterschaft 1968 in Braunlage den Titel an der Seite von Josef Lipkowski und Siegfried Dombrowa. Den ruhmreichen TFC Minden gibt es heute nicht mehr. Der SV 1860 soll in die Fußstapfen treten. Langfristig ist die Verbandsliga das Ziel. Darüber gibt es nur noch die 2. und die 1. Bundesliga. Zweitliga-Spieler Patrick Kamczyk soll bei dem Vorhaben als Trainer helfen. Hoppmann erklärt mit einem Leuchten in den Augen: „Wie jede andere Sportart ist auch der Tischfußball schneller geworden. Aber unsere Vision ist es schon, dahin zu kommen, wo wir einmal gewesen sind. Wir wollen den Sport in Minden endlich wieder etablieren.“ Kickern beim SV 1860 Vorläufige Heimat bis April ist das Heinrich Fromme Haus – bis das Kicker-Domizil am Weserstadion bezogen werden kann. Am Sonntag, 23. Februar, bietet der SV 1860 einen Tag der offenen Tür an. Gekickert wird in der Zeit von 11 Uhr bis 16 Uhr im Heinrich Fromme Haus. „Die Leute, die heute zu Hause im Keller spielen, und alle die Interesse haben, können gerne kommen“, sagt Hoppmann. Trainingszeiten sind dienstags von 18 Uhr bis 20 Uhr (Jugend und Anfänger), mittwochs von 19 Uhr bis 21 Uhr (Aktive) und freitags von 19 Uhr bis 22 Uhr (Spiel und Spaß). Für den Herbst ist auch eine offene Stadtmeisterschaft geplant. Ein Tisch, der für den Ligabetrieb zugelassen wird, muss bestimmte Kriterien erfüllen und kostet rund 1.600 Euro. Der Deutsche Tischfußballbund hat das Ziel, den Sport olympisch zu machen.